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- Carmen Mörwald
Moritz Bletzinger
Julian Mayr
Auf die hohen Temperaturen folgen derzeit in den Alpen heftige Unwetter. In Italien verwandelte sich ein Fluss in einen reißenden Strom und forderte ein Todesopfer.
Update vom 1. Juli, 18.45 Uhr: „Wir in Gschnitz sind es gewohnt, mit Naturereignissen umzugehen“, sagt der ehemalige Bürgermeister der kleinen Tiroler Ortschaft, Christian Felder, in einem Interview mit der Kronen Zeitung. Von Lawinenabgängen bis Geröllmassen im Dorf, Gschnitz habe schon viel erlebt. Doch was dem Dorf nach den schweren Unwettern am Montag (30. Juni) widerfahren ist, sei präzedenzlos. Einzig Schutzbauten hätten verhindert, dass es womöglich „gar keine Häuser mehr“ gebe.
Von den Geröllmassen fast vollständig zerstört wurde jedoch das Freilichtmuseum Mühlendorf. „Ich weiß nicht, wie ich das verkrafte, man hat 19 Jahre seiner Freizeit dort hineingesteckt. Es ist unbegreiflich. Trotzdem sind wir froh, dass keinem Menschen was passiert ist“, zeigt sich Felder sichtlich emotional. Er appelliert an viele freiwillige Helfer, beim Aufräumen des Schutts zu helfen. Die Bauten des Mühlendorfs dürften laut Felder aber wohl „für immer und ewig vernichtet“ sein.
Update vom 1. Juli, 12.10 Uhr: Verheerender sind die Szenen nach dem Unwetter im Tiroler Gschnitz. Hier waren Bewohner per Helikopter evakuiert worden, brutale Wassermassen schossen durch den Ort (siehe Update vom 30. Juni, 23.04 Uhr).
„Es war wie bei einem Weltuntergang. Wolkenbruch, Starkregen, Hagel“, schildert ein Augenzeuge der Krone. „Plötzlich kam ganz viel Geröll und Schlamm herunter. Im Mühlendorf wurde ein neues, zwei drei Jahre altes Haus mitgerissen. Es ist einfach schlimm!“ Jetzt laufen die Aufräumarbeiten.
Unwetter verwüstet Alpen-Orte – Bilder zeigen katastrophales Ausmaß




Update vom 1. Juli, 11.50 Uhr: Das schwer getroffene Touristendorf Bardonecchia macht nach der Flut die ersten Schritte zurück zur Normalität. Die Betroffenen, die in der Sporthalle untergebracht waren (siehe Update vom 1. Juli, 5.04 Uhr), können wieder in ihre Häuser zurückehren, berichten italienische Medien. Die Autobahnkreuze der A32 sind wieder geöffnet und der Regionalbahnverkehr läuft normal. Nur die Landstraße bleibt vorerst noch gesperrt.
Update vom 1. Juli, 11 Uhr: Nach Berichten von oe24 war in Österreich auch der Bereich der Pfarrkirche Maria Schnee in der auf rund 1240 Metern Seehöhe gelegenen Gemeinde Gschnitz von dem Alpen-Unwetter betroffen. Von dort bis weiter ins Talinnere nach Mühlendorf gingen demnach sechs Muren mit Geröll- und Gesteinsmassen ab. Zwei seien besonders fatal ausgefallen, erklärte Einsatzleiter Lukas Braunhofer. Dies führte dazu, dass etwa der hintere Bereich der Kirche stark vermurt wurde. Die dort bis nach Mühlendorf verlaufende Gschnitztalstraße (L 10) wurde verlegt. Auch eine Fahrradbrücke wurde zerstört. Verletzt wurde niemand.
In der Schweiz musste die Feuerwehr laut blick.ch wegen Gewitterschäden in Raron und Naters anrücken, so eine Polizeisprecherin gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Nach Informationen des Nachrichtenportals Pomona.ch verschüttete zudem ein Murgang die Kantonsstraße durch das Saastal in Eisten teilweise. Der Abschnitt zwischen Stalden und Saas-Balen wurde vorübergehend gesperrt. Bislang ist unklar, ob es in vor Ort Verletzte gibt.
