Pakistan ist noch ein verhältnismäßig junger Staat, der sich erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts gebildet hat. Obwohl viele Hindus und Sikhs hier leben, ist der Islam Staatsreligion. Das Land hat die am schnellsten wachsende Bevölkerung der Welt.
- Pakistan wurde 1947 aus den mehrheitlich muslimischen Teilen Britisch-Indiens gebildet.
- Das Land besitzt in seinen Gebirgsregionen fünf der weltweit 14 Achttausender.
- Obwohl Islamabad die Hauptstadt ist, gilt die Millionenmetropole Lahore als der kulturelle Mittelpunkt des Landes.
Islamabad – Mit einer Einwohnerzahl von inzwischen über 220 Millionen Menschen besitzt Pakistan eine der am schnellsten wachsenden Bevölkerungen weltweit. Der Staat ist noch verhältnismäßig jung und blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Gerade in jüngerer Vergangenheit hatte das Land, dessen Demokratisierung nur schleppend vorangeht, mit zahlreichen islamistischen Terroranschlägen zu kämpfen. Hinzu kommt noch eine Reihe von Naturkatastrophen, die das Land immer wieder heimgesucht haben. Die Hauptstadt ist Islamabad.
Pakistan: Frühe Kulturen und Islamisierung
Schon im dritten Jahrtausend vor Christus war auf dem Gebiet des heutigen Pakistan die Hochkultur der Harappa ansässig, die sich später mit Volksstämmen aus Afghanistan und dem Iran vermischten. Im 6. Jahrhundert vor Christus schlossen die Perser das Gebiet an das Achämenidenreich an. Zwei Jahrhunderte später eroberte Alexander der Große die Region, sodass sich der Buddhismus und die griechische Kultur miteinander vermengten.
Bis ins Mittelalter hinein entstanden immer wieder neue Reiche und die Zugehörigkeit des Landes war regen Wechseln unterworfen. Ab dem 8. Jahrhundert eroberten die Araber das Industal und fingen an, den Islam zu verbreiten. Ab dem Jahr 1000 wurde das Land von der Ghaznazwiden-Dynastie beherrscht. Von diesem Zeitpunkt an wurde Pakistan immer wieder von islamischen Reichen beherrscht.
Pakistan: Von Britisch-Indien zum unabhängigen Staat
In der Mitte des 19. Jahrhunderts nahm der Einfluss der Britischen Ostindien-Kompanie zu. Pakistan wurde neben Indien und Bangladesch in die Kolonie Britisch-Indien eingegliedert. Bald schon regten sich Unabhängigkeitsbewegungen, die sich 1885 in einer Kongresspartei formierten. Diese vertrat vorwiegend Hindus, sodass sich bald die Muslim-Liga als Gegenpartei aufstellte. In diesem Zusammenhang wurden Bestrebungen immer lauter, einen eigenständigen Staat zu gründen.
Der 14. August 1947 brachte schließlich den Durchbruch: Pakistan wurde unabhängig und endgültig von Indien getrennt. Die Grenzen wurden so gezogen, dass die muslimischen Gebiete dem neuen Staat zugeordnet waren. Infolgedessen kam es zu einem regelrechten Bevölkerungs-Umzug. Über vier Millionen Muslime wanderten aus den indischen Gebieten nach Pakistan ein. Im Gegenzug siedelten sieben Millionen Sikhs und Hindus von Pakistan nach Indien über. Die Massenwanderung hatte jedoch einen hohen Preis: Etwa 750.000 Menschen verloren dabei ihr Leben. 1956 rief sich Pakistan zur ersten islamischen Republik der Welt aus.
Pakistan: Militärdiktaturen und Demokratisierung
Die Teilung von Indien bedeutete aber auch, dass Pakistan nun aus den beiden Teilen Ost- und Westpakistan bestand, die 1.500 Kilometer voneinander entfernt und durch Indien getrennt waren. Auch Kaschmir blieb lange Zeit eine umstrittene Region. Während sich Ostpakistan 1971 als Bangladesch unabhängig machte, ist der Kaschmir-Konflikt bis heute nicht gelöst. Das Land wird zwar von Pakistan verwaltet, was allerdings immer noch zu Konflikten zwischen beiden Ländern führt.
In den Folgejahrzehnten waren in Pakistan immer wieder Militärdiktaturen an der Macht. Das Land wurde außerdem von Anschlägen radikaler Islamisten aus Afghanistan heimgesucht. Zudem wurde es 2005 von einem schweren Erdbeben erschüttert. Dabei kamen 40.000 Menschen ums Leben. Seit 2010 wird schrittweise versucht, die Demokratisierung im Land voranzutreiben. Dennoch hat der Staat immer noch stark mit dem Islamismus zu kämpfen.
Pakistan: Das politische System
Nach der seit 1973 mehrfach geänderten Verfassung ist die Islamische Republik Pakistan eine föderalistische, semipräsidentielle Demokratie. Je nach Machtinhaber wurde das Land aber zeitweise auch diktatorisch regiert. Laut Verfassung ist der Präsident das Staatsoberhaupt und wird auf fünf Jahre gewählt. Er muss mindestens 45 Jahre alt und Muslim sein. Obwohl er vorwiegend repräsentative Aufgaben hat, besitzt er den Oberbefehl über die Streitkräfte und kann jederzeit die Nationalversammlung auflösen.
