Privatsekretär als enger Vertrauter – Papst Franziskus bricht mit der Tradition
„Auf die medizinische Behandlung hat sich das Fehlen eines langjährigen und mit Vollmachten ausgestatteten Vertrauten offenbar bereits negativ ausgewirkt“, schreibt die katholische Nachrichtenagentur KNA. Im Vatikan wären bis zum Amtsantritt von Franziskus 2013 die Privatsekretäre der Päpste die wichtigsten Vertrauten gewesen. Sie galten oft als Strippenzieher im Hintergrund und dazu noch gut vernetzt. Papst Franziskus brach mit dieser Tradition.
„Franziskus ist grundsätzlich gegen Personenkult.“
„Franziskus ist grundsätzlich gegen Personenkult“, sagte Vatikanjournalistin Christa Langen-Peduto in einem Interview mit katholische.de. Inihrem Buch „Im Schatten der Päpste“ (erschienen 2016) hat sich die Autorin mit der Geschichte der engsten Papstmitarbeiter befasst. Offiziell gibt es das Amt eines päpstlichen Privatsekretärs übrigens nicht. Sie werden laut dem Pressebüro des Vatikans als Mitarbeiter des Staatssekretariats geführt. Ihr Amt endet mit dem Tod des Papstes. Einige hält das jedoch davon ab, in die Öffentlichkeit zu treten.
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Benedikt XVI. hatte Privatsekretär Erzbischof Georg Gänswein – Papst Franziskus geht anderen Weg
Prominentestes Beispiel ist wohl Erzbischof Georg Gänswein – Privatsekretär von Benedikt XVI. (2005 bis 2013). Inzwischen Vatikanbotschafter für Litauen, Estland und Lettland. Der in Rom auch als „George Clooney des Vatikans“ bekannte Deutsche folgte dem emeritierten Papst Benedikt nach seinem Rücktritt in den Alterssitz.
Im Februar 2020 beurlaubte Franziskus Gänswein als „Präfekt des Päpstlichen Hauses“, mit der Bitte ausschließlich den damals 92-jährigen Papst zu betreuen. Ein Affront gegen Gänswein, der diese Zuweisung eigenen Angaben zufolge als Strafe empfand. Inzwischen wird über einen Papst-Rücktritt spekuliert.
Papst Franziskus enttäuscht von Ex-Privatsekretär Gänswein
Nach dem Tod Benedikts war seine Zukunft ungewiss. Im Buch „Nient‘altro che la Verità“ (Nichts als die Wahrheit) schildert Gänswein unter anderem intime Details, wie Spannungen zwischen dem Papst Emeritus und dem amtierenden Papst Franziskus. Mit scharfen Worten kritisierte Papst Franziskus in einem Interviewbuch den Zeitpunkt der Veröffentlichung. Er warf dem ehemaligen Papst-Privatsekretär Gänswein „einen Mangel an Anstand und Menschlichkeit“ vor.
Papst Franziskus wechselt Privatsekretäre aus
Papst Franziskus wechselt seine Privatsekretäre regelmäßig aus. Zuletzt ernannte Franziskus im Juli 2023 den argentinischen Priester, Daniel Pellizon, zu seinem neuen Sekretär. Der Pfarrer war in einem Stadtteil Flores von Buenos Aires tätig, wo Papst Franziskus aufgewachsen war. Die Ankündigung wurde damals von der Erzdiözese auf der Plattform X gemacht. Pellizon wurde am 3. November 2018 zum Priester geweiht und war lange Zeit als Diakon tätig. Doch es gibt noch eine weitere Verbindung zwischen dem heute 42-Jährigen und Papst Franziskus.
Esta mañana, Mons. Jorge García Cuerva, nuevo arzobipo de Buenos Aires, informó que el el Pbro. Daniel Pellizon, sacerdote de la arquidiócesis de Buenos Aires, ha sido convocado por el Papa Francisco para ser su secretario personal.https://t.co/NLhYlWpOhrpic.twitter.com/pG7XUULt0p
— Arzobispado de Buenos Aires (@arzbaires) July 17, 2023
Pellizon hatte in Buenos Aires in den Jahren 2011 und 2012 mit dem damaligen Erzbischof Jorge Mario Bergoglio sein persönliches Archiv angelegt. Im März 2013 wählt das Konklave im Vatikan den damals 76 Jahre alten Argentinier Jorge Mario Bergoglio zum Papst. Elf Jahre später wurde Pellizon in einer neuen Mission nach Rom berufen.