Update vom 1. Juli, 10.12 Uhr: Die Unwetter haben sich Rai News zufolge auf weitere Teile Norditaliens ausgeweitet. In der Provinz Sondrio (Lombardei) mussten 50 Personen aus den Ortsteilen Tola und Aquilone evakuiert werden, nachdem Erdrutsche und Überschwemmungen das Tal Valtellina getroffen hatten. Über 50 Feuerwehrleute mit 24 Fahrzeugen sind im Einsatz, verstärkt durch Rettungskräfte aus den Provinzen Lecco, Como, Brescia und Bergamo. Mehrere Erdrutsche haben die lokale Verkehrsinfrastruktur unterbrochen und Wohn- sowie Geschäftsgebäude beschädigt.
Zwischen Cortina d‘Ampezzo und San Vito di Cadore ist die Staatsstraße SS51 wegen eines Erdrutsches gesperrt. Neue Felsstürze von der Croda Marcora wurden nach einem weiteren Gewitter gemeldet, während die Wetterstation am Passo Duran mit 100 Millimetern den Tagesniederschlagsrekord der Region verzeichnete. In der Region Piemont waren die Feuerwehren stundenlang im Einsatz: In Bardonecchia wurden zehn Personen aus einem Gebäude und vier weitere aus zwei vom Wasser erfassten Autos gerettet. 20 Personen saßen wegen eines Erdrutsches auf der Staatsstraße zwischen Frankreich und Italien (Colle della Maddalena) in ihren Fahrzeugen fest.
Laut Rai News ist nicht geplant, die durch Erdrutsche verschüttete Straße in Cogne bald wieder zu öffnen. Die Regionalstraße, die das Gebiet des Gran Paradiso mit dem Tal verbindet, wurde durch die schweren Erdrutsche am Montagabend (30. Juni) schwer beschädigt.
Update vom 1. Juli, 5.04 Uhr: Im Touristenort Bardonecchia, wo ein Mann ums Leben gekommen war (siehe Update vom 30. Juni, 22.49 Uhr), wurden 150 Kinder, aus Sommerlagern evakuiert, in denen sie ihre Ferien verbrachten. Die Kinder kommen laut der Nachrichtenagentur Ansa in der Sporthalle unter. Überschwemmungen blockieren die Straßen zum Feriendorf außerdem in beide Richtungen. Die Autobahn A32 nach Turin und die Staatsstraße stehen unter Wasser.
Auch der Ort Cogne ist nach den heftigen Unwettern von der Außenwelt abgeschnitten. Gleich drei Erdrutsche haben hier Straßen verlegt. Eine Wiedereröffnung wird erst im Laufe des Dienstags erwartet.
Update vom 30. Juni, 23.04 Uhr: Auch in Österreich spitzt sich die Unwetter-Lage zu. Am Montagnachmittag kam es im Innsbrucker-Land zu mehreren Murenabgängen und Hangrutschen, wie oe24 berichtet. Am Abend wurden die Bewohner eines Weilers im Bereich Mühlendorf demnach mit einem Hubschrauber ausgeflogen. Es drohen Überflutungen durch den Sandersbach sowie Muren. Sicherheitshalber habe man alle Personen evakuiert, die dies wollten, heißt es. Alle weiteren Bewohner seien gebeten worden ihre Häuser nicht zu verlassen und die oberen Stockwerke aufzusuchen.
Update vom 30. Juni, 22.49 Uhr: Nach der Überschwemmung des Flusses Frejus bei Bardonecchia wurde entlang des Flusslaufs eine rote Zone eingerichtet, die nicht zugänglich ist. Die Verordnung wurde von der Bürgermeisterin der Turiner Gemeinde, Chiara Rossetti, unterzeichnet. Das berichtet Rai News. Im Zuge der Montagnachmittag einsetzenden Unwetter wuchs der Fluss binnen kurzer Zeit zum reißenden Strom. Ein Mann fiel den Fluten zum Opfer.
