Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Modelle zeigen mildes Winter-Wetter – doch Dezember-Prognose lässt aufhorchen

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Offizielle Prognosen deuten auf Wärme hin – doch im Hintergrund verdichten sich Anzeichen, dass der Winter ganz andere Pläne haben könnte. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Die neueste Langfristprognose der US-Wetterbehörde NOAA lässt echte Winterfreunde frösteln – allerdings nicht vor Kälte. Sowohl Januar als auch Februar 2026 sollen demnach um 1 bis 2 Grad wärmer ausfallen als im Vergleichszeitraum 1991 bis 2020. Ein klarer Fingerzeig auf einen insgesamt milden Winter. Besonders in Mitteleuropa spricht die Statistik damit gegen anhaltende Kältewellen oder eine Schneedecke, die wochenlang bestehen bleibt.

Die aktuelle Winterprognose der US-Wetterbehörde NOAA macht Winterfreunden wenig Hoffnung, doch aus einer bestimmten Ecke hört man in Sachen Winter ganz andere Töne.

Doch ganz so eindeutig ist das Bild nicht. Schon im Dezember zeigt sich eine leichte, aber bemerkenswerte Veränderung: Wurde vor wenigen Wochen noch ein sehr warmer Dezember mit bis zu 2 Grad Plus prognostiziert, liegt der neue Trend nur noch bei 0,5 bis 1 Grad über dem Mittel. Diese Absenkung klingt unspektakulär, ist aber ein erster Hinweis, dass sich atmosphärische Weichen vielleicht anders stellen könnten, als es die Modelle bislang erwarten.

Polarwirbel beeinflusst Winter-Wetter in Deutschland

Abseits der offiziellen Prognosen werden Stimmen laut, die ein anderes Szenario für möglich halten. Russische Forscher veröffentlichten erst vor wenigen Tagen eine Analyse, in der sie einen deutlich kälteren Winter für Europa 2025/26 ins Spiel bringen. Grundlage ihrer Hypothese sind Anzeichen für mögliche Veränderungen im stratosphärischen Polarwirbel – jenem gewaltigen Kältegebilde über der Arktis, dessen Zustand oft wie ein Schlüssel zum europäischen Winter fungiert. Schwächt er sich oder bricht gar auf, kann kalte Luft in Schüben nach Süden ausbrechen.

Hinzu kommen Beobachtungen über mögliche Druckmusterverlagerungen über dem Nordatlantik, die den Jetstream schwächen und mäandrieren lassen könnten. Solche Entwicklungen können warme Westwinde blockieren und den Weg für arktische Kaltluft frei machen – manchmal schleichend, manchmal schlagartig.

Mystische Winterzeichen: Wenn das Offensichtliche trügt

Noch sind es nur leise Andeutungen, kaum mehr als atmosphärische Schattenrisse – doch genau darin liegt der Reiz. Während offizielle Klimamodelle statistisch glätten, arbeiten manche Forscher mit analogbasierten Mustern, historischen Vergleichen und subtilen Langzeitindikatoren: Meeresoberflächentemperaturen, Schneebedeckung in Sibirien, Sonnenaktivität und ENSO-Entwicklungen im Pazifik. Einzelne dieser Faktoren deuten darauf hin, dass der Winter möglicherweise mehr Überraschungen bereithält, als es die Zahlen vermuten lassen.

Sollte der Polarwirbel im Spätwinter destabilisieren, könnten plötzliche Kaltluftausbrüche Mitteleuropa treffen – spät, aber heftig. So entsteht ein geheimnisvolles Winterpuzzle: Offizielle Modelle sehen milde Zeiten, während im verborgenen Prozesse ablaufen, die das Spiel noch drehen könnten. Der Winter 2025/26 steht damit an einer spannenden Schnittstelle zwischen Statistik und Atmosphäre – und vielleicht wird er sich erst im letzten Moment entscheiden, welche Maske er trägt.

Rubriklistenbild: ©  IMAGO / Arnulf Hettric

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