Neuseeland besteht aus zwei Inselteilen im südlichen Pazifik. Obwohl es nicht allzu weit von Australien entfernt ist, bildet der Inselstaat eigentlich einen eigenen Kontinent. Ein Großteil des Landes liegt nämlich unterhalb des Meeresspiegels.
- Neuseeland besitzt eine parlamentarische Monarchie nach britischem Vorbild.
- Die atemberaubende Landschaft diente schon als Filmkulisse für „Herr der Ringe“.
- Die Einwohner nennen sich selbst Kiwis.
Wellington – Das 269.652 Quadratkilometer große Neuseeland ist ein wahres Urlaubsparadies für Backpack-Touristen. Bei den zahlreichen Fjorden, Seen, Küsten und Gebirgsregionen kommt man sich vor wie in einem Fantasyfilm. Jedoch hat das Land auch eine wechselhafte Geschichte zu verzeichnen. Lange Zeit gehörten die Māori – die Ureinwohner des Landes – zur unterdrückten Minderheit der britischen Kolonialmacht. Die Hauptstadt ist Wellington.
Neuseeland: Frühgeschichte und erste Besiedlung
Neuseeland wurde etwa gegen Ende des 13. Jahrhunderts bis Mitte des 14. Jahrhunderts von den Polynesiern entdeckt und besiedelt. Sie bilden die Vorfahren der Māori-Kultur, die sich etwa um 1500 entwickelte. Allerdings gehen Archäologen davon aus, dass schon vor etwa 3000 Jahren Menschen auf der Insel lebten. So sollen sich auch schon die polynesischen Moa-Jäger lange vor den Māori hier aufgehalten haben.
Im 17. Jahrhundert wurde Neuseeland bereits vom holländischen Seefahrer Abel Tasman entdeckt. Doch erst 1769 setzte der britische Kapitän James Cook als erster Europäer einen Fuß auf die Insel. Aufgrund der enormen Entfernung erfolgte nur eine zögerliche Besiedlung von europäischer Seite. Anfänglich waren es Walfänger, Robbenjäger und Missionare. Allerdings kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen den Māori-Stämmen und den Siedlern, wie in den Musketenkriegen ab 1829. Im Jahr 1835 wurde schließlich von 30 Māori-Anführern eine Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet, die als Gründung der „Vereinigten Stämme“ gilt.
Neuseeland: Weg in die Unabhängigkeit
Ab 1840 erhöhte sich die Einwanderung aus Europa, als Neuseeland im Vertrag von Waitangi zur Kolonie des Vereinigten Königreichs erklärt wurde. Hierin wurde vereinbart, dass die Briten und Māori gleichberechtigt sein sollten. Faktisch wurden die Ureinwohner von der weißen Bevölkerung weiterhin unterdrückt. Bereits 1841 hatte das Land den Status einer separaten Kronkolonie. 1852 bekam Neuseeland eine eigene Verfassung und vier Jahre später war es vollständig der inneren Selbstverwaltung überlassen.
1893 führte Neuseeland als erstes Land der Welt das Frauenwahlrecht ein. Nachdem Gold gefunden wurde, nahm die Einwanderung erneut enorm zu. 1901 entschied sich Neuseeland gegen einen Beitritt zum Commonwealth of Australia und blieb bis 1907 eine Kolonie. Der Staat bemühte sich zunehmend, selbständig zu werden. Diesen Status bekam es schließlich 1931 zugesprochen. Doch erst 1947 machte sich Neuseeland endgültig unabhängig von Australien.
Neuseeland: Entwicklungen nach 1950
Gemeinsam mit Australien und den USA trat Neuseeland 1951 dem ANZUS-Sicherheitspakt bei. In den 1970er Jahren begann man damit, das Verhältnis zu den Māori zu verbessern und nach Jahren der Unterdrückung Entschädigungszahlungen und Landrückgaben zu bewilligen. Als Großbritannien 1973 der Europäischen Union beitrat, erlitt das eher sozialistisch geprägte Wirtschaftssystem Neuseelands einen heftigen Rückschlag. Reformen für eine freie Marktwirtschaft wurden auf dem Weg gebracht, die allerdings einigen Menschen wiederum die Lebensgrundlagen raubte.
1985 wurde Neuseeland zur atomwaffenfreien Zone erklärt, was das Verhältnis zu den USA wiederum verschlechterte. 2014 wurde die Entfernung des Union Jack von der Nationalflagge diskutiert. Er galt einst als koloniales Zeichen. Allerdings entschied sich die Bevölkerung für die Beibehaltung der alten Flagge.
Neuseeland: Das politische System
Neuseeland ist eine unabhängige, parlamentarische Monarchie nach britischem Vorbild. Allerdings besitzt es nur eine Kammer und hat kein Oberhaus. Das Regierungssystem beruht auf dem Constitution Act von 1986. Dabei handelt es sich um eine kodifizierte Verfassung, bei der der Monarch von Großbritannien und Nordirland das Staatsoberhaupt ist. Dieses wird repräsentiert durch einen Generalgouverneur, der jedoch keine Macht im Parlament ausüben kann.
Regierungschef ist der Premierminister, der das aus 20 Personen bestehende Kabinett leitet. Die Kabinettsmitglieder müssen zugleich auch Mitglieder des Parlaments sein, das aus 120 Abgeordneten besteht und auf drei Jahre gewählt wird. Hinzu kommt, dass eine kleine Anzahl an Sitzen (derzeit sieben) im Parlament für Māori-Abgeordnete reserviert ist. Die Judikative wird durch den Supreme Court als Obersten Gerichtshof ausgeübt. Daneben gibt es aber auch noch das Māori Land Court, das sich gerichtlich speziell um Māori-Fragen kümmert.