Die Legislative liegt beim Parlament, das aus zwei Kammern besteht: der Nationalversammlung (Unterhaus) und dem Senat (Oberhaus). Die Nationalversammlung besteht aus 342 Abgeordneten, wovon 272 Mitglieder für fünf Jahre nach Mehrheitswahlrecht vom Volk gewählt werden und 60 Sitze Frauen vorbehalten sind. Zehn weitere Sitze sind für religiöse Minderheiten reserviert. Der Senat besteht wiederum aus 100 Abgeordneten, die von den Parlamenten der vier Provinzen sowie der Stammesgebiete unter Bundesverwaltung gewählt werden.
Pakistan: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Islamabad
- Amtssprache: Urdu und Englisch
- Fläche: 796.095 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 220,9 Millionen (Stand 2020)
- Währung: Pakistanische Rupie (PKR)
- Verwaltungsgliederung: 4 Provinzen, Hauptstadtterritorium Islamabad, Sonderterritorium Gilgit-Baltistan, teilautonomes Gebiet Asad Jammu und Kaschmir
- Religion: Islam (Staatsreligion)
Pakistan: Sprachen und Bevölkerung
Pakistan besitzt das schnellste Bevölkerungswachstum weltweit. Während bei einer Volkszählung 1998 noch 132 Millionen Pakistaner ermittelt wurden, waren es im Jahr 2020 schon über 220 Millionen. Das Land ist nach China, Indien, den Vereinigten Staaten und Indonesien der fünftbevölkerungsreichste Staat der Welt. Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte beträgt 261 Einwohner pro Quadratkilometer.
Im Land werden mehr als 50 verschiedene Sprachen gesprochen. Nationalsprache ist laut Verfassung das indoarische Urdu. Neben Urdu ist aber auch Englisch als Amtssprache und höhere Bildungssprache offiziell anerkannt. Laut einer Volkszählung zählen auch das Panjabi, Paschtunisch, Sindhi, Saraiki und Belutschisch zu den meistgesprochenen Sprachen des Landes – wobei das Panjabi mit 44 Prozent den größten Sprecheranteil aufweist. Allerdings ist es sie in der Schriftsprache kaum von Bedeutung.
Pakistan: Geografie und Städte
Pakistan ist ein Staat in Südasien, der im Südwesten an den Iran, im Westen an Afghanistan, im Norden an die Volksrepublik China und im Osten an Indien grenzt. Es besitzt im Süden eine Küste am Arabischen Meer, das ein Nebenmeer des Indischen Ozeans darstellt. Das Land gilt mit einer Fläche von 796.095 Quadratkilometern als der neuntgrößte Staat Asiens. Im Norden treffen mit dem Hindukusch, dem Karakorum und dem Himalaya die drei höchsten Gebirge der Erde zusammen. Fünf der weltweit 14 Achttausender liegen auf pakistanischem Gebiet. Dazu gehört auch der K2 mit 8.611 Metern. Er ist der höchste Berg Pakistans und der zweithöchste Berg der Welt.
Das Bevölkerungswachstum macht sich auch an den wachsenden Städten bemerkbar. 2020 lebten etwa 37 Prozent der Einwohner in Städten. Bereits zehn davon haben die Millionenmarke überschritten.
Die größten Städte Pakistans im Überblick
- 1 Karatschi: 14.910.352 Einwohner, Region Sindh
- 2 Lahore: 11.126.285 Einwohner, Region Punjab
- 3 Faisalabad: 3.203.846 Einwohner, Region Punjab
- 4 Rawalpindi: 2.098.231 Einwohner, Region Punjab
- 5 Gujranwala: 2.027.001 Einwohner, Region Punjab
- 6 Peschawar: 1.970.042 Einwohner, Region Khyber Pakhtunkhwa
- 7 Multan: 1.871.843 Einwohner, Region Punjab
- 8 Hyderabad: 1.732.693 Einwohner, Region Sindh
- 9 Islamabad: 1.014.825 Einwohner, Region Hauptstadtterritorium
- 10 Quetta: 1.001.205 Einwohner, Region Belutschistan
Pakistan: Wissenswertes zum Land
Obwohl Pakistan Bodenschätze wie Erdöl, Erdgas, Kohle oder Erz besitzt, arbeitet etwa die Hälfte der Bevölkerung noch in der Landwirtschaft. Hier dominieren vor allem der Anbau von Weizen, Baumwolle, Zuckerrohr und Reis. In den letzten Jahren hat aber auch die Baumwollindustrie an Bedeutung gewonnen. Neben Textilien werden Düngemittel, Papier, Farben und Insektenvernichtungsmittel produziert. In Asien gilt Pakistan als eines der ärmsten und wirtschaftlich am wenigsten entwickelten Ländern.
Dass der Islam Staatsreligion ist, macht sich auch am täglichen Leben der Bevölkerung bemerkbar. Hier haben religiöse Traditionen einen hohen Stellenwert, was allerdings nicht nur zu häufigen ethnischen-religiösen Konflikten führt, sondern Land auch daran hindert, sich in einen modernen Staat zu verwandeln. Dabei werden Frauenrechte häufig eingeschränkt. Vielen Mädchen wird sogar die Schulbildung gänzlich verweigert. Nur ein Drittel der Frauen kann lesen und schreiben. Auch ihr Rollenbild in der Familie ist häufig strengen Konventionen unterworfen.