Wassermangel in Europa

Sofortmaßnahmen und Pool-Neubau-Verbot: Angst vor einem erneuten Dürre-Sommer in Frankreich und Italien

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Nach etlichen Wochen ohne nennenswerten Niederschlag trifft Frankreich Vorbereitungen zur Einschränkungen bei der Wassernutzung. Auch Italien hat Angst vor einem weiteren Dürre-Sommer.

Paris / Rom / München - Es droht ein weiterer Dürre-Sommer in Südeuropa: In Frankreich werden Sofortmaßnahmen eingeleitet, ebenso in Italien. So heißt es aus Paris: „Die Abwesenheit von Regen seit inzwischen über 30 Tagen in Frankreich ist eine große Bedrohung für unsere Wasserreserven in diesem Sommer“, so Regierungssprecher Olivier Véran am Mittwoch nach der Kabinettssitzung. „Da jede Sekunde zählt, hat die Regierung die Präfekten aufgerufen, ab sofort außerordentliche Maßnahmen zu ergreifen zur abgestuften und vorübergehenden Einschränkung oder zum Verbot der nicht vorrangigen Wassernutzung für Privathaushalte und Firmen.“

Extemes Niedrigwasser am Stausee Lac de Sainte-Croix in Südfrankreich.

So gibt es in Frankreich in einigen Departements nie dagewesene Beschränkungen für diese Zeit des Jahres: In den Departements Pyrénées-Orientales, Var, Isère, Ain, Bouches-du-Rhône und Savoie wurden schon Einschränkungen getroffen, wie die Zeitung „Libération“ am Mittwoch berichtete. Das Bewässern von Gärten und Sportstadien, das Auffüllen von Swimmingpools oder das Autowaschen wurde verboten. Keine Restriktionen gab es bisher indes in den an Deutschland angrenzenden Regionen.

Pool-Neubau-Verbot: „Diese Lebensweise beruht auf Überfluss und unerschöpflichem Wasser“

Ein neues Verbot gibt es auch im südfranzösischen Departement Var. Dort hat die Gemeinde Callian bereits für die kommenden fünf Jahre den Bau neuer Swimmingpools wegen des Wassermangels verboten. Rund 1000 Pools gebe es bereits in der Gemeinde, sagte Bürgermeister François Cavallier. „Diese Lebensweise beruht auf Überfluss und unerschöpflichem Wasser.“

Präsident Emmanuel Macron hatte am Wochenende zum nationalen Wassersparen aufgerufen, vergleichbar mit den Bemühungen zum Sparen von Energie über den Winter. „Wir haben einen trockenen Winter und zum entscheidenden Moment zu wenig Regen, der ein Auffüllen unserer Grundwasserreserven ermöglicht“, sagte Macron. „Wir wissen also, dass wir, wie im letzten Sommer, mit Problemen der Verknappung konfrontiert sein werden.“ Statt im letzten Moment unter Zwang das knappe Wasser zu reglementieren, gelte es, frühzeitig zu planen.

Die Dürre in Frankreich nimmt historische Ausmaße an. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1959 hat es in Frankreich im Winter noch nicht so langanhaltend keinen Regen gegeben, wie der Wetterdienst Météo France berichtete. Das führe zu einer für die Jahreszeit bemerkenswerten Austrocknung der Böden, die bereits durch die Dürre im Sommer 2022 geschwächt wurden. In den Bergen fiel wochenlang außerdem praktisch kein Schnee, der sonst im Frühjahr schmilzt und für eine zusätzliche Wasserversorgung der Flüsse sorgt.

Italien: Rom will Sonderkommissar mit weitreichenden Befugnissen ernennen

Auch in Italien plant aufgrund der besorgniserregenden Trockenheit die Regierung von Giorgia Meloni spezielle Maßnahmen im Kampf gegen die Wasserknappheit. Rom will unter anderem einen Sonderkommissar mit weitreichenden Befugnissen ernennen, wie nach einem Treffen der Regierungschefin mit Ministern ihres Kabinetts am Mittwoch bekannt gegeben wurde. Sonderkommissare werden in Italien oft eingesetzt bei außergewöhnliche Lagen - unter anderem koordinierte ein erfahrener General in der Corona-Zeit die Impfkampagne, die dafür sorgte, dass das Land Einschränkungen aufheben konnte.

Auch in dem Land an der Adria waren im vorigen Sommer außergewöhnliche Dürren registriert worden, die große Schäden unter anderem in der Landwirtschaft verursachten - und das vor allem im Norden. Wie Frankreich verzeichnet das Land erneut einen großen Wassermangel, und die Sorgen vor einem noch schlimmeren Jahresverlauf als 2022 sind groß.

„Wenn der Wasserspiegel nicht steigt, müssen wir die Häfen ausbaggern“

Melonis Regierung plant deshalb zudem eine Kampagne, um die Italiener dafür zu sensibilisieren, Wasser zu sparen. Darüber hinaus soll es einen außerordentlichen Plan geben, mit dem Rom und die Regionen gemeinsam die zu erwartende Krise stemmen wollen. Meloni will außerdem einfachere Regeln, um schneller auf Notstände reagieren zu können.

Extreme Dürre am Gardasee: Bei Sirmione ist die berühmte Insel Isola di San Biagio zu Fuß erreichbar.

Ein Beispiel für die niedrigen Pegel ist der Gardasee, auf dem seit Jahren neue Landbrücken entstanden sind. Die Kombination von wenig Schnee in den umliegenden Bergen, hohen Temperaturen und sechs Wochen ohne Regen hat den Wasserspiegel des Gardasees auf das niedrigste Niveau seit 30 Jahren sinken lassen. Nach einer Rekorddürre im vergangenen Sommer, die Ernten zerstörte, gibt es in Norditalien wieder Warnzeichen wie einen niedrigen Wasserspiegel von Po, Lago Maggiore und Comer See.

Der Mangel an Schnee macht auch den Skigebieten Sorgen. Über den Gardasee sagte Bürgermeister der Gemeinde Manerba del Garda, Flaviano Mattioti: „Wenn der Wasserspiegel nicht steigt, müssen wir die Häfen ausbaggern, damit die Touristenboote anlegen können. Das wäre das erste Mal.“ Er sagte aber, es sei „verfrüht, eine Katastrophe auszurufen“. Mit dieser Meinung scheint er mit Blick auf Südeuropa allgemein ziemlich alleine dazustehen. (cgsc mit dpa und afp)

Rubriklistenbild: © Jan Woitas/dpa

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