VonYannick Hankeschließen
Omikron BA.5 breitet sich in Deutschland aus. Selbst Genesene sind vor einer Infektion mit der Corona-Variante nicht sicher. Doch warum eigentlich?
Berlin – Im Frühjahr 2022 mit Corona infiziert und damit aus dem Schneider? Leider nein. Das zeigt die Omikron-Variante BA.5, die auch vor Genesenen keinen Halt macht. Es kommt zu auffällig vielen Reinfektionen, das Robert Koch-Institut (RKI) spricht vom aktuell stärksten Wachstum und meint damit Omikron BA.5. Mit rund 66 Prozent der Fälle würde die Corona-Mutante das Infektionsgeschehen in Deutschland dominieren. Doch wie sind die Zweifachinfektionen zu erklären?
Omikron BA.5: Reinfektionen durch Genesene – erneute Infektion nach Ansteckung mit BA.1 oder BA.2
Forscher des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) der Medizinischen Hochschule Hannover und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg haben Omikron BA.5 im wahrsten Sinne des Wortes genauer unter die Lupe genommen. Ihre Studie zeigt, dass die Antikörper von Genesenen kaum auf die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 wirken.
Bekanntlich können drei Impfungen die Omikron-Mutanten zwar einigermaßen neutralisieren. Doch sei die Wirkung gegenüber früheren Corona-Varianten, darunter Alpha und Delta, deutlich abgeschwächt. Wer bereits mit dem Coronavirus infiziert war und sich erneut ansteckt, hat eine sogenannte Reinfektion.
Und das Risiko, sich nach einer Omikron-Infektion mit der hoch ansteckenden Omikron-Subvariante BA.5 zu infizieren, sei nun 5,41-mal höher, als es bei der Delta-Variante der Fall gewesen ist. Das zeigt eine Untersuchung vom Londoner Imperial College.
Omikron BA.5: Corona-Mutante ist „Immunflucht-Variante“ – und sorgt für viele Infektionen
Wie lange der Schutz nach einer Infektion anhält, vor allem mit Blick auf Omikron BA.5 und einer noch rätselhaften Inkubationszeit, lässt sich pauschal nicht sagen. Nur wenige Wochen nach einer Corona-Infektion eine erneute Infektion durchleben zu müssen, sei zumindest unwahrscheinlich.
„Das kann vorwiegend dann vorkommen, wenn eine neue Immunflucht-Variante im Umlauf ist, die unsere Immunität teilweise unterwandern kann. Wir konnten das vor allem beobachten als Delta von Omikron abgelöst wurde“, sagt Virologe Jonas Schmidt-Chanasit der Bild.
Omikron BA.5 und der Immunflucht-Effekt: Antikörper gegen BA.1 und BA.2 wirken hier nicht
Die Stärke dieses Immunflucht-Effekts bei Omikron BA.5, das spezielle Symptome aufweist, wurde vom Deutschen Primatenzentrum untersucht. Dafür wurden verschiedene Omikron-Varianten mit Antikörpern aus dem Blutserum von ungeimpften Omikron-Genesenen konfrontiert. Zudem wurden die Antikörper von dreifach Geimpften sowie Geimpften mit anschließender Infektion untersucht.
Das Ergebnis: Die Antikörper gegen Omikron BA.4 und Omikron BA.5, gegen das ein spezieller Moderna-Impfstoff wirkt, waren bei den Ungeimpften, die sich im Frühjahr mit den Omikron-Subvarianten BA.1 oder BA.2 infiziert hatten, kaum aktiv. Deswegen sei davon auszugehen, dass eine auskurierte Infektion mit Omikron BA.1 oder BA.2 nur einen geringen Schutz vor einer nachfolgenden Infektion mit Omikron BA.4 oder BA.5 biete.
Omikron BA.4 und BA.5 sind Antikörperfluchtvarianten – was hohes Infektionsrisiko erklärt
Durch die Untersuchung konnte somit auch bestätigt werden, dass es sich bei Omikron BA.4 und BA.5 um Immunflucht-Varianten vom Coronavirus handelt. Bedeutet: Der Erreger hat sich daran angepasst, dass viele Menschen entweder genesen oder geimpft sind und bereits Antikörper gegen das Coronavirus in sich tragen. Hilft denn zumindest die Impfung in dieser Hinsicht?
BA.2.12.1 sowie insbesondere BA.4 und BA.5 sind Antikörperfluchtvarianten. Die Impfung wird dennoch vor einem schweren Verlauf schützen, der Schutz wird jedoch wahrscheinlich etwas geringer ausfallen als bei den vorher zirkulierenden Varianten.
Die Antikörper gegen Omikron BA.4 und BA.5 seien nach dreifacher Impfung zwar wirksam gewesen. Jedoch deutlich schwächer als gegen früherer Corona-Varianten. Darüber hinaus hätte sich gezeigt, dass Omikron BA.2.12.1, BA.4 und BA.5 deutlich weniger effizient gehemmt wurden, als es bei Omikron BA.1 und BA.2 der Fall war. Ähnliche Ergebnisse hätte es auch für Antikörper gegeben, die nach der Impfung und der darauffolgenden Durchbruchsinfektion gebildet wurden.
Omikron BA.5: Schnelle Infektion mit Corona-Variante von Immunsystem und Viruslast abhängig
Ein milder Verlauf, wie beispielsweise nach einer Infektion mit Omikron BA.5, bedeutet übrigens nicht unbedingt, dass man sich schneller wieder infiziert. „Wie gut das Immunsystem auf das Virus reagiert und vor schweren Verläufen schützt, hängt nicht nur von der Antikörperzahl, sondern zum Beispiel auch von der zellulären Immunität ab“, heißt es von Virologe Jonas Schmidt-Chanasit gegenüber der Bild.
Entscheidend sei aber auch, welcher Viruslast man ausgesetzt ist. Laut dem Virologen würde es nämlich einen Unterschied machen, „ob man nur mit wenigen Viren, zum Beispiel über die Nasenschleimhaut, in Kontakt kommt oder eine große Menge Viren aufgenommen werden“.
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