VonJohannes Welteschließen
Am Morgen nach dem großen Verkehrschaos auf der Brennerautobahn wegen heftigen Wintereinbruchs gab es wieder Stau auf der Transitroute: Die Letzte Generation blockierte die Fahrbahn in Richtung Süden.
Innsbruck/Bozen – So ein Wochenende hatte die Brennerautobahn seit Langem nicht mehr erlebt: Am Freitag (23. Februar) hatte es ab dem späten Vormittag heftig geschneit, und zwar bis in die Nacht. Als mittags 40 Zentimeter Schnee lagen, brach der Verkehr zusammen, 150 quer liegende Lkw hatten die Fahrbahnen blockiert. Bis zum Abend fielen 70 Zentimeter Schnee. Um Mitternacht waren die Lastwagen geborgen, der Schnee geräumt, der Stau, der in beide Richtungen an die 30 Kilometer betrug, löste sich auf.
Am Tag nach dem Schneechaos kommt es zur Klimablockade im Urlaubsverkehr
Samstagvormittag (24. Februar) lief also der Verkehr wieder wie gehabt, Urlauber, die aus den Skigebieten heimkehrten, konnten durch die Winterlandschaft nach Hause fahren. In der Gegenrichtung kamen die nächsten Gäste, Bettenwechsel sagt man dazu.
Um 10.20 Uhr versammelte sich plötzlich zwischen der Mautstelle Schönberg und der Anschlussstelle Matrei-Steinach ein buntes Häufchen auf der Fahrbahn Richtung Italien. Ein Dutzend junger Menschen hatte sich orange Warnwesten angezogen und nahm mit Saxophon, Trompete, Pauke und Querflöte Stellung. Vor ihnen rollten Aktivisten ein Banner aus: „Recht auf Überleben“ ist darauf zu lesen. Das Innsbrucker Streetnoise-Orchester hatte sich gemeinsam mit der Letzten Generation Österreich auf der Autobahn platziert, um auf den Klimawandel aufmerksam zu machen.
Österreichische Aktivisten bleiben bei Klebe-Strategie
In Deutschland hat die Letzte Generation nach den Bauernprotesten beschlossen, keine Blockade-Aktionen mehr zu unternehmen, nachdem Landwirte Autobahnen und Autobahnauffahrten versperrt hatten. Rund 20 Personen protestieren laut Polizei am Brenner im Wochenendverkehr, fünf bis sechs Aktivisten klebten sich auf der Straße fest.
„Wir alle haben ein Recht auf Überleben. Klimaschutz muss in der Verfassung verankert werden, wie es der Klimarat und das Klimavolksbegehren schon lange fordern. Solange dieses Recht nicht gewahrt wird, werden wir protestieren“, so Sprecherin Anna Freund in einer Pressemitteilung. Nach rund einer halben Stunde (um 10.50 Uhr) wurde die unangemeldete Versammlung aufgelöst und die Straße wieder für den Verkehr geöffnet, berichtete ein Polizeisprecher der Nachrichtenagentur APA. Der Stau löste sich zögerlich auf.
Konservative und Rechte sind empört über den Protest
Es war bereits die dritte Klima-Blockade auf der Brennerautobahn. Aus der Tiroler Politik kommt heftige Kritik an den Aktivisten: „Auf das gestrige, nervenaufreibende Schneechaos folgen heute fahrlässige Chaoten“, schimpft Sicherheitslandesrätin Astrid Mair von der konservativen ÖVP gegenüber der APA. Sie bezeichnet die Vorgehensweise angesichts der „herausfordernden Verkehrssituationen“ als „unverantwortlich und gefährlich“. Der Bund werde „um härtere Strafen für Klimakleber nicht umher kommen“, forderte sie Konsequenzen.
Markus Abwerzger, Landeschef der rechtspopulistischen FPÖ, kritisiert die Justizministerin Alma Zadic (Grüne) in Wien, die Aktivisten „dürfen nicht mehr länger unter dem Schutzmantel der Ministerin stehen, sondern diese Chaoten müssen effektiv juristisch bekämpft werden.“
Rubriklistenbild: © Letzte Generation Österreich/Moritz Holdinger

