Vor Augen anderer Kletterer

Kletterer stürzt bei gewagter Aktion in Tirol in den Tod – Bergretter warnt vor Alpin-Trend

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Beim Klettern ohne Seil ist ein Alpinist in Tirol Hunderte Meter in den Tod gestürzt. Ein Bergretter hat das Unglück beobachtet. Die Route ist schon am Seil eine Herausforderung.

Leutasch – Klettern ohne Seil und alleine ist so etwas wie die Königsdisziplin der Alpinisten und spätestens seit der Filmdoku Free Solo, die den Extremkletterer Alex Honold begleitete, bekannt. Honold kletterte ohne Seil und Sicherung die 910 Meter hohe Felsformation El Capitan im Yosemite National Park in Kalifornien hinauf. Der Film machte die Extremsportart spektakulär bekannt. Es gibt viele Nachahmer, doch immer wieder kommt es zu Todesfällen. So auch jetzt in Österreich.

Der Tote wurde mit einem Polizeihelikopter geborgen

Drama in Tirol: Junger Mann kletterte ohne jede Sicherung alleine an 400 Meter hoher Wand

Ohne Seil ist ein junger Mann alleine im Karwendel an der 400 Meter hohen Südwand der Scharnitzspitze (2468 Meter) geklettert und in den Tod gestürzt. Ein Mitglied der Bergrettung Leutasch war am Samstag (18. Mai) gegen Mittag gerade selbst an der Südwand der Scharnitzspitze mit seiner Lebensgefährtin am Seil klettern, als er einen Schrei hörte und den Fee-Solo-Kletterer in die Tiefe stürzen sah.

Free-Solo-Klettern ist eine gefährliche Sportart.

„Der Kamerad seilte sich zu dem Abgestürzten ab und verständigte sofort die Einsatzkräfte“, berichtet der Ortsstellenleiter der Bergrettung Leutasch, Michael Strigl, bei IPPEN MEDIA. Allerdings war schnell klar, dass dem abgestürzten Freeclimber nicht mehr zu helfen war, er war tot.

Der Notarzthubschrauber „Christophorus 1“ flog zwar noch zur Unfallstelle, kehrte aber um, als klar war, dass man dem Kletterer nicht mehr helfen konnte. Der Tote wurde dann mit dem Hubschrauber „Libelle“ der Alpinpolizei und mithilfe des anwesenden Bergretters geborgen.

Die zweifelsfreie Identifizierung gestaltet sich schwierig: Kletterer vermutlich aus Oberbayern

Strigl: „Wir wissen nicht genau, wo er abgestürzt ist, es war nicht oben am Gipfel.“ Der Sturz war zwischen 250 und 400 Meter tief. Die Identität des Toten war am Pfingstmontag noch nicht endgültig geklärt, doch es handelte sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Oberbayern aus dem Raum München, Ende 20, der zurzeit in Tirol lebt. Die zweifelsfreie Identifizierung gestaltet sich schwierig.

Die Route, die der Freeclimber ohne Seil kletterte, war auf jeden Fall schwer. „Die Kletterpassagen an der Scharnitzspitze haben Schwierigkeitsgrad fünf bis neun“, so Strigl. „Wir wissen nicht genau, welche Route er genommen hatte, auf jeden Fall ist es anspruchsvoll, der Fels im Karwendel ist zudem sehr brüchig.“ Inwieweit das Klettern ohne Seil leichtsinnig ist? „Wenn man sehr viel Erfahrung hat und die Route gut kennt, kann man das machen, empfehlen würde ich es niemanden.“

Anfang Mai war ein junger Skibergsteiger am Großglockner in den Tod gestürzt, auch er war alleine unterwegs. An der Wildspitze in den Ötztaler Alpen stürzte im April ein Bergführer 200 Meter tief in den Tod. Am Piz Palü in der Schweiz wurde im Mai ein Skitourengeher von einer Lawine getötet.

Rubriklistenbild: © Bergrettung Leutasch

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