Seit Wochen quält eine Mückenplage einen Ort in der Toscana. Bürger fordern jetzt in einer Online-Petition den Notstand auszurufen.
Orbetello – Die Nerven liegen bei vielen Bewohnern von Orbetello offenbar blank. Das alte Städtchen im Süden der Toskana liegt auf einer Landzunge, die es mit der Halbinsel Monte Argentario verbindet. Die Lagune von Orbetello ist als echtes Naturparadies bei Italien-Urlaubern bekannt. Sogar Flamingos brüten dort. Mücken fühlen sich in der Lagunen offenbar auch besonders wohl, vermehren sich explosionsartig.
„Wir können unsere Fenster nicht mehr öffnen“ – Massive Mückenplage in der Lagune von Orbetello
„Aufgrund der Mückeninvasion in der Lagune von Orbetello können wir unser normales Leben nicht weiterführen“, heißt es in einer Petition auf der Onlineplattform change.org. über die auch die italienische Nachrichtenagentur Ansa berichtet. „Wir können die Fenster nicht öffnen. Wir sind zu Hause eingesperrt, wie in der Zeit von Covid. Unsere Kinder gehen zur Schule, beispielsweise in ‚Consani‘ und atmen Luft voller Mücken.“
Italienischer Badeort klagt über Mückenwahnsinn und „abnormal große Spinnen“
Darüber hinaus schildert der Initiator der Petition noch ein schier unglaubliches Problem: „Wenn tote Mücken von Spinnen gefressen werden, kommt es auch zum Phänomen abnormal großer Spinnen.“ Es sei Zeit, dass die Region eingreift.
„Dieser Befall ist nicht einfach nur ein Ärgernis, sondern das Ergebnis einer ineffektiven Bewirtschaftung der Lagune“, erklärt Alessio Segoni, ein Einwohner, der die Petition ins Leben gerufen hat. Aufgrund falscher und versäumter Entscheidungen habe der Mensch diese Naturkatastrophe verursacht, behauptet er. Im vergangenen Sommer spielte sich in der Lagune von Orbetello ein Natur-Desaster ab. Tonnenweise tote Fische trieben in der Lagune.
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„Wir fordern, dass der Notstand ausgerufen wird und dass die Region und alle beteiligten institutionellen Stellen (einschließlich des Umweltministeriums) dringende Maßnahmen ergreifen, um den Mückenbefall in der Lagune von Orbetello sofort zu beenden.“ Innerhalb von wenigen Tagen wurden mehr als 9700 Unterschriften für die Petition bereits gesammelt (Stand: 19. März, 12 Uhr).
Plage in Orbetello hat enorme Auswirkungen: „Autofahrer von Mücken angegriffen“
Schon vor kurzem löste ein Internet-Video hitzige Diskussionen aus, wie iltirreno.it berichtet. In den Aufnahmen ist zu sehen, wie ein Autofahrer in Orbetello von „Mücken angegriffen wird“. Ein Mückenregen bedeckt bei der Fahrt in der Dunkelheit eine Autoscheibe. Wegen schlechter Sicht seien die Autofahrer gezwungen, in den Nachtstunden besonders langsam zu fahren, heißt es. Mit einem Roller sei es unmöglich und gefährlich, da die Mücken auf dem Helmvisier landen würden.
Der Bürgermeister von Orbetello Andrea Casamenti kündigte bereits auf Facebook „sofortige“ und „außergewöhnliche Maßnahmen“ an. Die Gemeinde werde 50.000 Euro für eine Analyse der Larvendichte in den Sedimenten der Lagune bereitstellen, um herauszufinden, wie sich das Phänomen in den kommenden Wochen entwickeln werde.
Ansonsten muss sich die 14.400 Einwohner-Stadt in der Provinz Grosseta offenbar etwas gedulden. Das Umweltministerium teilte in einem Schreiben mit, dass die „anomale Ausbreitung“ der Mücken schnell anzugehen sei, die den wirtschaftlichen und sozialen Aktivitäten enorme Unannehmlichkeiten bereiteten. Ob Biozide oder andere zugelassene Schädlingsbekämpfungsmittel für die Lagune von Orbetello infrage kommen, müsse das zuständige Gesundheitsministerium entscheiden.