Papst-Konklave: Vatikan-Insider enthüllt Strategie der Hardliner
VonMoritz Bletzinger
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Diana Serbe
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Die Nachfolge von Papst Franziskus ist umkämpft. Gezielte Attacken sind die Strategie der Konservativen. Laut Vatikan-Experte bleibt die Wahl spannend.
Vatikanstadt – Ab 7. Mai wird im Vatikan die Wahl des neuen Papstes nach dem Tod von Franziskus († 88) am vergangenen Ostermontag über die Bühne gehen. 133 Kardinäle sind in der Sixtinischen Kapelle dazu aufgerufen, den 267. Pontifex zu wählen. Bereits jetzt zeichnen sich einige Favoriten ab. Einer von ihnen gehört jedoch zu einem Lager, das laut einem Vatikan-Experten auf der Abschussliste steht.
Konservative gegen Reformatoren: Papst-Konklave offenbart Uneinigkeit unter Kardinälen
Der kürzlich verstorbene Papst Franziskus hat die Wahrnehmung von Kirche und Glauben verändert. Dies zeigte sich auch am großen Andrang bei seiner Beerdigung am 26. April 2025. Menschen aus aller Welt warteten stundenlang, um sich von ihrem geistlichen Oberhaupt zu verabschieden. Franziskus wird als „Papst der Armen“ in Erinnerung bleiben. Seine Bemühungen, die Kirche für alle Menschen zu öffnen, werden in die Geschichte eingehen.
Während in Westeuropa laut der Deutschen Bischofskonferenz die Zahl der Konfessionslosen seit den 1970er Jahren gestiegen ist, hat Franziskus mit seinen Reformgedanken dazu beigetragen, dass weltweit Menschen zum Glauben zurückgefunden haben. Derzeit gehören 1,4 Milliarden Menschen durch die Taufe offiziell zur römisch-katholischen Kirche.
Weißer Rauch, neuer Papst – die Bilder vom Konklave in Rom
Nicht alle begrüßen die Entwicklung der Kirche hin zu einer offenen Institution, die auch moderne Überzeugungen wie die gleichgeschlechtliche Ehe akzeptiert. Die Kardinäle im Vatikan sind in zwei Lager gespalten: Konservative und moderne Reformatoren. Vatikan-Experte Andreas Englisch (61) erklärte im Interview mit IPPEN.MEDIA: „Die Konservativen wollen hauptsächlich zwei Dinge verhindern: Homosexuelle Segnungsfeiern und die Öffnung der Kirche gegenüber dem Islam.“ Die italienische Presse heizte sogar Spekulationen um einen nächsten Papst aus Österreich an.
Seit fast 40 Jahren lebt Andreas Englisch mit seiner Familie in seiner Wahlheimat Rom und ist einer der bekanntesten deutschen Vatikan-Korrespondenten. Viele seiner Bücher drehen sich um Papst Franziskus. Aktuell berichtet er in seinem Podcast „Konklave 2025“ über alle Entwicklungen rund um die Papst-Wahl.
Papst-Konklave steht bevor: Experte äußert sich zu Taktik der Konservativen
Obwohl Franziskus mit einigen seiner Aussagen Kritik auf sich zog, stand er im Allgemeinen für das moderne Lager. Beide Seiten mobilisieren derzeit ihre Kräfte, so Englisch. Dies macht die Nachfolge komplizierter, als es zunächst scheint. Die Anforderungen an den neuen Papst sind klar: Er muss männlich, katholisch getauft, unverheiratet und zwischen 35 und 80 Jahren alt sein. Für zwei Kardinäle wurde sogar das Alter geändert, damit sie an der Wahl teilnehmen können.
Eine besondere Herausforderung für ein schnelles Ende des Konklaves ist, dass Franziskus viele neue Kardinäle ernannt hat, die sich untereinander nicht gut kennen. Sie kommen aus mehr als 70 verschiedenen Ländern und haben unterschiedliche Ansichten und Hintergründe.
„Konservative schießen vor allem einzelne Kandidaten ab“, so Englisch. Er erwähnte dabei den als „asiatischen Franziskus“ bekannten Kardinal Luis Antonio Tagle (67) von den Philippinen. Der ehemalige Erzbischof von Manila teilt viele Ansichten mit dem verstorbenen Franziskus und hat sich durch seine Dienste und zwanglosen Messen einen Namen gemacht. Ein Vorfall aus der Vergangenheit spielt jedoch seinen Gegnern in die Hände. „Von Kardinal Tagle ist ein Video aufgetaucht, in dem er ‚Imagine‘ von John Lennon singt“, so Englisch. „Eine Katastrophe.“
Der Ex-Erzbischof von Manila wird als aussichtsreichster Anwärter genannt, falls die Wahl erstmals auf einen Kardinal aus Fernost fallen sollte. Der 67-Jährige war schon 2013 im Gespräch.
Vatikan-Experte: Papst-Wahl von Hardliner-Taktik beeinflusst
Auch Kardinal Victor Emanuel Fernández (62) aus Argentinien bot Angriffsfläche: „Von ihm sind Bücher in Umlauf gebracht worden, in denen er über Küssen und Orgasmen schreibt, das war keine gute Idee“, erklärte der Vatikan-Experte. Zu den ultrakonservativen Kardinälen gehört auch einer der drei deutschen Wahlberechtigten: Gerhard Ludwig Müller (77). Der ehemalige Bischof von Regensburg steht für eine Rückkehr zu alten Traditionen und äußerte sich besonders kritisch gegenüber China.
Der Journalist Andreas Englisch lebt seit fast 40 Jahren in Rom und war lange Zeit Korrespondent für deutsche Medienhäuser. Er begleitete die amtierenden Päpste und schrieb unter anderem eine Biografie über Papst Johannes Paul II. (1920-2005). Englisch ist überzeugt: „Die Taktik der Konservativen ist, einzelne Kandidaten des anderen Lagers zu stürzen. Trotzdem denke ich nicht, dass sie sich durchsetzen werden, weil sie zu wenige sind.“