Über 5.000 Jahre alt

Seltener Fund an Ostseeküste: Sturmflut deckt mysteriöse Steinformation auf

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Die große Sturmflut im Herbst 2023 an der Ostsee richtete große Schäden an, förderte jedoch auch einen sensationellen Fund zutage.

Dahme– Immer wieder gibt es an der Ostseeküste spektakuläre Funde. Erst im September 2023 wurde bei Routinearbeiten das Wrack des deutschen Frachters „Kronos“ entdeckt, welcher mutmaßlich 1923 sank. Doch noch viel ältere archäologische Schätze schlummern auf dem Meeresgrund. Ein zunächst vermeintliches Frachtstück sorgte 2023 wohl für das größte Aufsehen, denn es entpuppte sich als Europas älteste Kanone.

Nicht ganz so tief im Meer verborgen ist der neueste Fund. Direkt an der Ostseeküste zwischen Kellenhusen und Dahme hat die Sturmflut vom Oktober 2023 ein tausende Jahre altes Zeitzeugnis freigelegt: Eine zunächst unscheinbar wirkende Steinformation.

Fund an Ostsee-Strand – 5.000 Jahre altes Grab aus Bauernsteinzeit frei gespült

Die Rekordsturmflut vom 20. und 21. Oktober 2023 hat entlang der schleswig-holsteinischen Ostseeküste Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Doch bei der Unterspülung eines Wegs von Kellenhusen nach Dahme förderten die Fluten auch etwas hervor, was man längst verloren glaubte, wie der Heimat-und Kulturverein Dahme e.V. am 13. November 2023 in einer Mitteilung bekannt gab. In dem Weg war ein Grab aus der Bauernsteinzeit verbaut, dessen Existenz zwar bekannt war, der Standort sei allerdings im Laufe der Jahrzehnte in Vergessenheit geraten.

Das Großsteingrab mit der Bezeichnung „Grosssteingrab Lancken-Granitz Nr. 2“ in der Nähe der Ostseeküste.

Genauer handle es sich dabei um das Grab 281: „Das Grab mit der Nummer 281 im Sprockhoff Katalog der Megalithgräber galt jahrzehntelang als ‚verschwunden‘. Erst die Sturmflut vom 20. Oktober hat es jetzt freigelegt. Es sollte bewahrt und geschützt werden.“ Doch hinter den bis zu 1,60 Meter hohen Steinen verberge sich mehr als nur ein Grab. Vor etwa 5.000 bis 6.000 Jahren seien diese Monumente „Ausdruck der Kultur und Ideologie der damaligen Bauernsteinzeit“ gewesen.

Großsteingräber an der Ostseeküste – mehr als nur „dicke Steinbrocken“

Auch die Lübecker Nachrichten berichteten von dem Fund der mysteriösen „dicken Steinbrocken“. Dabei handle es sich um Kultstätten aus der Jungsteinzeit, welche auch als „Megalithgräber“ oder als „Hünengrab“ bekannt seien. Dr. Jürgen Möller, Vorsitzender des Heimat-und Kulturvereins Dahme e.V, klärt in einem Gespräch mit der Tageszeitung auf: „Es hat hier im Norden nur so davon gewimmelt.“ Allerdings sei ein Großteil der Steine im 19. Jahrhundert für Bauprojekte oder zur Stabilisierung der Küste verwendet worden. Dr. Möller plädiert dafür, das historische Zeugnis zu schützen und zu bewahren, da es Einblicke in die Kultur und Ideologie der damaligen Zeit biete.

Ostsee-Fund: Woher kommt der Name „Hünengrab“ für die Großsteingräber?

Die Megalithgräber seien Relikte der Jungsteinzeit und zeugen von der neolithischen Revolution: Eine Zeitenwende, bei der sich die Gesellschaft von Jägern und Sammlern zu Bauern wandelte, erörtert der Hobbyarchäologe gegenüber dem Tagesblatt. Ob das verlorengeglaubte und neu entdeckte Grab aus der Jungsteinzeit tatsächlich erhalten bleibt, wisse er nicht. Archäologisch sei der Wert eher gering, da bereits andere Gräber entlang der Ostseeküste existieren und erforscht wurden. Einige davon befinden sich laut der Tourismus-Website treffpunkt-ostsee.de beispielsweise auf Rügen oder in der Region Nordwestmecklenburg:

Großsteingräber entlang der OstseeküsteOrt
Bronzezeitliches Grab am SpeckbuschGöhren (Rügen)
Großsteingrab Goldbusch AltensienSellin (Rügen)
Großsteingräber MankmoosWarin (Nordwestmecklenburg)
Steinzeitliches Großsteingrab Everstorfer ForstPlüschow (Nordwestmecklenburg)
Großsteingrab / Ganggrab im LangbettPlüschow (Nordwestmecklenburg)

Während die Großsteingräber in der prähistorischen Zeit als sakrale Orte errichtet wurden, hatten die Menschen der späteren Jahrhunderte laut dem Naturmagazin Killikus eigene Erklärungen, wie die mystischen Steinformationen entstanden: „Die riesigen Grabanlagen aus der späten Steinzeit veranlassten die Menschen der Christenheit zu glauben, dass ‚in grauer Vorzeit‘ wohl Riesen die Erde bewohnten. Aus diesem Grund wurden in vielen alten Sagen und Märchen von genau jenen Riesen berichtet, welche die Wälder bewohnen und dort auch begraben sind. So entstand der Begriff „Hünengrab“.

Doch auch in anderen Teilen Deutschlands gab es kürzlich seltene Funde, so wurde in der Grube Messel wahrscheinlich ein Urzeitpferd ausgegraben. (mh)

Rubriklistenbild: © IMAGO / Susanne Hübner

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