Nach Tausenden Beben mürbe

Italien: Supervulkan sorgt für Einsturzgefahr an legendärem Fußball-Stadion des amtierenden Meisters

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Das ehrwürdige Maradona-Stadion hat einen Erdbebenschaden erlitten.
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Der Supervulkan der Phlegräischen Felder bebt seit Monaten fast am laufenden Band. Jetzt hat das Maradona-Stadion in Neapel statische Schäden erlitten. Es gibt eine Sperre.

Neapel/Pozzuoli – Der Supervulkan in der Caldera der Phlegräischen Felder im Süden Italiens sorgt in der Hafenstadt Pozzuoli und im Westen Neapels weiter für Unruhe. Am Montag (13. Mai) wurden die Bewohner der roten Zone früh um halb vier von einem Erdstoß der Stärke 2,9 aus dem Schlaf gerissen. Schon am Freitag erschütterten zwei unmittelbar aufeinander folgende Beben der Stärke 3,6 und 3,7 die Menschen. Am Samstag (11. Mai) war es relativ ruhig, dafür gab es am Sonntag drei Stöße 1,5 und 1,7. Wieder wurden die Beben von einem Donnerhall begleitet.

Die Beben in der Caldera des Supervulkans nagen überall an der Bausubstanz

Derzeit überprüfen Statiker alle Gebäude innerhalb der roten Zone, in der eine halbe Million Menschen leben. Denn nach tausenden Erdstößen besteht die Gefahr von Materialermüdung. Ein erstes und dann auch noch gleich prominentes Opfer gibt es schon: Das Fußballstadion des SSC Neapel – das ab 1948 errichtete und immer wieder umgebaute „Stadio Diego Armando Maradona“, das Allerheiligste der Neapolitaner Fußballfans. Es ist benannt nach dem ehemaligen argentinischen Torjäger, der in 259 Spielen für den SSC Neapel 115 Mal das Netz traf und 29 Vorlagen lieferte.

@ilmattino.it Le continue scosse degli ultimi mesi sembrano aver fatto pochi danni nell’area flegrea, ma la prima «vittima» arriva. Ed è pure illustre. Controlli continui allo Stadio Maradona e alla sua Curva B in particolare per le conseguenze del #bradisismo. 🏟️ #IlMattino #campiflegrei #terremoto #napoli ♬ suono originale - Il Mattino

Mitte April hat ein Erdstoß der Stärke 3,7 die Phlegräischen Felder erschüttert. In Neapel wurde dabei das Stadion beschädigt, das im Stadtteil Fuorigrotta bereits innerhalb der roten Zone des Supervulkans liegt. Bei Torjubel hatten Experten schon mal bei einer Messung Erschütterungen gemessen, die einem Erdbeben der Magnitude Zwei entsprechen. Ein echtes Beben der Stärke 3,7 war dem Stadion dann doch zu viel.

Eine statische Überprüfung nach dem Spiel gegen Frosinione Calcio ergab einem städtischen Schreiben zufolge, das die Seite calcioefinanza.it zitiert: „Nach dem Fußballspiel fand eine technische Kontrolle unter Berücksichtigung der seismischen Ereignisse statt, die in dem Gebiet, in dem das Stadion liegt, in den Tagen vor dem Spiel stattfanden. Die Techniker stellten einige kritische Probleme an den Tribünen des unteren Stadionrings und insbesondere im Sektor B4 der Kurve B fest“.

Die Profis des amtierenden Fußballmeisters spielen vor leerer Tribüne

Die Schäden seien „zweifellos auf die im Phlegräischen Gebiet stattfindende Bradyseismos-Aktivität zurückzuführen“, heißt es weiter. Unter Letzterem verstehen die Fachleute die von Erdbeben begleitete Hebung des gesamten Areals des Supervulkans, die derzeit 1,25 Meter seit November 2005 beträgt. Nach einer Demontage des oberen Teils der Stufen der Tribüne stellten die Techniker fest, dass ein Teil des Fertigbauelements, auf dem die Stufen aufliegen, gerissen war.

Victor Osimhen vom SSC Napoli bejubelte am 28. April sein Tor gegen den AS Rom vor einer leeren Tribüne.

Die Stadtverwaltung weitete die baulichen Kontrollen auf den Rest des Stadions aus. Ein auf technische Kontrollen spezialisiertes Unternehmen wurde beauftragt, Belastungstests in jedem anderen Abschnitt des Stadions durchzuführen. Spezielle Messgeräte sollen dabei jedes mögliche statische Problem erkennen. „Am Ende dieser Tests gab es einen Seufzer der Erleichterung“, heißt es bei Il Mattino: Denn der Rest des Stadions bereite keine Probleme.

Das legendäre Stadion muss jetzt für viel Geld saniert werden

Es wurden Sanierungsarbeiten im Gesamtwert von 113.000 Euro beschlossen. Die B-Kurve bleibt vorerst gesperrt, 45 Arbeitstage wurden für die Sanierung angesetzt, die am 22. April begann. Das wird sich aber wohl nicht halten lassen. Es scheint Schwierigkeiten zu geben, Materialien für die Restaurierung der Stufen zu beschaffen. Dabei handelt es sich um vorgefertigte Bauteile, die auf den Umbau für die Fußballweltmeisterschaft in Italien 1990 zurückgehen. Laut calcioefinanza.it wird das Stadion bis zum Ende der Fußballsaison nicht mehr wiederhergestellt. Die ist für die Azzurri, die derzeit noch amtierender Meister sind, ohnehin verkorkst. Am 12. Mai lagen sie auf Platz acht, nachdem sie am 11. Mai zu Hause gegen Bologna verloren hatten.

Neubau näher an potentiellen Ausbruchszentren geplant

Um das Stadion des SSC Neapel gibt es ohnehin schon heftige Kontroversen, da der Vereinspräsident Aurelio De Laurentiis einen Neubau noch näher an den Epizentren der Erdbeben und an den potenziellen Kratern eines möglichen Ausbruchs im Supervulkan bauen will. Schon das bestehende Stadion steht im Falle einer Eruption im gefährdeten Bereich, wie eine Simulation des Wissenschaftskanals Geopop zeigte.

Das Geopop-Video zeigt, wie das Maradona-Stadion von einer 500 Grad heißen Wolke verschluckt wird.

Derzeit machen sich viele Menschen in der Region Sorgen, dass der Supervulkan demnächst ausbrechen könnte. Die Behörden wiederholen gebetsmühlenhaft, dass es keine Signale für eine bevorstehende Eruption gibt. Doch die Wissenschaftler sind sich nicht einig, einige halten einen Ausbruch ohne Vorwarnung für jederzeit möglich.

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