Mitten in der Nacht

Bär im Küchenzelt erschreckt junge Pfadfinder in italienischer Urlaubsregion

  • schließen

Ein Bär dringt in der Nacht in ein Pfadfinderlager in den Abruzzen (Italien) ein. Jugendlichen flüchten vor dem Tier. Die Pfadfinder stehen jetzt in der Kritik.

Lecce nei Marsi – Ein echtes Abenteuer, mitten in der Natur – das können Pfadfinderlager im Sommer sein. In Italien sind Zwölfjährige der Natur allerdings ein bisschen zu nahe gekommen. Ein Bär brach Mitten in der Nacht in das Pfadfinderlager ein. Das Raubtier hatte es auf die Vorräte im Küchenzelt abgesehen. Aus Angst vor einem Bärenüberfall flüchteten die Kinder aus ihren Zelten. Der Vorfall schlägt inzwischen hohe Wellen.

Italien: Bär im Küchenzelt erschreckt junge Pfadfinder – Vorwürfe gegen Sommerlager in den Abruzzen

Der Bär wurde von dem Futter in der Zeltküche angelockt, berichtet das italienische Nachrichtenportal ilcentro.it. Einige Jungen hörten Geräusche und sahen, wie das Tier aus dem Zelt kam, wo es sich offenbar „erfrischt“ hatte. Aus Furcht flüchteten die Pfadfinder aus ihren Zelten demnach in Autos.

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht vom Samstag (29. Juli) auf Sonntag (30. Juli) in der Nähe von Lecce nei Marsi bei dem Anstieg „La Guardia“. Während einige offenbar Videos mit dem Handy filmten, wurde der Bürgermeister von Lecce nei Marsi Augusto Barile informiert. Barile brachte die verängstigten Pfadfinder dann vorübergehend in einem nahegelegenen Tierheim unter.

Braunbär in den Abruzzen plündert Küchenzelt von Pfadfinderlager. (Symbolfoto)

Italien: Angst um Bär im Pfadfinderlager in den Abruzzen – bittere Vorwürfe gegen Chef der Pfadfinder

Nach dem Schreck in der Nacht ist der Bürgermeister jedoch empört: „Wer hierherkommt, sollte wissen, dass dies eine Stadt ist, in der Bären frei in den Bergen und auf den Straßen herumlaufen. Genau deshalb versuchen wir, Schritt für Schritt eine bärenfreundliche Stadt zu werden.“ Laut ilcentro.it hatten die Pfadfinder ein ungeeignetes Küchenzelt aufgebaut. Der Bär nutzte dies aus, brach ein und fraß alles was herumlag auf.

Der Ort genannt „La Guardia“ liegt zwar außerhalb des Nationalparks der Abruzzen, Latium und Molise, doch auch nach dem Direktor des Parks sei die mangelnde Vorsicht des Pfadfinderführers an dem Bärenüberfall schuld.

„Der Chef der Pfadfinder sollte seine Jungen besser führen“, sagte der Direktor des Nationalparks Luciano Sammarone laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa. „Pfadfinderarbeit bedeutet im Grunde genommen Verantwortung. Die Pfadfinderführer haben gezeigt, dass sie keine haben. Und wieder einmal ist der Bär im Spiel.“ Auch die Kinder wüssten das offenbar nicht. Nach dem tödlichen Angriff eines Bären auf einen Jogger im April im Trentino ist eine Debatte um das sonst scheue Raubtier in Italien entfacht.

„Die Pfadfinderei verliert ihren Sinn, der nicht nur darin besteht, in der Natur zu leben, sondern auch in der Verantwortung für das, was man tut“, sagte Luciano Sammarone. Es sei bekannt, dass Bären durch „La Guardia“ nach Lecce nei Marsi kommen. „Die Pfadfinder stellten also ihre Zelte in das Haus des Bären.“

Marsischer Braunbär ist Symboltier des Nationalparks der Abruzzen

Der Marsische Braunbär ist auch das Symboltier des Nationalparks der Abruzzen, Latium und Molise und eine Unterart der Braunbären. Nach Experten sollen bis zu 40 Stück im Nationalpark leben. Der Bär ist ein Wildtier und bleibt immer unberechenbar. Bei einer Begegnung mit einem Bären ist es wichtig, Verhaltensregeln zu beachten.

Unglaubliche Fotos von einem Bären, der in einem Brunnen vor dem Winterschlaf ein Bad nimmt, ging in Italien viral. (ml)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Bruno D Amicis

Kommentare