Auswirkungen des Lockdowns

Geistiger Verfall durch Corona-Pandemie: Neue Studie zeigt erstaunliche Gehirn-Effekte

  • schließen

Eine Studie aus Großbritannien liefert Ergebnisse über die Auswirkungen des Lockdowns während der Corona-Pandemie: Eine Altersgruppe ist besonders betroffen.

London – Noch immer wirft die Corona-Pandemie lange Schatten: Während immer mehr über die Spätfolgen von Corona bekannt wird, sollen neue Therapieansätze die Symptome von Long Covid lindern. Doch neben den offensichtlichen Folgen einer Covid-Infektion werden auch andere Auswirkungen der Pandemie bekannt.

In der Vergangenheit zeigte bereits eine Studie aus Wuhan erste Anzeichen auf ein erhöhtes Demenz-Risiko nach einem schweren Covid-Verlauf. Britische Forscher haben nun herausgefunden, dass insbesondere bei Menschen ab 50 Jahren die kognitive Leistung stark abgenommen habe. Und das auch ohne an Covid erkrankt zu sein.

Geistiger Verfall bei Menschen über 50: Forscher kommen zu einem klaren Ergebnis

Welche Folgen hat die Pandemie auf die kognitive Verfassung alter Menschen? Dieser Frage stellte sich ein britisches Forscherteam. Darunter Prof. Anne Corbett der University of Exeter Medical School, spezialisiert auf Demenz und die kognitive Gesundheit im Alter. Das Team nutzte die Daten der Protect Study als Grundlage und veröffentlichten ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift für Medizin The Lancet.

Die Forschungsdaten der Studie entsprangen einem kognitiven Test, den rund 3.000 Teilnehmer aus Großbritannien im Alter zwischen 50 und 90 über mehrere Jahre absolvierten. Dabei wurden geistige Fähigkeiten wie Logik, Problemlösung und das Gedächtnis getestet. Das Ergebnis: „Die Covid-19 Pandemie führte zu einer signifikanten Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten bei älteren Erwachsenen“. Außerdem sei in diesem Zeitraum das Risiko, an Demenz zu erkranken, stark angestiegen.

Währen dem ersten Jahr der Pandemie habe bereits eine signifikante Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten festgestellt werden können – Sowohl bei Menschen, die schon zuvor an einer leichten kognitiven Beeinträchtigung litten, als auch bei anderen. Im zweiten Jahr habe insbesondere das Gedächtnis der Testpersonen der gesamten Kohorte weiter abgenommen.

Mangelnde Bewegung, Alkohol, Depressionen – Darum nimmt die kognitive Leistung ab

Im Gegensatz zu vorausgegangenen Studien wird allerdings nicht die Infektion mit dem Coronavirus als Hauptursache gesehen. Viel mehr spiele der Effekt des Lockdowns eine zentrale Rolle. Die Forscher gelangen zu der Erkenntnis, dass im ersten Jahr die mangelnde Bewegung, ein erhöhter Alkoholkonsum, Einsamkeit und Depression Auslöser für den Rückgang der geistigen Fähigkeiten sei. Auch im zweiten Jahr haben diese Faktoren eine tragende Rolle gespielt.

Eine weitere Ursache wird auch in dem schlechten Zugang zu medizinischen Institutionen gesehen: „Wegen des Lockdowns hatten viele Individuen keinen Zugang zu Pflege-Einrichtungen, damit wurden wahrscheinlich Gelegenheiten, um kognitive Risiken frühzeitig zu erkennen, verpasst“.

Daten als Grundlage für die nächste Corona-Pandemie – Das sollten wir besser machen

Die stetige Abnahme der geistigen Verfassung von über 50-Jährigen während der Covid-Pandemie in Großbritannien stößt zum Nachdenken an. Denn im Vergleich zu der Zeit vor Corona habe die Abnahme der geistigen Fähigkeiten sich um 50 Prozent gesteigert – einhergehend mit einem erhöhten Demenz-Risiko.

Forschende benennen Einsamkeit und Depressionen als Risikofaktoren für kognitiven Abbau.

Das britische Forscherteam unterstreicht die Wichtigkeit, die Daten ihrer Arbeit bei zukünftigen Pandemien zu berücksichtigen: Das Ergebnis hebe insbesondere die Notwendigkeit hervor, Risikogruppen besser vor Isolation und den negativen Effekten des Lockdown zu schützen.

Nicht nur alte Menschen sind von Demenz bedroht. Leider wurde bei einem Teenager 2023 Demenz festgestellt. Allerdings gibt es auch immer wieder Beispiele, wie ein Leben mit Demenz trotzdem lebenswert sein kann. Das zeigt der Dokumentarfilm „Diagnose Demenz“.

Rubriklistenbild: © Imago Images

Kommentare