Deutsche Wirtschaft

Ökonom macht Hoffnung für 2023: Inflation könnte auf „2,5 bis 3 Prozent“ sinken

+
Der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, macht Hoffnung auf ein Sinken der Inflation in Deutschland.
  • schließen

Ende 2023 fällt die deutsche Inflationsrate unter drei Prozent – sagt der ehemalige IWF-Chefökonom Olivier Blanchard. Doch was sind die Gründe hierfür?

Berlin – Alles wird teurer, der Euro ist nur noch halb so viel wert, der Einkauf im Supermarkt eine finanzielle Tortur – das werden sich zuletzt wohl viele Menschen in Deutschland gedacht haben. Hinzukommt, dass die Inflation enorm hoch ist und viele Familien den Gürtel (noch) enger schnallen müssen.

Hoffnung macht der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF), Olivier Blanchard, der für Ende 2023 ein Fallen der deutschen Inflationsrate unter drei Prozent prophezeit. Kühner Optimismus oder tatsächlich möglich?

Inflation in Deutschland könnte bis Ende 2023 „bei 2,5 bis 3 Prozent liegen“

Laut Blanchard sei die hohe Inflation in Deutschland wahrscheinlich nur „eine Sache von zwei Jahren“. Bereits Ende 2023 soll die Inflationsrate „bei 2,5 bis 3 Prozent liegen“. Aktuelle Entwicklungen, die sich inflationshemmend auswirken sollten, könnten dem Wirtschaftsexperten recht und vielen Verbrauchern Hoffnung geben.

Im Vergleich zum September sind die Erzeugerpreise im Oktober 2022 um etwa vier Prozent gesunken. Gut, im Vergleich zum Oktober 2021 zahlen die deutschen Hersteller laut Statistischem Bundesamt (StBA) zwar etwa 35 Prozent mehr für die Herstellung ihrer Produkte. Doch belief sich dieser Wert im September 2022 noch auf 46 Prozent. Dementsprechend sind die Teuerungen für Unternehmen zuletzt zurückgegangen.

Energie- und Großhandelspreise zuletzt gesunken – Höhepunkt der Inflation in Deutschland längst erreicht?

Doch noch mehr Entwicklungen unterfüttern die Inflationsprognose für Deutschland, auf die Blanchard vertraut. Im Oktober 2022 sind die Energiepreise um mehr als zehn Prozent gesunken. Nach monatelangen, teils immensen Preissteigerungen sind vor allem Strom und Erdgas günstiger geworden. Mit einem Preis von etwa 20 Cent pro Kilowattstunde kostete Gas Ende Oktober nur noch halb so viel wie Anfang September. In der gleichen Zeit sank der Strompreis um fast ein Drittel.

Zurückgegangen sind im Oktober 2022 aber auch die Großhandelspreise. Zwar nur um 0,6 Prozent, doch lässt dieser Wert zumindest hoffen, dass Teuerungen für Endverbraucher abnehmen könnten. Zusammengefasst sind es also die Entwicklungen bei Erzeuger-, Großhandels- und Energiepreisen, welche die Chance erhöhen, dass der Höhepunkt der Inflation in Deutschland überwunden sein könnte.

Hoffen auf sinkende Inflation in Deutschland: Welche Faktoren dafür sprechen

Im Fokus stehen vor allem die zuletzt zurückgegangenen Energiepreise, die als verbindendes Element aller Preisrückgänge die Transport- sowie Energiekosten der Unternehmen senken. Zudem vergünstigen sie die Herstellung von Produkten. Und dem kommt eine hohe Bedeutung zu. Schließlich dürfte die Inflation ohne diese Form der Entlastung noch lange weitergehen.

Laut Focus Online würde der Unterschied zwischen Inflation (+10,4 Prozent im Oktober) und Erzeugerpreisen (+35 Prozent im Oktober) deutlich zeigen, dass die Hersteller ihre bisher erfolgten Preisanstiege noch nicht in vollem Umfang an die Endverbraucher in Supermärkten beziehungsweise generell in Geschäften weitergegeben haben. Doch müssten Unternehmen diesen Schritt irgendwann zwangsläufig vollziehen, wollen sie überleben.

Heißt: Die Erzeugerpreise dienen als Gradmesser, wohin sich die Inflation in Deutschland noch entwickelt. Wenn sie innerhalb eines Jahres um etwa die Hälfte zulegen, wie im September geschehen, bedeutet dies für die Verbraucher viele weitere Teuerungsrunden. Doch lässt der bereits erwähnte Rückgang im Oktober hoffen, dass künftige Teuerungsrunden zumindest milder ausfallen, vielleicht sogar ganz ausblieben. Insofern die Erzeugerpreise weiterhin sinken.

Inflations-Mutmacher: Gas- und Strompreisebremsen greifen erst 2023 – wie auch das 49-Euro-Ticket

Was bei all dem Inflations-Unmut nicht außer Acht gelassen werden darf: Viele von der Ampelregierung beschlossene Entlastungen treten erst noch in Kraft. So greifen ab März 2023 die Gas- und Strompreisbremsen, die rückwirkend sogar ab Januar 2023 die Energiekosten für Millionen Haushalte senken. Darüber hinaus geht 2023 auch das 49-Euro-Ticket für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Verkauf. Der Nachfolger vom 9-Euro-Ticket soll Pendler(familien) teilweise um mehrere Hundert Euro im Monat entlasten.

Ebenfalls gut zu wissen und alles andere als eine Randnotiz: Die Gaspreisbremse gilt auch für die Industrie und dürfte die Erzeugerpreise, so die große Hoffnung, zusätzlich eindämmen. Wenn sich die Herstellung von Produkten dadurch weiter vergünstigt, kommt dies auch bei den Haushalten an. Ein erstes Anzeichen für die weitere Entwicklung der Inflation in Deutschland erhalten Verbraucher übrigens am Dienstag, 29. November. Dann präsentiert das StBA seine Schätzung für die Inflationsrate im November. Liegt sie unter der Rate vom Oktober, die sich auf 10,4 Prozent belief, verheißt das Gutes.

Kommentare