„Enttäuscht“

„Neidisch“: Warum die Gen Z es schwerer hat als frühere Generationen

  • schließen

Die Gen Z veröffentlicht Videos, in denen sie den Neid auf frühere Generationen thematisiert. Dafür gibt es mehrere Ursachen.

„Es ist Zeit, zuzugeben, wie neidisch ich darauf bin, wie cringe (dt.: peinlich) und frei Millennials sein durften“, teilt eine junge Frau aus der Gen Z in einem TikTok-Video. Der Beitrag hat 1,6 Millionen Aufrufe und über 11.000 Kommentare, in denen vor allem die Generation Zero (1996-2010) kritisiert wird. „Ich werde immer enttäuscht sein, dass die Gen Z so verurteilend wie die Boomer-Generation geworden ist“, heißt es von einer Nutzerin. In vielen Kommentaren wird die junge Generation als konservativ bezeichnet. „Die heutigen jungen Menschen sind ein Beispiel für Neokonventionalismus. An der Beobachtung ist schon etwas dran“, sagt der Psychologe und Generationenforscher Rüdiger Maas BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA.

Warum ist die Gen Z ausgerechnet auf die Generation der Millennials (1981-1995) neidisch? Viele Nutzerinnen und Nutzer finden es „seltsam, dass sich Gen Z so für Millennials (1981-1996) interessiert. Millennials haben sich auch nicht für die älteren Generationen interessiert, sondern nur ihr Ding gemacht“. In einem anderen Kommentar ist auch von „einseitigem Streit“ die Rede.

Junge Menschen der Gen Z sind teilweise neidisch auf ältere Generationen. (Symbolbild)

Gen Z: Social Media hindert sie daran, sich frei zu fühlen

Den Grund für die konservativ wirkende Gen Z sehen viele in ihrer Nutzung von Social Media, darunter auch Rüdiger Maas: „Junge Menschen können heute sehr schnell einen Shitstorm bekommen und sind deshalb oft vorsichtiger und am Ende passiver“. Auch in den Kommentaren unter dem TikTok heißt es: „Ich wäre auch neidisch. Ihr könnt nicht mal eine Sekunde tanzen, ohne dass ihr Angst haben müsst, in jemandes Story zu landen“. Menschen der Gen Z seien durch Social Media sehr auf ihre Außenwirkung bedacht, was sie in ihrem Verhalten hemmen würde. Die Gen Z passe sich „stark an, geht in den Mainstream, fällt nicht negativ auf, hält sich an Gesetze, Regeln und Vorschriften“, sagt Maas.

Der Experte warnt allerdings davor, die Gen Z als „eine homogene Einheit“ zu betrachten. Es handle sich um Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen und Ausrichtungen, die „von der Region und ihrem Umfeld abhängig“ seien.

Zudem habe sich Social Media an sich massiv verändert: „Social Media war ein Ort für Freunde, nicht für weltweite Werbung und Konsum“, schreibt eine Nutzerin bei TikTok. Der Generationenforscher bestätigt: „Gen Y und Gen Z haben völlig unterschiedliche Erfahrungen mit der Digitalisierung“. Viele, vor allem ältere Millennials, hätten in ihrer Kindheit und Jugend noch mehr Erlebnisse in der analogen Welt erfahren. Sie seien dahingehend sozialisiert worden, dass Technologie als Werkzeug gesehen werde, zur Arbeit oder Kommunikation mit anderen. Für die Gen Z seien digitale Technologien von Anfang an zur Unterhaltung und Beruhigung genutzt worden, laut Maas seien junge Menschen bis zu „60 Stunden pro Woche auf Social Media“.

Gen Z erlebt multiple Krisen

Die Generation Z sieht sich bereits in jungen Jahren mit verschiedenen Krisen konfrontiert. Eine globale Pandemie, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine und spürbare Auswirkungen der Klimakrise sind nur einige Großereignisse, hinzu kommen wirtschaftliche Ängste vor Inflation und Armut. Laut der „Jugendwahlstudie 2025“ fühlt sich Gen Z von Krisen überfordert, rund 40 Prozent geben an, dass es nichts gebe, das ihnen Hoffnung mache. Auch die Studie „Jugend in Deutschland 2025“ zeigt, dass besonders junge Menschen pessimistisch auf die politische Lage und den gesellschaftlichen Zusammenhalt blicken.

Auf TikTok sind sich die Nutzer sicher: „2008 bis 2018 waren die goldenen Jahre“. Doch allein am Beispiel Arbeit zeigt sich, dass sich nicht alles zum Schlechteren entwickelt habe. Nach der Finanzkrise 2008 hatten beispielsweise viele Menschen Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Das ginge einigen Menschen auch heute so, aber: „Objektiv gesehen, war der Arbeitsmarkt für junge Leute noch nie so gut wie jetzt“, sagt Maas. Gerade aus dieser Tatsache würde allerdings auch ein Gefühl der Überforderung entstehen. Es sei also eher der Umgang mit Krisen statt die Krisen selbst, die Gen Z weniger hoffnungsvoll als andere Generationen in die Zukunft blicken lassen, erklärt Maas.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Tetra Images

Kommentare