Kolumne von Meteorologe Dominik Jung

Wetterdienst mit Unwetter-Alarm für Urlaubsregion – Tiefs treffen Mittelmeerraum mit voller Wucht

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Überschwemmungen, Dauerregen, instabiles Wetter: Der Mittelmeerraum erlebt eine Wetterblockade. Was dahinter steckt. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

München – Wie die Daten vom Wetterdienst wetter.net zeigen, stehen Norditalien, Teile Südfrankreichs und große Gebiete der Iberischen Halbinsel erneut vor intensiven Regenereignissen. Allein in Nord- und Mittelitalien könnten in den nächsten sieben bis zehn Tagen bis zu 240 Liter Regen pro Quadratmeter fallen – das entspricht mehr als einem Monatsniederschlag.

Erst kürzlich hatten sintflutartige Regenfälle dort zu Überschwemmungen geführt. Nun droht erneut Hochwasser. Besonders auffällig: Das Wetter scheint sich regelrecht festgefahren zu haben. Die Menschen in den betroffenen Regionen fragen sich zu Recht, ob es überhaupt noch einmal aufhören wird.

Allein bis Sonntag (11. Mai) kommen in Norditalien große Regenmengen vom Himmel. Es kommt lokal zu Überschwemmungen.

Wetter.net warnt: Extreme Regenmengen und kein Ende in Sicht – Warum das Wetter so festhängt

Meteorologisch betrachtet handelt es sich derzeit um eine sogenannte Blockadewetterlage. Ein stabiles Hochdruckgebiet liegt über West- und Mitteleuropa und bewegt sich seit Wochen kaum von der Stelle bzw. wird immer von neuen Hochs abgelöst. Dadurch wird die Zugbahn der Tiefdruckgebiete nach Süden abgedrängt.

Die Folge: Statt wie üblich über Mitteleuropa hinwegzuziehen, treffen die Tiefs mit voller Wucht den Mittelmeerraum. Die warme, feuchte Luft aus dem Mittelmeer verstärkt dabei die Niederschläge zusätzlich – mit teils katastrophalen Folgen. Solche Blockaden können sich über Wochen halten, was für die betroffenen Regionen Dauerregen, Überschwemmungen und enorme Schäden bedeutet.

Kippt das Wetter? Der mögliche Einfluss des Klimawandels

Ist das noch normales Wetter oder bereits ein Symptom des Klimawandels? Die Forschung ist sich in einem Punkt weitgehend einig: Durch die Erderwärmung wird das atmosphärische Strömungsmuster anfälliger für Blockaden. Der Jetstream – ein Starkwindband in großer Höhe – schwächt sich ab, wird träger und schlängelt sich mehr. Das begünstigt festhängende Wetterlagen.

Gleichzeitig enthält wärmere Luft mehr Feuchtigkeit – was Niederschläge intensiver macht. Die derzeitige Situation könnte also tatsächlich ein Vorgeschmack auf künftige Wetterextreme sein. Klar ist: Solche Ausnahmelagen werden häufiger, langanhaltender und gefährlicher.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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