„Grenze erreicht“

„Zu viel, viel zu viel“: Urlauber-Magnet ist Massentourismus in Belgien ein Dorn im Auge

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Eine Flut von Touristen reist jedes Jahr nach Brügge, um die Grachtenstadt zu bewundern. Das trifft nicht bei allen Bewohnern auf Gegenliebe.

Brügge – „Brügge sehen und sterben“, heißt ein berühmter Hollywood-Film, der in der bei Urlaubern beliebten belgischen Grachtenstadt spielt. Wenn es aber nach den Einwohnern des Urlaubermagneten geht, müsste es wohl viel mehr heißen: In „Brügge stehen und sterben“. Denn der Massentourismus in der Stadt stößt den Bewohnern übel auf.

Immerhin „verirren“ sich jedes Jahr rund acht Millionen Touristen in die Gemeinde, die nach Brüssel wohl die bekannteste Stadt in Belgien ist. Doch der ausufernde Massentourismus ist für die Bewohner mittlerweile vielmehr Fluch als Segen, da sich an einem gewöhnlichen Sommertag unzählige Urlauber durch die Gassen und Straßen der Stadt schieben und diese in vielerlei Hinsicht an ihre Grenzen bringt.

„Zu viel, viel zu viel“: Belgiens Urlauber-Magnet reißt wegen Massentourismus die Hutschnur

Allerdings empfinden die Einheimischen den Touristen-Ansturm, besonders in den Sommermonaten, als Belästigung. Sie haben schlicht und ergreifend genug von der Urlauber-Flut. „Es kommen immer mehr Leute hierher, jetzt sogar mit Booten“, erklärt ein verstimmter Bewohner von Brügge im Video von der Nachrichtenagentur AFP. „Das führt zu vielen Problemen. Wir Anwohner empfinden es als zu viel, als viel zu viel. An machen Tagen ist es enorm.“

Brügge platzt aufgrund des Touristen-Ansturms aus allen Nähten. Nun soll es neue Maßnahmen geben, um eine andere Art von Urlaubern abseits des Massentourismus anzulocken.

Ein weiterer Einwohner äußert sich ebenfalls missmutig gegenüber dem Massentourismus in seiner Heimatstadt. „Es ist wirklich eine Grenze erreicht. Wie ein Vermieter hier sagte: ‚Es reicht. Wir brauchen nicht mehr Touristen, vielleicht etwas weniger‘.“ Zu einem Eklat in Kroatien, als eine Urlauberin „keine Scham“ zeigte, kam es wohl bisher noch nicht.

Brügge will gegen Massentourismus vorgehen: Eine „bestimmte Art der Besucher erhöhen“

Ein Grund für die stete Welle an Besuchern sind die Tagestouristen, die zuhauf von den Kreuzfahrtschiffen, die im nahegelegenen Hafen von Zeebrügge vor Anker gehen, in die malerische Stadt strömen. Dabei ist diese Art von Tourismus nur wenig ertragreich für die Stadt, da die Gastronomie um Hotels und Restaurants wenig bis gar nicht von den Urlaubern profitiert.

Im Hintergrund laufen die Anstrengungen der Stadt zumindest auf Hochtouren, um aus dem Tourismus-Ansturm auch den entsprechenden Profit zu ziehen. „Unser Ziel ist es, nicht die Menge zu erhöhen, sondern die Art der Besucher, die hier herkommen“, erklärt Anne De Meerleer vom Fremdenverkehrsamt in Brügge bei AFP.

Belgien: Einwohner von Brügge befürchten, dass ihre Stadt zu einer Art Disney Land verkommt

Das Augenmerk in Brügge liegt nun vor allem darauf, den Touristen-Ansturm über das ganze Jahr zu verteilen. Und jene Urlauber anzulocken, die den Gaumen für gehobene Gastronomie und den Blick für einzigartige Kultur, anstatt für belgische Waffeln und schnelle Selfies haben. Touristen, die bereit sind „teure“ Preise wie in Italien oder „Preiserhöhungen“ wie in Kroatien zu bezahlen, anstatt sich maximal mit günstigen Angeboten über den Tag zu retten.

Die Touristen auf der anderen Seite sehen die Lage scheinbar weniger prekär. „Es ist gar nicht so voll“, sagt ein schottischer Urlauber zur AFP. „Es ist wie Amsterdam, Florenz oder Venedig, aber nicht so überlaufen.“ Die Einwohner der Grachtenstadt sehen das folglich anders und können mögliche Maßnahmen, um der Touristen-Flut Einhalt zu gebieten, wohl kaum erwarten. Ob es dabei so drastisch wie Italien sein muss, wo eine Urlaubsinsel mit Bußgeldern droht, bleibt abzuwarten. (mit Material der AFP)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Björn Trotzki

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