- VonCarmen Mörwaldschließen
Massentourismus ist nicht nur in Venedig ein Problem. Daher ist nicht auszuschließen, dass andere Urlaubsziele die Einführung der Gebühr als Vorbild nehmen.
Venedig – Viele beliebte Urlaubsziele kämpfen mit den Folgen von Massentourismus, darunter Venedig in Italien. Aus diesem Grund wird von Tagesbesuchern der Lagunenstadt seit Donnerstag (25. April) Eintritt verlangt. Obwohl diese Maßnahme schon länger geplant war, war der Auftakt holprig: Während Touristen herumirrten, protestierten Einheimische gegen die neue Gebühr von fünf Euro. Sie kritisierten, dass dies der falsche Ansatz sei und es in Venedig eher an Wohnraum mangele.
Trotz aller Widrigkeiten werteten die Verantwortlichen der Stadt um Bürgermeister Brugnaro den Start der Touri-Gebühr als Erfolg – zumal Venedig somit nicht als gefährdetes Welterbe eingestuft wird. Zuvor hatte die Unesco damit gedroht, weil die italienische Stadt ihrer Meinung nach „unzureichende Schutzmaßnahmen“ mit Blick auf den Massentourismus getroffen hat. Demnach müsste bald auch eine Adria-Perle in Kroatien Eintritt von Touristen und Besuchern verlangen.
1,2 Millionen Besucher in 2023: Adria-Perle könnte wie Venedig Eintritt verlangen
Nachdem die mittelalterliche Festungsstadt Drehort für die Erfolgsserie „Game of Thrones“ wurde, kann sie sich vor den Touristenströmen kaum noch retten. Gemeint ist Dubrovnik an der kroatischen Adriaküste. Im Jahr 2019 besuchten rund 1,4 Millionen Menschen das Urlaubsziel – der bisher ungeschlagene Rekord. Seither dürfen pro Tag nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe mit jeweils maximal 4000 Passagieren anlegen. Trotzdem reisten 2023 etwa 1,2 Millionen Besucher zu der Stadt.
Im Zuge der Einführung der Gebühr in Venedig fragte eine Reporterin des kroatischen Senders Dnevnik Nova TV die Touristen in Dubrovnik, was sie von einer solchen Maßnahme vor Ort halten würden. „Dubrovnik ist wunderschön. Ich denke, die Leute würden fünf Euro für einen Besuch bezahlen“, so zwei Besucher aus Polen. Tourismusmitarbeiter Nikša Baničević ist jedoch der Meinung, dass es andere Möglichkeiten gebe, den Tourismus einzuschränken. „Das sollten die Venezianer auch wissen.“
Vorbild Venedig: Eintritt für die Adria-Perle wohl eher unwahrscheinlich
Nach Angaben des kroatischen Senders wolle die Stadtverwaltung von der Einführung von Eintrittsgeldern nichts wissen. Demnach würden auch sie andere Möglichkeiten vorziehen. Der Bürgermeister von Dubrovnik, Mato Franković, meinte, dass diese Maßnahme eine Art Webshop erfordere und jeder, der die historische Altstadt besuchen möchte, das Ticket im Voraus über die Agentur buchen müsse. In Venedig handelt es sich um einen QR-Code, der von Kontrolleuren gescannt wird.
Zum Vergleich: Die Lagunenstadt ist mit ihren 260.000 Einwohnern fast dreimal so groß wie Dubrovnik mit knapp 43.000 Einwohnern. Venedig haben im Jahr 2023 rund 20 Millionen Menschen besucht – das ist fast das 20-fache der Besucher in der kroatischen Stadt. (cln)
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