Neuseeland: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Wellington
- Amtssprache: Englisch (de facto), Māori, neuseeländische Gebärdensprache
- Fläche: 269.652 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 5,1 Millionen (Stand 2020)
- Währung: Neuseeland-Dollar (NZD)
- Verwaltungsgliederung: 11 Regional Councils, 12 City Councils, 54 District Councils, 1 Auckland Council
- Religion: teilweise christlich, teilweise konfessionslos
Neuseeland: Sprachen und Bevölkerung
Neuseeland gehört mit einer Einwohnerzahl von gut 5 Millionen Menschen eher zu den dünner besiedelten Ländern der Welt. Die Bevölkerung verteilt sich ungleichmäßig auf die verschiedenen Landesteile. Während auf der Südinsel, die teilweise aus unbewohnbarem Fjorland besteht, gerade einmal eine Million Menschen leben, befinden sich alleine in der Metropolregion Auckland im Norden schon 1,3 Millionen Einwohner. Der größte Teil der neuseeländischen Bevölkerung ist europäischer Abstammung – vorwiegend aus Großbritannien.
In Neuseeland gelten das Te Reo Māori sowie die neuseeländische Gebärdensprache als Amtssprache. Interessant dabei ist, dass Englisch, obwohl es von rund 96 Prozent der Gesamtbevölkerung gesprochen wird, nicht den Status einer offiziellen Amtssprache hat. Allerdings ist das neuseeländische Englisch (eine Varietät des australischen Englisch) die wichtigste Umgangssprache im Land. Zum Teil gibt es auch Entlehnungen aus der Māori-Sprache.
Neuseeland: Geografie und Städte
Noch bis vor etwa 200 Millionen Jahren gehörte Neuseeland zum Urkontinent Gondwana. Vor etwa 85 Millionen Jahren trennte sich das Kontinentbruchstück Zealandia mit dem heutigen Neuseeland von der Landmasse, die jetzt Antarktika bildet. Neuseeland stellt aus heutiger Sicht eigentlich einen eigenen Kontinent dar. Ein Großteil seines Landes liegt unterhalb des Meeresspiegels, was auch als Kontinentalschelf bezeichnet wird. Von ihm sind gerade mal sieben Prozent sichtbar. Die Māori nennen ihr Land „Aotearoa“, was übersetzt „Land der langen weißen Wolke“ bedeutet.
Neben den beiden Hauptinseln gehören auch noch mehr als 700 kleinere Inseln zu Neuseeland. Die Nord- und die Südinsel werden durch die 35 Kilometer breite Cookstraße voneinander getrennt. In der Südinsel befinden sich die Neuseeländischen Alpen, die das Land nochmals in zwei Hälften teilen. Mehr als 200 Berge Neuseelands knacken die Marke von 2.300 Metern. Neben den vielen Bergen bestimmen auch zahlreiche Fjorde die Landschaft. Viele Gegenden sind jedoch nur schwer zugänglich oder unbewohnbar, weshalb das Land nur dünn besiedelt ist.
Die größten Städte Neuseelands im Überblick
- 1 Christchurch City: 341.469 Einwohner, Canterbury Region
- 2 Wellington City: 190.959 Einwohner, Wellington Region
- 3 Hamilton City: 141.612 Einwohner, Waikato Region
- 4 Dunedin City: 120.249 Einwohner, Otago Region
- 5 Tauranga City: 114.789 Einwohner, Bay of Plenty Region
- 6 Lower Hutt City: 98.238 Einwohner, Wellington Region
- 7 Palmerston North City: 80.079 Einwohner, Manawatū-Whanganui Region
- 8 Napier City: 57.240 Einwohner, Hawke’s Bay
- 9 Porirua City: 51.717 Einwohner, Wellington Region
- 10 Invercargill City: 51.696 Einwohner, Southland Region
- 11 Nelson City: 46.437 Einwohner, Nelson Region
- 12 Upper Hutt City: 40.179 Einwohner, Wellington Region
- Agglomeration Auckland Council: 1.415.550 Einwohner, Auckland Region
Neuseeland: Wissenswertes zum Land
Die Neuseeländer sind ein buntes Völkergemisch. Knapp ein Viertel der Einwohner sind gar nicht mal in Neuseeland geboren. Ein Großteil der Einwanderer stammt aus Europa. Die meisten Bewohner der Insel gehören einer der christlichen Kirchen an. Die Einheimischen bezeichnen sich selbst gerne als „Kiwis“ in Verweis auf die dort häufig angepflanzte Frucht sowie auf den Nationalvogel des Landes.
Von besonderer Bedeutung ist der Tourismus für die neuseeländische Wirtschaft. Das Land lockt mit Küsten, Seen und Fjorde, Hochgebirgen und Gletschern, Vulkanen und heißen Quellen sowie einer vielfältigen fremdartigen Vegetation Besucher aus aller Welt an. Auch die Infrastruktur ist gut ausgebaut, sodass die Nationalparks des Landes sich bestens für Ausflüge eignen. Nicht zuletzt Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung war die beste Werbung für das Land. Neuseeland lieferte quasi die Kulisse für die atemberaubenden Außenaufnahmen.