Phlegräische Felder

Erneutes Erdbeben an Italiens Supervulkan: Bewohner erleben „Albtraum“

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In der Nacht auf Dienstag hat ein Erdbeben die Vulkanregion bei Neapel erschüttert. Obwohl es nicht zu den Stärksten zählte, ist es für Anwohner wie ein Alptraum.

Pozzuoli/Neapel – Kaum eine Woche vergeht, ohne dass sich der Supervulkan der phlegräischen Felder in irgendeiner Weise bemerkbar macht. Nun hat in der süditalienischen Vulkanregion um Neapel in der Nacht auf Dienstag (18. Juni) ein Erdbeben Anwohner aus dem Schlaf gerissen.

Supervulkan in Italien: Erdbeben, Evakuierungen, Zeltstädte – Bilder zeigen „Schreckensherrschaft“

Es rumpelt gewaltig an Italiens Supervulkan: Die seismischen Aktivitäten nehmen in den vergangenen Wochen massiv zu – das mündete in einem starken Erdbeben, Evakuierungen und tausenden verängstigten Menschen.
Es rumpelt gewaltig an Italiens Supervulkan: Die seismischen Aktivitäten nehmen in den vergangenen Wochen massiv zu – das mündete in einem starken Erdbeben, Evakuierungen und tausenden verängstigten Menschen. © Napolipress/picture alliance/dpa/IPA via ZUMA Press
Es war das stärkste Beben seit 40 Jahren: Teile einer Straße sind nach heftigen Erdstößen am Montag mit herabgefallenen Steinen übersät und gesperrt.
Es war das stärkste Beben seit 40 Jahren: Teile einer Straße sind nach heftigen Erdstößen am Montag mit herabgefallenen Steinen übersät und gesperrt. © Napolipress/picture alliance/dpa/IPA via ZUMA Press
Pozzuoli wappnet sich momentan für den Ernstfall: Evakuierungspläne und Notfallszenarien werden durchgespielt – manche Fachleute würden die „Rote Zone“ am liebsten jetzt schon leeren, andere beruhigen.
Pozzuoli wappnet sich momentan für den Ernstfall: Evakuierungspläne und Notfallszenarien werden durchgespielt – manche Fachleute würden die „Rote Zone“ am liebsten jetzt schon leeren, andere beruhigen. © Salvatore Laporta/Kontrolab/picture alliance/dpa/IPA via ZUMA Press
Ratlosigkeit, Angst und Verunsicherung dominieren die Stimmungslage in den phlegräischen Feldern: Die Erdbeben nehmen zu, werden zu Dauerqual für die Bewohner.
Ratlosigkeit, Angst und Verunsicherung dominieren die Stimmungslage in den phlegräischen Feldern: Die Erdbeben nehmen zu, werden zur Dauerqual für die Bewohner. © Alessandro Garofalo/picture alliance/dpa/LaPresse via ZUMA Press
Volle Straßen nach dem Erdbeben am Montagabend: Menschen flüchteten ins Freie, kehrten großteils vorerst nicht in ihre Häuser zurück.
Volle Straßen nach dem Erdbeben am Montagabend: Menschen flüchteten ins Freie, kehrten großteils vorerst nicht in ihre Häuser zurück. © Alessandro Garofalo/picture alliance/dpa/LaPresse via ZUMA Press
Die Gefahrenlange in Pozzuoli hat neue Ausmaße erreicht: Das starke Erdbeben hinterließ große Schäden und noch mehr Verunsicherung – Feuerwehr und Statiker überprüfen die Wohnhäuser in der Region auf ihre Erdbebensicherheit.
Die Gefahrenlange in Pozzuoli hat neue Ausmaße erreicht: Das starke Erdbeben hinterließ große Schäden und noch mehr Verunsicherung – Feuerwehr und Statiker überprüfen die Wohnhäuser in der Region auf ihre Erdbebensicherheit. © Napolipress/picture alliance/dpa/IPA via ZUMA Press
Es raucht und dampft in den phlegräischen Feldern: Der Supervulkan in Italien zeigt sich zuletzt wieder verstärkt aktiv.
Es raucht und dampft in den phlegräischen Feldern: Der Supervulkan in Italien zeigt sich zuletzt wieder verstärkt aktiv. © stock&people/Imago
„Diesmal war es schwer, als würde es nie enden wollen“: Sagte ein Mann aus Bagnoli der Nachrichtenagentur Ansa nach dem Erdbeben mit einer Stärke von 4,4: Etliche Menschen verließen ihre Häuser, verbrachten die Nacht zur Sicherheit teils im Auto oder am Strand.
„Diesmal war es schwer, als würde es nie enden wollen“, sagte ein Mann aus Bagnoli der Nachrichtenagentur Ansa nach dem Erdbeben mit einer Stärke von 4,4. Etliche Menschen verließen ihre Häuser, verbrachten die Nacht zur Sicherheit teils im Auto oder am Strand. © Felice De Martino/Imago
Wie leben die Menschen mit der ständigen Furcht vor dem Supervulkan? Fernsehteams befragen Personen vor den Auffanglagern in Pozzuoli.
Wie leben die Menschen mit der ständigen Furcht vor dem Supervulkan? Fernsehteams befragen Personen vor den Auffanglagern in Pozzuoli. © Felice De Martino/Imago
46 Familien mussten in den letzten Tagen ihre Häuser aufgrund der Erdbebengefahr verlassen: Auffanglager mit Zelten und insgesamt 400 Feldbetten bieten Zuflucht für die Evakuierten.
46 Familien mussten in den letzten Tagen ihre Häuser aufgrund der Erdbebengefahr verlassen: Auffanglager mit Zelten und insgesamt 400 Feldbetten bieten Zuflucht für die Evakuierten. © R4924_italyphotopress/Imago
Tristesse im Notfallzelt: Zahlreiche Bewohner wurde sicherheitshalber in Zelten wie diesem untergebracht.
Tristesse im Notfallzelt: Zahlreiche Bewohner wurde sicherheitshalber in Zelten wie diesem untergebracht. © R4924_italyphotopress/Imago
76.952 Einwohner hat der Ort Pozzuoli, das wichtigste Zentrum der phlegräischen Felder direkt neben der Metropole Neapel: In der „Roten Zone“ leben insgesamt 360.000 Menschen.
76.952 Einwohner hat der Ort Pozzuoli, das wichtigste Zentrum der phlegräischen Felder direkt neben der Metropole Neapel: In der „Roten Zone“ leben insgesamt 360.000 Menschen. © R4924_italyphotopress/Imago
Die Menschen in der Region sprechen von einer „Schreckensherrschaft“ des Supervulkans: Seit Monaten leben sie unter ständiger Angst.
Die Menschen in der Region sprechen von einer „Schreckensherrschaft“ des Supervulkans: Seit Monaten leben sie unter ständiger Angst.  © R4924_italyphotopress/Imago
Nach dem starken Erdbeben wurde auch ein Frauengefängnis in Puuzuoli evakuiert: 147 weibliche Häftlinge wurden in Gefängnisse außerhalb verlegt.
Nach dem starken Erdbeben wurde auch ein Frauengefängnis in Puuzuoli evakuiert: 147 weibliche Häftlinge wurden in Gefängnisse außerhalb verlegt. © Antonio Balasco/Imago

