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Berühmt wurde der Impfstoff auf mRNA-Basis bei den Corona-Impfungen. Nun könnte er die Grippeschutzimpfung auf ein neues Niveau heben.
Berlin - Jedes Jahr rätseln die Hersteller von Impfstoffen für den Grippeschutz, welcher Virentyp der dominante der neuen Influenza-Saison werden wird. Entsprechend müssen sie die Impfstoffe anpassen. Bis jetzt waren Länder wie Australien ein Indikator. Denn dort ist, während wir in Deutschland Sommer haben, Winter. Entsprechend breitet die Grippewelle dort im Juni, Juli und August. „Manchmal liegt man bei der Vorhersage aber daneben“, sagt Stephan Ludwig, Virologe an der Universität Münster in einem spiegel.de-Interview.
Um diese Fehlschläge zu minimieren, setzen die Forscher große Hoffnungen in neue Impfstoffe auf mRNA-Basis. Der große Unterschied zu den bisherigen Impfstoffen ist, dass keine Krankheitserreger oder deren Bestandsteile für den Aufbau des Immunschutzes genutzt werden. In den mRNA-Impfstoffen ist eine „Bauanleitung“ für einen Baustein des Virus enthalten. Anhand dieser Information kann der Körper einen Impfschutz aufbauen.
Grippewelle: „Bauanleitung“ in mRNA-Impfstoffe – zwei Studien aus Amerika mit ermutigenden Ergebnissen
Und genau diese „Bauanleitung“ – die schon bei Corona-Impfungen erfolgreich war, könnte auch die Grippeimpfungen verbessern. Zwei Arbeitsgruppen aus den USA berichten von ermutigenden Ergebnissen von Studien mit neuartigen mRNA-Impfstoffen im Maus- und Frettchenmodell, schreibt spiegel.de. Und weiter: „Dabei wird den Impfwilligen der genetische Bauplan bestimmter Virusbestandteile injiziert – verpackt in eine Hülle aus Fettmolekülen. Im Körper des Geimpften werden dann die Virenschnipsel produziert – und in der Folge bildet das Immunsystem dagegen passgenaue Antikörper.“
Der große Vorteil liegt darin, dass viele verschiedene Bauanleitungen in einem Impfstoff verpacken lassen. Heißt im Laborergebnis: Die Mäuse haben gegen alle Viren Antikörper gebildet. In der Versuchsreihe kamen 20 Influenza-Typen zum Einsatz. Nachdem die Tiere geimpft waren, wurden sie Grippeviren ausgesetzt – auch solchen, die nicht im 20-teiligen Impfcocktail enthalten waren. Das Ergebnis: Alle Tiere überlebten. Rund die Hälfte der Tiere in der Kontrollgruppe überlebten nicht.
Was die Forscher zu der Annahme kommen lässt: Neue mRNA-Impfstoffe könnten womöglich auch gegen bisher unbekannte Grippeviren schützen. „Die Studie zeigt, dass der Impfstoff ein Immungedächtnis hervorruft, das schnell aktiviert werden kann“, heißt es in einer Pressemitteilung der University of Pennsylvania School of Medicine. So könnte eine einmalige Impfung eine lang anhaltende Grundimmunität schaffen und schwere Krankheit und Tod auch bei neu auftretenden Grippeviren verhindern. Die Experten schließen nicht völlig aus, dass die Viren langfristig den Schutz unterwandern können. Es sei aber viele schwieriger als bei den herkömmlichen Impfstoffen, so der Stand der Forschungen.
Grippewelle: WHO entscheidet über Zusammensetzung eines Impfstoffes für die aktuelle Grippe-Saison
Bis ein mRNA-Impfstoff gegen Grippeviren zugelassen worden ist, wird es vermutlich noch einige Zeit dauern. Bis dahin entscheidet die Weltgesundheitsorganisation WHO über die Zusammensetzung eines Impfstoffes für die aktuelle Grippe-Saison. Die Impfung schützt in der Regel gegen die vier Grippe-Virusvarianten, von denen erwartet wird, dass sie sich am stärksten verbreiten werden. Wie auch die Corona-Impfung verhindert eine Grippeimpfung nicht, dass man sich ansteckt. Sie mindert den Krankheitsverlauf.
Die Herstellung der auf dem Markt befindlichen Grippe-Impfstoffen beginnt in Hühnereiern. Die Eier werden bebrütet, dann werden die Viren extrahiert, gereinigt und inaktiviert. Für jeden der vier Virenstämme müssen diese Arbeitsschritte einzeln durchgeführt werden. Eine sehr zeitaufwändige Prozedur. Impfstoffe aus Basis von mRNA-Technologie könnte die Produktion erheblich beschleunigen.
Bis jetzt sind Biontech/Pfizer und Moderne die bekanntesten Hersteller von mRNA-Impfstoffen gegen Corona. Allerdings gibt es Streit, um Patente. Die Co-Gründerin von Biontech, Özlem Türeci sagte, dass solche Impfstoffe im Kampf gegen den Krebs von großer Bedeutung sein könnten.
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