Gedächtnisprobleme und weniger Gehirnleistung: Die Corona-Pandemie hat zu nachhaltigen Schäden bei älteren Menschen geführt. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle.
London – Die Corona-Pandemie hat bei vielen Menschen ihre Spuren hinterlassen. Und das nicht nur bei denjenigen, die an dem Virus erkrankten und gegebenenfalls heute noch mit Langzeitfolgen, wie Long Covid zu kämpfen haben. Einer aktuellen Studie zufolge hat die Gehirnleistung bei Erwachsenen über 50 Jahren und unabhängig von einer Infizierung mit Covid seit Beginn der Pandemie merkbar abgenommen.
Studie zeigt Leistungsabfall nach Coronapandemie
In der nun vorgestellten Studie, die im Fachjournal The Lancetveröffentlicht wurde, hat ein Forschungsteam Daten von der sogenannten Protect-Studie ausgewertet. Die britische Langzeitstudie wurde bereits 2015 gestartet, um besser verstehen zu können, wie das Gehirn altert und herauszufinden, wie das Risiko von Demenz und psychischen Gesundheitsrisiken reduziert werden kann. Ein Team aus Forschenden der Universität Exeter und des King's College in London nutzte die dort gesammelten Daten von insgesamt 3124 Menschen über 50 Jahren für ihre Analyse.
Die Teilnehmenden nahmen dazu an computerunterstützten Hirnfunktionstests teil. Dabei wurden Tests aus der Zeit vor der Pandemie, während des ersten und des zweiten Pandemiejahres ausgewertet. Keiner der Getesteten war zu Beginn der Datenerhebung mit Demenz diagnostiziert.
Verschlechterungen der Gehirnleistungen nach Corona-Erkrankung bei älteren Menschen
Das Auffällige dabei: Die Auswertung der Daten ergab, dass im ersten Pandemie-Jahr, also von Anfang März 2020 bis Ende Februar 2021, deutliche Verschlechterungen im Kurzzeitgedächtnis und beim Lösen komplexer Aufgaben auftraten. Noch stärker zeigte sich dieser kognitive Verfall bei Menschen, die schon vor der Pandemie von einem solchen altersbedingtem Abbau betroffen waren. Teilweise betrug die Einschränkung sogar über 50 Prozent der Leistung.
Und auch im zweiten Jahr, im Testzeitraum von Anfang März 2021 bis Ende Februar 2022, hielt der Abbau der Leistungen bei den Teilnehmenden an. Die Forschenden gehen in ihrer Studie davon aus, dass diese sinkenden kognitiven Fähigkeiten mit mehreren Bereichen zusammenhängen, die während der Pandemie eingeschränkt waren. Sie nennen dazu verschiedene Faktoren wie weniger Bewegung, mehr Alkoholkonsum und eine Zunahme von Einsamkeit und Depressionen zu dieser Zeit.
Zu wenig Bewegung und Alkohol als Ursachen für den Abbau kognitiver Fähigkeiten
Laut der Forschenden sei Bewegungsmangel ein bekannter Risikofaktor für den Abbau von kognitiven Fähigkeiten. „Für die meisten Erwachsenen, haben die Umstände während der Pandemie dafür gesorgt, dass Gewohnheiten gestört wurden, was zu weniger regelmäßiger, intensiver und dauerhaften Bewegung geführt hat“, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Veröffentlichung ihrer Studie. Auch erhöhter Alkoholkonsum und Einsamkeit und Depression können demnach zum Abbau kognitiver Fähigkeiten führen. Gleichzeitig gelten sie auch als bekannte individuelle Risikofaktoren für eine Demenz-Erkrankung.
Doch laut der Forschenden sei es noch nicht zu spät für Maßnahmen, um den Leistungsabfall bei Betroffenen zu stoppen und so auch das Risiko für eine Demenz zu verringern. Frühere Forschungen hätten demnach ergeben, dass körperliche Aktivität, die Behandlung bestehender Depressionen und die Rückkehr in die Gemeinschaft und die Kontaktaufnahme mit Menschen, wichtige Möglichkeiten sind, um die Gesundheit des Gehirns zu erhalten. Sie fordern dazu das Gesundheitswesen auf, diese Gruppe mehr in den Blick zu nehmen. Außerdem appellieren sie an die Politik, die Ergebnisse der Studie zu nutzen, um sich auf zukünftige Pandemien vorzubereiten.
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