Letztes Weihnachten zusammen

Vierfache Mutter erkrankt an Long Covid – Jetzt sammelt Familie Geld für Sterbehilfe

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Eine Mutter von vier Kindern leidet unter Long Covid. Seit Monaten ist sie ans Bett gefesselt. Jetzt trifft die Familie eine schwerwiegende Entscheidung.

Gloucestershire – Sterbehilfe ist in Großbritannien per Gesetz nicht erlaubt. Viele schwerstkranke Menschen begeben sich deshalb unter anderem in die Schweiz, wenn sie sich für einen assistierten Suizid entscheiden. Auch Kelly Louise Smith-May aus dem Südwesten Englands zieht diese Option in Erwägung.

Frau leidet noch nach Jahren unter Long Covid: Das sind mögliche Symptome

Die 39-Jährige leidet noch immer unter den Folgen ihrer Corona-Erkrankung im Dezember 2021, schilderte ihr Ehemann Stuart May der DailyMail. Bleiben die Beschwerden auch noch Wochen und Monate nach der Infektion mit dem Corona-Virus bestehen, spricht man von Long Covid. Das sind laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mögliche Symptome:

  • Stark anhaltende Schwäche und schnelle Erschöpfung (Fatigue)
  • Kurzatmigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
  • Schlafstörungen
  • Muskelschwäche und Muskelschmerzen
  • Störung von Geschmack und Geruch
  • Depressive Symptome und Ängstlichkeit

Bei May wurde später dann auch noch das chronische Fatigue Syndrom (CFS) diagnostiziert. Das führt vor allem zu körperlicher Schwäche, kann aber auch neurokognitive Symptome wie Konzentrations- und Wortfindungsstörungen verursachen. Laut Deutscher Gesellschaft für ME/CFS leiden Betroffene häufig an einer Überempfindlichkeit auf Sinnesreize. Deshalb liegt auch die 39-Jährige in einem ständig abgedunkelten Raum.

Mutter erkrankt an Long Covid und kann sich nicht mehr um ihre Familie kümmern

Ehemann Stuart May muss ihr die Haare waschen und sie regelmäßig drehen, weil sie es aus eigener Kraft nicht schafft. Auf Licht, Geräusche, Gerüche, Bewegungen und Berührungen reagiert sie empfindlich. „Sie hat so große Schmerzen“, schilderte der 35-Jährige gegenüber DailyMail. Auch um ihre vier Kinder kann sie sich nicht mehr kümmern. Um May in Vollzeit zu pflegen, hat ihr Mann seinen Job als Baggerfahrer aufgegeben. Nun ist die Familie auf Sozialleistungen angewiesen.

Kelly Louise Smith-May leidet besonders schwer unter den Folgen ihrer Corona-Erkrankung.

Inzwischen sei ihr Zustand so schlecht, dass nur noch „der Tod ihr Leiden beenden könnte“, erklärte ihr Ehemann. Seit Juni vergangenen Jahres habe die 39-Jährige nicht mehr das gemeinsame Schlafzimmer verlassen. Alle paar Wochen schaue ein Arzt nach ihr. „Ich versuche, mich so gut wie möglich um sie zu kümmern.“ Aber auch dem 35-Jährige fällt es zunehmend schwerer. „Sie ist nicht die Frau, die ich geheiratet habe“, so Stuart May.

Letztes Weihnachten zusammen: Familie sammelt Geld für Sterbehilfe der Mutter

Die anscheinend einzige Möglichkeit ist für die Familie jetzt offenbar Sterbehilfe in der Schweiz. Dort ist Suizidhilfe legal. Dabei wird Patientinnen und Patienten eine tödliche Substanz vermittelt, die Betroffene dann ohne Fremdeinwirkung selbst einnehmen. „Wir haben viel darüber gesprochen und es ist das, was Kelly möchte“, schilderte ihr Ehemann der Zeitung. 10.000 Schweizer Franken (etwa 10.500 Euro) kostet die Dienstleistung beim Schweizer Verein zur Freitodbegleitung Pegasos.

Um das Geld aufzutreiben, startete ein Freund der Familie eine Spendenaktion. Kelly habe „diese Entscheidung nicht leichtfertig getroffen“, heißt es auf der Gofundme-Seite. Sie habe „Ärzte aufgesucht, war in Einrichtungen und hat alle empfohlenen Mittel zur Verbesserung ihres Zustands ausgeschöpft, ohne Erfolg.“ Inzwischen sind fast 5000 britische Pfund (umgerechnet etwa 5832 Euro) an Spendengeldern zusammengekommen (Stand: 3. Dezember 2023). Nun will die Familie zumindest noch ein letztes Weihnachtsfest gemeinsam verbringen, bevor es dann womöglich tatsächlich in die Schweiz geht.

Sterbehilfe befidet sich in Deutschland in der Grauzone

Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts im Februar 2022 befindet sich assistierter Suizid in Deutschland in einer Grauzone. Demnach ist die Beihilfe zur frei verantwortlichen Selbst­tötung nicht strafbar. Ein entsprechendes Gesetz, was etwa den Zugang zu einem tödlichen Medikament oder angemessene Unterstützung beim Sterben regelt, gibt es aber noch nicht.

Anmerkung der Redaktion

Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de.

Laut dem Verein Long Covid Schweiz nehmen immer mehr Betroffene Sterbehilfe wahr. Die meisten seien zwischen 20 und 50 Jahre alt, sagte die Vizepräsidentin Florence Isler der Tageszeitung Blick. Da zu Ursachen und Behandlung von Long Covid bisher nur wenig bekannt ist, haben Schwerstbetroffene wenig Hoffnung auf Besserung. Zumindest ein Medikament macht bei Long Covid Hoffnung.

Rubriklistenbild: © Screenshot @gofundme

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