„Sag das auf keinen Fall“

Personalerin verrät, welchen Satz Kandidaten im Bewerbungsgespräch vermeiden sollten

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Kandidaten sollten im Bewerbungsgespräch bestimmte Aussagen vermeiden, wenn sie einen professionellen Eindruck hinterlassen wollen.

In vielen Bewerbungsgesprächen gibt es ein paar typische Sätze und Fragen, mit denen Job-Suchende rechnen. „Was sind ihre größten Stärken und Schwächen?“, oder „Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?“ sind zwei Klassiker. Da das Vorstellungsgespräch für viele Kandidatinnen und Kandidaten ohnehin einer der aufregendsten Schritte im Bewerbungsprozess ist, haben sie sich für die meistgestellten Fragen bereits Antworten zurechtgelegt: eine Schwäche, die authentisch ist, aber nicht für die Stelle disqualifiziert. Bessere Fähigkeiten und Freude am Job in fünf Jahren. Ein HR-Profi verrät, auf welche Frage es im Vorstellungsgespräch besonders ankommt – und was Bewerbende niemals darauf antworten sollten.

Eine weit verbreitete Frage im Vorstellungsgespräch ist: „Wieso wollen Sie hier arbeiten?“ Dabei sei es entscheidend, die Motivation klar zu formulieren. „Im Vorstellungsgespräch ist es wichtig, eine Hinzu-Motivation zu formulieren – nicht die Weg-von-Motivation“, sagt Nicole Vanessa Schulte BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Sie ist ehemalige HR-Managerin und arbeitet als Karrierecoach. Wenn der Bewerber den Arbeitgeber wechseln will, sollte er sich fragen: „Was will ich stattdessen? Was brauche ich stattdessen?“ Das gelte besonders, wenn Kandidaten nur eine kurze Zeit bei ihrem früheren Arbeitgeber tätig waren. Die richtige Wortwahl „macht in der Wahrnehmung einen großen Unterschied.“

HR-Expertin: Die Weg-von-Motivation sollten Bewerber nicht sagen

Selbst wenn der Jobwechsel aufgrund von Mobbing oder schwierigen Vorgesetzten erfolgt, sollten Bewerber vermeiden, den ehemaligen Arbeitgeber schlecht darzustellen, „egal ob Führungskräfte, Personalverantwortliche oder Kollegen.“ Eine gut begründete Bewerbung werde als reflektiert und zielorientiert wahrgenommen. „Wenn ich sage: ‚Ich bin da geflüchtet, weil es so schlimm war‘, klingt das anders, als wenn ich sage: ‚Ich bin zu der Entscheidung gekommen, dass ich dieses und jenes brauche – davon wünsche ich mir mehr‘“, erklärt Schulte.

Auch wenn man sein aktuelles Unternehmen dringend verlassen möchte, sollte man im Job Interview nicht über seinen Chef herziehen. (Symbolbild)

Auch auf Social-Media-Plattformen wie TikTok suchen Menschen nach Bewerbungstipps. „Wenn du im Bewerbungsgespräch gefragt wirst, was dich motiviert, und das einzige, was dich motiviert, das Gehalt ist, dann sag‘ das auf keinen Fall“, erklärt die Creatorin Sladjana (@sladjji) in einem Video. Stattdessen sollten Bewerber antworten: „Mich motiviert es, zum Erfolg des Unternehmens oder Projekts beizutragen. Mich motiviert positive Rückmeldung oder konstruktive Kritik. Mich motiviert die Möglichkeit, mich ständig weiterzuentwickeln und neue Herausforderungen anzunehmen.“

Expertin: Gehalt ist nicht die entscheidende Motivation

In den Kommentaren unter dem Video zeigt sich die Frustration vieler Job-Suchender: „Wieso kann man nicht einfach ehrlich sein? Warum möchte man, dass der Bewerber lügt?“, heißt es von einer Nutzerin. Ein anderer schreibt: „Wir gehen arbeiten, um Geld zu verdienen. Solange mein Gehalt pünktlich kommt, ist der Rest egal.“

Dass alles außer dem Gehalt egal ist, dem widerspricht allerdings Dr. Anja Lüthy, BWL-Professorin an der TH Brandenburg: Das Gehalt sei zwar wichtig und auch eine extrinsische Motivation, doch der Mensch müsse intrinsisch motiviert sein, um zufrieden mit seiner Arbeit zu sein. „Menschen gehen arbeiten, weil sie dort Verantwortung haben, die Aufgaben ihnen Spaß machen, sie ein gutes Verhältnis zu ihren Kollegen haben, eine tolle Führungskraft oder Karrieremöglichkeiten“, sagt Lüthy BuzzFeed News Deutschland.

Menschen würden nicht nur wegen des Gehalts arbeiten gehen, betont die Expertin. Es müsse aber durchaus einen bestimmten Betrag geben, damit Menschen mit ihrem Lohn zufrieden sind. Statt im Bewerbungsgespräch nur das Wunschgehalt zu nennen, lohnt es sich, über die eigenen Ziele, Entwicklungsmöglichkeiten und vor allem die Hinzu-Motivation zu sprechen – das kommt bei Personalern positiv an.

Rubriklistenbild: © PhotoAlto/Imago

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