VonKilian Bäumlschließen
Johannes Welteschließen
Der Supervulkan bei Neapel ist aktiv, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Innerhalb von 24 Stunden gab es über 70 Erdstöße, 14 davon waren deutlich spürbar. Selbst der Profifußball war betroffen.
Update vom 15. April, 10.03 Uhr: Nachdem es am Sonntag (14. April) dutzende Erdstöße in der Region Neapel in Italien gab, bebt die Erde auch am Montag weiter. Wie das italienische Nachrichtenportal rainews.it berichtet, gab es um 07.10 Uhr ein Erdbeben der Stärke 1,9 in den phlegräischen Feldern (Campi Flegrei). In der Region gibt es mehr als 50 Eruptionsherde, Fachleute befürchten einen Ausbruch des Supervulkans bei Neapel. Allein seit Sonntag wurden dort etwa 90 Erdbeben gezählt, die teils bis in die westlichen Stadtviertel von Neapel zu spüren waren.
Erstmeldung vom 14. April, 16.26 Uhr: Pozzuoli/Neapel – Seit vorigem Sommer ist der Supervulkan der phlegräischen Felder im Süden Italiens so aktiv geworden, wie er seit den 1980er Jahren nicht mehr war, als die Stadt aus Sorge vor einem Ausbruch evakuiert wurde. Experten warnen vor einem neuen Ausbruch. Am Sonntag (14. April) erreichte die Aktivität einen neuen Höhepunkt.
„Ein Morgen der Angst in Pozzuoli und im gesamten Phlegräischen Gebiet“
Schon seit Tagen treiben Erdbebenschwärme auch nachts die Menschen in Panik auf die Straße. Am Samstagnachmittag schreckte schon ein Stoß der Stärke 2,4 die rund 400.000 Bewohner der roten Zone des Supervulkans auf. Auch nachts wurde es nicht ruhig, doch es handelte sich vorerst um leichte Beben. Es folgte ein „Morgen der Angst in Pozzuoli und im gesamten Phlegräischen Gebiet aufgrund des Auftretens eines seismischen Schwarms“, schreibt das Portal pozzuolinews24.it über das, was dann ab 9.41 Uhr folgte.
Der erste Erdstoß hatte dann „nur“ eine Amplitude von 1,5, drei Minuten später gab es einen heftigen Schlag der Stärke 3,7, den auch die Menschen in der benachbarten Großstadt Neapel deutlich bemerkten. „Das Erdbeben war für die Bevölkerung deutlich zu spüren, viele Bürger berichteten vom Zittern von Betten und Geschirr sowie vom Zittern von Fenstern und Wänden“, berichtet die Zeitung iilmeridianonews.it. Es wurden demnach aber keine ernsthaften Schäden oder Verletzungen gemeldet.
Anwohner berichten von lautem Brüllen des Vulkans
Und wieder berichteten viele Bürger über ein lautes Brüllen, das Experten dadurch erklären, dass der Boden der Phlegräischen Felder wie ein gigantischer Lautsprecher funktioniert, den die Erdbebenwellen vibrieren lassen, was wiederum Schallwellen erzeugt. Es folgten schnell sechs weitere Stöße der Stärken 2 - 1,6 - 3,1 - 1,6 und 1,5 innerhalb von drei Minuten. Um zehn Uhr ereignete sich eine weitere Serie mit den Stößen der Stärken 2,3 bis 3 innerhalb von sieben Minuten. Innerhalb der starken Stöße wackelte die Erde stets mit leichteren Stößen. Auch von Schwefelgeruch wird geredet.
Die Epizentren lagen dieses Mal wieder im Bereich des legendären Solfatara-Kraters bei Pozzuoli. Auch wenn die Anwohner einmal mehr aus ihren Häusern auf die Straßen flüchten, bittet der Bürgermeister von Pozzuoli, Enzo Buono, die Menschen, Panik zu vermeiden: „Ich weiß, dass die Erdbeben Sie erschreckt haben, aber ich bitte Sie, ruhig zu bleiben“, schreibt das Stadtoberhaupt auf Facebook.
Politiker bitten Bürger, Panik zu vermeiden - Anwohner bauen Pavillons im Freien auf
Die Zeitung il Mattino sprach mit Anwohnern von Pozzuoli:„Ich sah, wie die geparkten Autos schwankten“, sagt ein diensthabender Parkwächter auf dem Parkplatz des Fischmarktes. „Alles bebte, noch nie zuvor hatte ich von einem erschütternden Ereignis dieser Intensität gehört“, erklären einige Fischer. „Türen und Fenster hörten nicht auf, auf und zuzuschlagen“, fügt ein Anwohner der Via Napoli hinzu und sagt: „Nach dem ersten starken Stoß sind wir alle auf die Straße gerannt.“
Die Zeitung berichtet auch von „Angst auch im Herzen von Neapel in Vierteln wie Vomero, Chiaia und Fuorigrotta, Pianura, Soccavo“. Die westlichen Stadtteile Neapels liegen bereits in der Roten Zone des Supervulkans, doch die Beben waren offenbar in der gesamten Großstadt zu spüren. Im Stadtteil Agnano, der neben dem Solfatara-Krater liegt, sagt ein Anwohner: „Die Erde vibriert ununterbrochen nach dem Erdbeben um 9.44 Uhr, wir halten es nicht mehr aus.“
Die Administratoren der Facebook-Seite „Die in der Roten Zone“ rieten den Bürgern: „Der seismische Schwarm ist immer noch im Gange und Menschen, die in der Nähe der Epizentren leben, sollten draußen warten, bis der Schwarm aufhört.“ Denn auch mittags und nachmittags hielten die Beben an, wenn auch mit kleinerer Intensität. Diejenigen, die dazu in der Lage sind, sollten Pavillons aufstellen, um sich vor der Sonne zu schützen, hieß es. „Und nehmen Sie Wasser und Hygieneartikel mit.“
Auch der Profifußball bekam die Bebenserie in Süditalien zu spüren
Auch Fußballfans waren von dem Beben betroffen. Laut fanpage.it öffneten sich die Tore des Diego Maradona-Stadions später als gewohnt. Erdbebentechniker führten eine statische Inspektion des Stadions durch, das im westlichen Stadtteil Fuorigrotta liegt, der schon am Rand der phlegräischen Felder liegt. Um 12 Uhr sollte dort das Serie-A-Spiel des SSV Napoli gegen Calcio Frosinone beginnen.
Laut fanpage.it schreibt das Protokoll nach einem Beben die Überprüfung vor. Die Tore des Maradona-Stadions sollten um 10 Uhr geöffnet werden, doch aufgrund der statischen Kontrollen sei es zu einer Verzögerung von einigen Minuten gekommen. Es wurden offenbar keine Schäden festgestellt und das Meisterschaftsspiel wurde regulär ausgetragen. Es gab ein Remis, das Spiel endete 2:2.
Die relativ flachen Beben rund um Pozzuoli und am Solfatara-Krater werden von Experten auf Thermalwasser zurückgeführt, das eine Magmablase in größerer Tiefe erhitzt und verdampft. Der Dampf sucht sich demnach unter hohem Druck Wege an die Oberfläche. Manche Experten vermuten aber, dass aufsteigendes Magma den Druck direkt erzeugt. Das Bodenniveau rund um Pozzuoli ist seit 2011 um über 1,12 Meter gestiegen. In den vorigen Tagen hatte es aber auch mehrere Erdstöße im Meer in der Bucht von Pozzuoli in größerer Tiefe gegeben, was die Angst vor einem Tsunami nährte.
Rubriklistenbild: © Christoph Sator/dpa