Nächtliches Erdbeben der Stärke 3,4 erschüttert die Phlegräische Felder in Italien

Das Erdbeben der Stärke 3,4 auf der Richterskala ereignete sich um 03.58 Uhr Ortszeit in der Zone der Phlegräischen Felder bei Pozzuoli (Italien), wie das Nationale Institut für Geophysik und Vulkanologie (Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia) auf seiner Homepage mitteilte.

Das Epizentrum des Bebens lag im Meer zwischen Lucrino und Arco Felice, in einer Tiefe von etwa 2,9 Kilometern, berichtet Il Mattino. Bereits am Vorabend (17. Juni) um 21.30 Uhr habe sich ein schwächeres Beben der Stärke 1,8 mit einem Epizentrum vor der Küste von Bacoli ereignet. „Seit gestern schon sendet der Golf Zeichen …“, schreibt ein Bewohner der Region auf Facebook. In der Nacht des Erdbebens wurde zudem ein Schwarm aus sieben kleineren Beben registriert.

Die Erde rund um die phlegräischen Felder bei Pozzuoli/Neapel, macht sich regelmäßig durch Beben bemerkbar. (Symbolbild/Montage)

Erdbeben an Supervulkan in Italien reißt Anwohner aus dem Schlaf

Das nächtliche Erdbeben war in weiten Teilen der Phlegräischen Felder spürbar. Auch in einigen Bezirken der Millionenstadt Neapel, wie Pianura, Bagnoli und Fuorigrotta, wurde es Medienberichten zufolge deutlich wahrgenommen. Viele Bewohner berichteten von einem starken Rütteln, das Fenster und Lampen zum Zittern brachte,

Auf den sozialen Medien sammelten sich zahlreiche Meldungen von besorgten Anwohnern, wonach ein „anhaltendes Getöse“ zu vernehmen war. Das Beben selbst sei „stark und lang“ gewesen, so der Kommentar einer Frau, die in rund vier Kilometern Entfernung zum Epizentrum lebt. Andere nahmen zwar das Beben selbst nicht wahr, wurden aber durch einen „enormen Schwefelgestank“ aufgeweckt, wie mehrere Personen in den sozialen Medien berichten.

„Ist zu Albtraum geworden“ – Anwohner berichten von Belastung infolge der Erdbeben

Die Region der Phlegräischen Felder, die als Supervulkan bekannt ist, erlebte in jüngster Zeit eine erhöhte seismische Aktivität. Seit Jahresbeginn wurden dort 4.274 Erdbeben registriert, schreibt Il Mattino. Seit November 2005 hat sich der Boden in der Region um 127,5 Zentimeter gehoben, davon allein neun Zentimeter seit Jahresbeginn.

Viele Nutzer berichten von permanenten Ängsten und großer Belastung: „Das Problem ist, dass wir uns an die Beben gewöhnt und sogar mit ihnen gelebt hatten, aber nach dem starken Beben der Stärke 4,4 am 20. Mai nahm die Angst zu. Es hat uns so sehr erschüttert, dass wir jetzt psychisch angeschlagen sind“, schreibt ein Mann. Eine weitere Betroffene berichtet ähnliches: „Es ist zu einem Albtraum geworden … seit dem 20. Mai kann man schon kaum noch schlafen!“

Rubriklistenbild: © Felice De Martino/IMAGO Open Street Map

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