Sie schaffte es nicht zu Franziskus‘ Beerdigung – das tragische Schicksal der Papst-Schwester
VonMarcus Giebel
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Papst Franziskus, das älteste von fünf Geschwistern, hatte nur noch eine lebende Schwester. Sie konnte jedoch nicht nach Rom reisen.
Vatikanstadt – Aus der ganzen Welt reisen die Gäste für die große Trauerfeier von Papst Franziskus an diesem Samstag auf dem Petersplatz an. Rund 200.000 Menschen werden zu der Veranstaltung erwartet, darunter Delegationen und Repräsentanten aus mehr als 150 Ländern. Auch viele wichtige Wegbegleiter des gestorbenen Kirchenoberhauptes waren dabei, teilweise nahmen sie bereits am traditionellen Ritus der Schließung des Sarges am Freitagabend teil.
Eine ganz wichtige Person im Leben von Jorge Mario Bergoglio – so lautet sein bürgerlicher Name – fehlte jedoch. Denn Maria Elena Bergoglio konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Rom reisen, wie das Schweizer Portal 20Minuten berichtet. Die 77-Jährige ist das letzte lebende der insgesamt fünf Geschwister und war das Nesthäkchen der Familie um Vater Mario und Mutter Regina.
Papst-Schwester fehlte bei Trauerfeier: „Hatten immer eine besondere Beziehung“
Die beiden Brüder Oscar Adrian und Alberto Horacio sowie Schwester Marta Regina starben teilweise bereits viele Jahre, bevor der älteste aus dem Quintett auf dem Heiligen Stuhl Platz nahm. Die jüngste Schwester hingegen war zu jener Zeit besonders gefragt. Anlässlich der Papst-Wahl im März 2013 gab sie der italienischen Zeitschrift Famiglia Cristiana ein Interview.
Standen sich immer nahe - auch in Zeiten räumlicher Trennung: Maria Elena Bergoglio trauert um ihren ältesten Bruder Jorge Mario, der als Papst Franziskus die katholische Kirche leitete. (Archivbild)
Darin erklärte sie: „Zu mir, der Jüngsten, hatte er schon immer eine besondere Beziehung. Nachdem unser Vater gestorben war, war er ein bisschen wie mein Vater.“ Schon damals war sie überzeugt, dass er sich auch im höchsten Kirchenamt besonders für die Armen einsetzen wird: „Nein, er wird die Armen nicht vergessen. Er wird niemanden vergessen. Ich kenne meinen Bruder.“
An das damalige Telefonat nach dem Konklave konnte sie sich noch lebhaft erinnern: „Es war ein Anruf voller Emotionen. Wir konnten kaum sprechen. Er sagte mir, er wolle Hallo sagen. Wir umarmten uns aus der Ferne. Langes Schweigen, so viel, so viel Emotion.“ Auch er selbst habe wohl nicht damit gerechnet, zum Papst gewählt zu werden: „Das glaube ich nicht. Er verließ sein Haus, als würde er jeden Moment zurückkehren.“
Familie von Papst Franziskus war arm: Schwester erinnert sich an frühen Tod des Vaters
Auch ein Reporter der italienischen Zeitung La Repubblica besuchte die Papst-Schwester damals. Die zweifache Mutter – ihren ersten Sohn hat sie nach ihrem Bruder Jorge benannt – verriet dabei, dass die Familie vor ihrer Geburt ein weiteres Kind verlor und ihr Vater an einem Herzinfarkt starb, als sie 13 Jahre alt war.
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„Aber bis dahin waren wir eine glückliche Familie“, betonte sie. An Sonntagen seien sie immer zusammen in die Kirche gegangen, danach habe es „endlose, wunderschöne Mittagessen mit fünf, sechs oder sogar sieben Gängen“ gegeben. Die Familie sei arm gewesen, aber ihre Mutter habe wundervoll gekocht – alles erlernt von Oma Rosa, die 1929 als Antifaschistin aus dem Piemont geflohen war.
Ihr Vater sei ein immer fröhlicher Mann gewesen, sei nie wütend geworden und habe auch nie zugeschlagen, was ein großer Unterschied zwischen den Familien italienischer Einwanderer und anderen Familien in Argentinien gewesen sei. Sogar ihr später zum Papst aufgestiegener Bruder habe aber „schreckliche Angst vor Papas Blicken“ gehabt, wenn sie zuvor Unfug angestellt hatten: „Manchmal hätte ich lieber hundert Peitschenhiebe einstecken wollen, als seinem vorwurfsvollen Blick ausgesetzt zu sein.“
Schwester über Papst Franziskus: „Hat mich unterstützt, als ich mich scheiden ließ“
Ihr berühmter Bruder habe sie an beide Elternteile erinnert. Er habe gut gekocht wie ihre Mutter und Opern und Musik geliebt wie ihr Vater. Edith Piaf habe er gerne gehört. Und wie das seines Vaters schlug sein Herz für den Fußballverein San Lorenzo. Auch habe er selbst leidenschaftlich Fußball gespielt. Was sie vor allem bewundert: „Ich kann mich wirklich nicht daran erinnern, dass er Papa oder Mama jemals verärgert hätte.“
Familie von Papst Franziskus (Jorge Mario Bergoglio)
José Mario Francisco Bergoglio (Vater)
Regina Maria Sivori (Mutter)
Óscar Adrián Bergoglio (Bruder)
Marta Regina Bergoglio (Schwester)
Alberto Horacio Bergoglio (Bruder)
María Elena Bergoglio (Schwester)
Während es für ihre Mutter schwer gewesen wäre, ihren Sohn an die Kirche zu verlieren und kaum noch zu sehen, habe die Entscheidung des späteren Papstes ihren Vater glücklich gemacht: „Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätten seine Kinder alle Priester oder Nonne werden sollen.“ Als er beschloss, dem Priesterseminar beizutreten, habe ihr Bruder laut seinen Angaben gerade eine Freundin gehabt. Doch er entschied sich für die Kirche.
Seine Schwester war schließlich hin- und hergerissen, als er das höchste Amt der Katholischen Kirche antrat. „Jetzt verliere ich ihn wieder. Er, der immer da war. Sogar, als ich mich von meinem Mann scheiden ließ, hat er mich unterstützt und mir geholfen“, dachte sie zurück: „Ich kann immer noch nicht glauben, dass er Papst geworden ist. Als er nach Rom abreiste, verabschiedeten wir uns wie immer.“
Papst-Schwester trauert um Franziskus: Geplante Reise nach Rom war nicht möglich
Und sie versicherte: „Ich weiß, wenn ich ihn treffe, werden wir uns wortlos umarmen. Ohne eine Szene zu machen, insbesondere in der Öffentlichkeit. Denn wir sind Norditaliener: Die Gefühle sind tief, aber sie bleiben im Inneren.“
Doch zu der geplanten Reise kam es zu Franziskus‘ Lebzeiten nicht mehr. Unter anderem musste sich die Schwester von einem Schlaganfall erholen. Damals habe er sie jeden Tag angerufen, bis sie sich erholt hatte, verriet sie laut Il Messaggero.
Der Kontakt blieb seither bestehen, wenn auch über große Entfernung. Auch den Abschied für immer muss Maria Elena Bergoglio nun aus der argentinischen Heimat begehen. (mg)