Während die piemontesische Ortschaft weitestgehend isoliert ist, hat sich die Situation im ebenfalls von heftigen Regenfällen betroffenen Wipptal in Südtirol etwas beruhigt. Die kurzzeitig gesperrte Straße Richtung Ridnaun konnte wieder geöffnet werden, berichtet Rai News.
Erstmeldung vom 30. Juni, 20.30 Uhr: Bardonecchio - Die hochsommerliche Hitze in Europa gipfelt derzeit in heftigen Unwettern in den Alpen. Im Norden und Nordwesten Italiens sowie Teilen der Schweiz kommt es zu schweren Gewittern. Besonders dramatisch zeichnet sich die Wetter-Lage im Piemont.
Fast genau zwei Jahre nach der verheerenden Flut von 2023 hat es die bekannte Ortschaft Bardonecchia (Turin) erneut erwischt. Sintflutartige Regenfälle am Montagnachmittag (30. Juni) den Rio Frejus in einen tosenden Strom verwandelt, heißt es seitens RaiNews. Der Bach trat über die Ufer und verwandelte die Straßen des beliebten Urlaubsortes in der Region Piemont in reißende Flüsse aus Schlamm und Geröll.
Heftige Unwetter in Italien: Mann wird von reißendem Strom getötet
Ein 50-jähriger Mann wurde von den reißenden Wassermassen des Flusses in den Tod gerissen, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet. Die Polizei fand seinen Leichnam demnach im Rio Merdovine, etwa 400 Meter von seinem Fahrzeug entfernt. Offenbar hatte der Mann versucht, sich aus seinem Fahrzeug zu retten, wurde dann aber von der Gewalt der Wassermassen mitgerissen. Die genauen Umstände werden noch untersucht. Videoaufnahmen eines Lokalmediums zeigen den tosenden Strom.
Wie Sky TG24 berichtet, mussten zehn Personen aus einem Gebäude evakuiert und vier weitere aus ihren Fahrzeugen gerettet werden. Bürgermeisterin Chiara Rossetti hat alle Einwohner und Touristen angewiesen, die „Häuser unter keinen Umständen“ zu verlassen. Der Zug- und Autoverkehr in die Ortschaft wurde unterbrochen. Im Sportzentrum der Gemeinde wurde ein Notaufnahmelager eingerichtet. Mehr als 150 Kinder aus Sommercamps wurden dorthin in Sicherheit gebracht. Der Wetterdienst ilmeteo.it warnt, dass sich die Unwetter im Verlauf des Abends auch auf andere Alpenregionen ausbreiten dürften.
Murenabgänge in der Schweiz und in Südtirol
In der benachbarten Schweiz kam es infolge von heftigen Unwettern ebenfalls bereits zu Schlammlawinen. Ein Murgang hat am Montagabend die Gemeinde St. Niklaus im Kanton Wallis erfasst. Wie ein Leser dem Portal blick.ch mitteilt, sei der Murgang plötzlich passiert: „Hier war man schon überrascht. Soweit ich weiß, kam es unerwartet.“ Bereits im April wurde der Kanton von schweren Unwettern heimgesucht.
„Bleiben Sie zu Hause und befolgend Sie die Anweisungen der Behörden. Der Gemeindeführungsstab und die Feuerwehr sind im Einsatz“, informiert die Gemeinde auf ihrer Website. Aufgrund von Murenabgängen mussten auch Bahnstrecken der Matterhorn Gotthard Bahn gesperrt werden, die der Schienenbetreiber auf X informiert.
Von heftigen Unwettern heimgesucht wird auch das Südtiroler Wipptal. 13 von 15 Feuerwehren sowie die Bergrettung seien laut Informationen von Rai Südtirol derzeit im Einsatz. Laut dem Meteorologen Dieter Peterlin fielen binnen 30 Minuten 43 Millimeter Regen über der Stadt Sterzing, ein neuer Stationsrekord. Wie stol.it berichtet, musste die Landesstraße nach Ridnaun nach einem Murenabgang gesperrt werden. Erst im Juni wurde eine Ortschaft in Südtirol nach Unwettern isoliert. (jm)
Rubriklistenbild: © Feuerwehr Flugdienst IBK-Land




