Griechenland-Urlaub

Beim Blick aus dem Flugzeugfenster sind Rhodos-Urlauber ganz still – „Wo fliege ich da nur hin?“

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Beim Landeanflug auf die Insel Rhodos, konnten Urlauber die Rauchwolken des großflächigen Waldbrandes sehen.
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Trotz der Waldbrände reisen hunderte Touristen täglich weiter auf die griechische Insel Rhodos. Viele offenbar mit einem mulmigen Gefühl.

Rhodos – Die griechische Urlaubsinsel Rhodos brennt. Tausende Einheimische und Touristen wurden am Montag vor den Flammen gerettet – es war die laut Behördenangaben „größte Evakuierungsaktion aller Zeiten“ in Griechenland. Dennoch reisen Urlauber weiterhin auf die Insel, um sich dort zu erholen. Bei einem Landeanflug am Dienstag (25. Juli) hinterließ der Blick auf die Brände aus der Luft bei den Reisenden offenbar einen nachhaltigen Eindruck.

Waldbrände in Griechenland: Einige Rhodos-Urlauber offenbar bereits bei Abflug skeptisch

Nicht ganz Rhodos brennt, vielerorts genießen Touristen fernab der Brände völlig normal ihren Urlaub. Im griechischen Örtchen Lindos beispielsweise sei die Lage sicher, meint der Einheimische Tsabíkos gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). „Die Stadt kann gar nicht brennen, weil rundherum Felsen sind. Überhaupt ist nur der Südosten der Insel betroffen, der Rest ist völlig sicher, man kriegt von den Bränden gar nichts mit“, so der Anwohner. Es sei, als würde man die Menschen warnen, nicht nach Stuttgart zu fahren, weil es im 50 Kilometer entfernten Heilbronn brennt.

Zahlreiche Flugreisende, die am Dienstag am Gate des Ryanair-Flugs FR6435 von Weeze nach Rhodos warteten, waren kurz vor dem Abflug dennoch skeptisch, wie Focus Online berichtet. „Wo fliege ich da nur hin?“, fragte sich etwa eine junge Frau dem Bericht zufolge. Ihr sei versichert worden, dass die Brände 50 Kilometer von ihrem Hotel entfernt seien, so ihre Erklärung, weshalb sie die Reise trotz Bedenken antrat. Nur rund die Hälfte der ursprünglich gebuchten 190 Passagiere fanden sich am Dienstag tatsächlich am Abfluggate ein. Der am Flug teilnehmende Focus Online-Reporter kommentiert die Stimmung an Board und auch auf dem Weg zum Flieger als ungewöhnlich still. Das ansonsten übliche Geschrei oder Gelächter bei Flügen in den Urlaub habe gefehlt, so der Redakteur.

„Totenstill“ bei Landeanflug auf Rhodos: Rauchwolken aus dem Flugzeugfenster sichtbar

Ruhig sei es insbesondere während des Landeanflugs gewesen, so der Bericht weiter. Aufgrund der starken Rauchentwicklung über der etwa zur Hälfe brennenden Insel habe der Pilot eine große Schleife gedreht. Diese Flugbahn habe zunächst den Passagieren auf der einen Seite des Flugzeugs den Blick auf die Brände gewährt, dann jenen Menschen auf der anderen Seite. Alle hätten gebannt die kilometerbreite Feuerfront betrachtet, heißt es – und es sei totenstill im Flieger gewesen.

Die Billigfluglinie Ryanair bot Passagieren offenbar eine kostenlose Umbuchung für Flüge an, die vom 25. bis 27. Juli nach Rhodos gehen sollten. Das Kuriose: Diese Information erhielt der Redakteur eigenen Angaben zufolge erst per E-Mail, als das Flugzeug bereits in der Luft war. Doch andere Passagiere hatte es zuvor schlimmer getroffen. Sie waren noch am Dienstag von ihrem Reiseveranstalter auf die Urlaubsinsel geflogen worden, obwohl ihr gebuchtes Hotel in den Flammen verbrannt war. Die Betroffenen seien dann in Notunterkünften untergebracht worden oder hätten sich Mietwägen gebucht, um am Flughafenparkplatz darin zu schlafen, teile eine Angestellte am Mietwagenschalter Focus Online mit.

Indes melden die Einsatzkräfte aus Griechenland leichte Entspannung. Die Brände seien unter Kontrolle, hieß es am Mittwoch gegen Mittag. Allerdings bleibe die Brandgefahr wegen der extremen Hitze von bis zu 47 Grad hoch. Zudem würden am Donnerstag starke Winde erwartet, so Wetter-Experten, was zu einer erneuten Erschwerung der Lage führen könnte (bme/dpa).

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