Palau ist ein Inselstaat, der zu Mikronesien gehört. Das Land zählt gerade einmal um die 18.000 Einwohner, die sich auf gerade einmal elf der 365 Inseln verteilen. Der Staat ist immer noch stark von den USA abhängig.
- Palau war bis zum 1. Oktober 1994 UN-Treuhandgebiet.
- Der Inselstaat nördlich von Papua-Neuguinea bildet den westlichen Teil der Karolinen.
- Die größte Insel heißt Babeldaob.
Ngerulmud – Palau ist ein Inselstaat im Pazifik, der gerade mal eine Landfläche von knapp 460 Quadratkilometern aufweist. Das kleine Inselparadies blickt im 20. Jahrhundert auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Erst 1994 konnte sich der Staat unabhängig machen. Wirtschaftlich ist er aber nach wie vor eng mit den Vereinigten Staaten verbunden. Der Tourismus steckt aufgrund der dünn ausgebauten Infrastruktur noch in den Kinderschuhen. Aber die Korallenriffe erfreuen sich vor allem bei Tauchern aus dem asiatischen Raum zunehmender Beliebtheit.
Palau: Erste Besiedlung und europäische Entdecker
Über die Frühgeschichte des Inselstaates ist nur wenig bekannt. Es wird vermutet, dass sich bereits 2000 bis 1000 Jahre vor Christus hier Menschen ansiedelten. Sie kamen vermutlichen aus dem Malaiischen Archipel oder Melanesien. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass mindestens 60.000 Menschen in Rock Islands gelebt haben sollen. Also eine dreimal so hohe Bevölkerungsdichte als es heute der Fall ist. Allerdings ist dies nur eine Vermutung, da bei der Entdeckung der Inselgruppe durch die Europäer kaum noch Menschen hier wohnten.
1543 wurden die Inseln erstmals vom spanischen Entdecker Ruy López de Villalobos entdeckt. Er nahm sie für Spanien in Besitz. 34 Jahre später wurde Palau in das von Spanien verwaltete Gebiet Spanisch-Ostindien eingegliedert. 1783 gingen auch britische Seefahrer hier vor Anker, um sich auf den Inseln niederzulassen.
Palau: Kolonialzeit und Weltkriege
Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Inseln schließlich komplett von den Spaniern kolonialisiert. Nach ihrer Niederlage im Spanisch-Amerikanischen Krieg verkauften sie Palau mit dem größten Teil der restlichen Karolinen an das Deutsche Reich. 1899 wurde Palau so durch den Deutsch-Spanischen Vertrag Teil Deutsch-Neuguineas.
Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges besetzte allerdings Japan die Inselgruppe und erhielt sie später als Mandatsgebiet des Völkerbundes. Die Zugehörigkeit änderte sich jedoch während des Zweiten Weltkrieges abermals, als die USA nach der berühmten „Schlacht um die Palau-Inseln“ die Inselgruppe unter ihre Kontrolle gebracht hatten. 1947 wurde Palau ein Distrikt des UN-Treuhandgebietes Pazifik-Inseln.
Palau: Der lange Weg in die Unabhängigkeit
Lange blieb die Inselgruppe unter der Kontrolle der Vereinigten Staaten. Die Bürger von Palau forderten Ender der 1970er Jahre ihre Unabhängigkeit und weigerten sich auch, den „Föderierten Staaten von Mikronesien“ beizutreten. Vor allem Ibedul Gibbons, der Häuptling von Koror, kämpfte jahrelang gegen die Protektoratsmacht an, die sogar Atomwaffen auf der Inselgruppe stationieren wollte.
Am 1. Oktober 1994 wurde Palau schließlich offiziell unabhängig. Außerdem konnte erwirkt werden, dass Palau zur atomwaffenfreien Zone erklärt wurde. Allerdings sind die Inseln immer noch stark von den USA abhängig, die immer noch einen Blick auf Palaus Außenpolitik werfen. Die Vereinigten Staaten sind weiterhin für die Verteidigung des Inselstaates zuständig und unterstützen diesen auch wirtschaftlich. Zudem ist es für die Palauer ohne weiteres möglich, jederzeit in die USA einzureisen und sich dort niederzulassen.
Palau: Das politische System
Palau ist eine präsidiale Republik nach amerikanischen Vorbild. Die Exekutive wird von einem Präsidenten, einem Vizepräsidenten und einem 16-köpfigen Häuptlingsrat ausgeübt. Der Häuptlingsrat wird wiederum aus den Häuptlingen der 16 Verwaltungseinheiten (auch „Staaten“ genannt) gebildet. Sie stehen dem Präsidenten beratend zur Seite, vor allem bei Fragen, wie das Brauchtum im Zusammenhang mit der Verfassung und den Gesetzen gewährleistet wird. Der Präsident selbst wird auf eine Amtsdauer von vier Jahren gewählt und muss nach zwei aufeinanderfolgenden Amtszeiten für eine Wahlperiode pausieren.
Die Legislative liegt beim Parlament, das in Palau den Namen Olbiil Eera Kelulau (OEK) genannt wird und „Haus der besprochenen Entscheidungen“ bedeutet. Es besteht aus zwei Kammern: Dem Repräsentantenhaus (bestehend aus 16 Delegierten) und dem Senat (bestehend aus neun Mitgliedern). Die Judikative besteht aus einem erstinstanzlichen Gericht, einem Berufungsgericht (National Court) und einem Obersten Gerichtshof (Supreme Court).
Palau: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Ngerulmud
- Amtssprache: Palauisch und Englisch (regionale Amtssprachen: Japanisch, Sonsorolesisch, Tobianisch
- Fläche: 459 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 18.000 (Stand 2020)
- Währung: US-Dollar (USD)
- Verwaltungsgliederung: 16 administrative „Staaten“
- Religion: Vorwiegend Christentum
Palau: Sprachen und Bevölkerung
Die Palauer sind Mikronesier mit einer malaiischen und melanesischen Vermischung. Sie bilden mit einem Bevölkerungsanteil von etwa 72,9 Prozent auch die größte Volksgruppe. Die weitere Bevölkerung besteht aus Asiaten (21,6 Prozent), Karoliner (2 Prozent) und Europäer (1,2 Prozent). Neben den beiden Amtssprachen Palauisch und Englisch wird auch Japanisch, Sonsorolesisch und Tobianisch gesprochen.
Während Palauisch von 77 Prozent der Bevölkerung gesprochen wird, beherrscht knapp ein Drittel der Bewohner auch Englisch. 11,7 Prozent der Einwohner sprechen Filipino. Chinesisch wird gerade einmal mehr von 1,4 Prozent gesprochen. Und obwohl etwa zwei Prozent der Bevölkerung Karoliner sind, ist Karolinisch gerade mal von 0,07 Prozent der Einwohner die Muttersprache.
Palau: Geografie und Städte
Der Inselstaat besteht aus insgesamt 365 Inseln, die sich über sechs Inselgruppen verteilen. Gerade einmal elf Inseln sind aber bewohnt. Die größte Insel bildet Babeldaob mit einer Fläche von 396 Quadratkilometern. Die Inseln waren ursprünglich ein Korallenriff, das durch die Kontinentalbewegung aus dem Wasser gehoben wurde. Viele Inseln ragen gerade mal wenige Meter aus dem Wasser empor. Die meisten sind Atolle aus Korallenkalk und viele von ihnen stehen auch unter Naturschutz. Um Palau wurde sogar das erste Hai-Schutzgebiet der Welt errichtet. Allerdings hat der Staat, der sich nur knapp über dem Meeresspiegel befindet, auch mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen.
Die Hauptstadt ist Ngerulmud. Sie liegt im Teilstaat Melekeok auf der Insel Babeldaob. Sie befindet sich etwa 20 Kilometer nordöstliche der ehemaligen Hauptstadt Koror. 2006 wurde der Regierungssitz nach Errichtung eines Kapitolkomplexes hierher verlegt. Die Stadt selbst hat allerdings nur eine Einwohnerzahl von 300 Menschen zu verzeichnen. Damit gilt Ngerulmud als die einwohnerärmste Hauptstadt eines souveränen Staates weltweit.
Die größten Städte und Orte Palaus im Überblick
- 1 Koror: 11.346 Einwohner, Region (Staat) Koror
- 2 Meyungs: 1.275 Einwohner, Region (Staat) Koror
- 3 Airai: 960 Einwohner, Region (Staat) Airai
- 4 Kloulklubed: 531 Einwohner, Region (Staat) Peleliu
- 5 Ngelmurud: 300 Einwohner, Region (Staat) Melekeok
- 6 Ngermechau: 286 Einwohner, Region (Staat) Ngaraard
- 7 Choi: 223 Einwohner, Region (Staat) Ngardmau
- 8 Melekeok: 217 Einwohner, Region (Staat) Melekeok
- 9 Ngaramash: 135 Einwohner, Region (Staat) Angaur
- 10 Imeong: 132 Einwohner, Region (Staat) Ngerchelong
Palau: Wissenswertes zum Land
Dass die Vereinigten Staaten Palau wirtschaftlich unterstützen, kommt nicht von ungefähr. Der Inselstaat weist kaum eine Industrie auf. Die meisten Bewohner arbeiten in der Landwirtschaft auf Selbstversorger-Basis. Zu den Exportgütern zählen Kokosnüsse, Kopra und Fisch. Allerdings erweist sich der Tourismus als wichtiger Wirtschaftsfaktor. Die Besucherzahlen steigen von Jahr zu Jahr. Vor allem bei Tauchern ist das kleine Paradies im Pazifik besonders beliebt. Die meisten Touristen kommen derzeit aus dem asiatischen Raum wie Japan oder Taiwan.
Die Palauer identifizieren sich stark mit ihren Wurzeln und ihrer althergebrachten Kultur. Im Zentrum ihrer Riten und Bräuche steht vor allem die Verbindung von Mensch und Meer. Viele Geschichten wurden bislang nur mündlich tradiert. Das Erzählen dieser Geschichten am Lagerfeuer nach Einbruch der Dunkelheit ist ein beliebter Brauch. Auch Tätowierungen haben hier eine besondere Tradition und verraten viel über Entwicklung, Reife und gesellschaftliche Stellung einer Person. Die Palauer sind vor allem sehr matrilinear geprägt. Aus diesem Grund haben auch die Frauen einen besonderen gesellschaftlichen Stellenwert.