Er wollte Rentnerin retten

Deutscher (32) stirbt bei Italien-Unwetter: Augenzeuge mit erschreckenden Details – „Ich hörte die Schreie“

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  • Kilian Bäuml
    Kilian Bäuml
  • Bjarne Kommnick
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Nach schweren Unwettern in Italien wurden zwei Menschen verschüttet. Darunter ein 32-jähriger Deutscher, der schon in Sicherheit war. Nun gibt es traurige Gewissheit.

Update vom 18. November, 12.54 Uhr: Bei dem schweren Unwetter im Norden Italiens sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Infolge eines Erdrutsches starben ein 32-jähriger Deutscher und eine 83-jährige Frau. „Es war 5 Uhr morgens, und ich hörte die rollenden Steine ​​und das unverkennbare Geräusch von Bäumen, die aus dem Boden gerissen wurden“, erzählte ein Augenzeuge den Zeitungen der Nem-Gruppe.

„Ich hörte die Schreie meines Nachbarn.“ Das Haus der 83-Jährigen sei teils schon verschüttet gewesen. Die beiden Männer versuchen die Nachbarin zu retten, allerdings trafen in diesem Moment weitere Geröllmassen das Haus. „Mein Bein war gebrochen, und ich konnte mich nicht bewegen. Ich verlor viel Blut“, so der Augenzeuge. Der 35-Jährige überlebte das Unglück. Für die anderen beiden kam jede Hilfe zu spät.

Update vom 18. November, 5:34 Uhr: Nach den schweren Unwettern im Nordosten Italiens herrscht nun traurige Gewissheit. Wie die Feuerwehr über X bekanntgab, wurde jetzt auch der leblose Körper der Rentnerin (83) gefunden, die nach einer Schlammlawine von den Trümmern ihres Hauses in Brazzano di Cormons begraben wurde. Ein 32-jähriger Auswanderer aus Deutschland war schon zuvor tot aufgefunden worden. Der junge Mann hatte Medienberichten zufolge noch versucht, das Leben der Frau zu retten – vergebens.

In der Region Friaul-Julisch Venetien ereigneten sich in den vergangenen Tagen verheerende Unwetter. Zwei Menschen, darunter ein Deutscher (32), werden von einer Schlammlawine getötet. (Collage)

Besonders tragisch: Der 32-jährige Deutsche war vor einiger Zeit in das friaulische Dorf gezogen, wo er dem Corriere della Sera zufolge einen Wein- und Gastronomiebetrieb führt. Dem Medienbericht zufolge hatte er bereits zusammen mit seiner Frau, die unverletzt geblieben war, sein Haus verlassen, kehrte jedoch zurück, um die ältere Dame zu warnen.

Deutscher Auswanderer stirbt bei Unwettern in Italien

Update vom 17. November, 21.53 Uhr: Neue Details zeigen das Ausmaß des Erdrutsches in Italien. Ein Deutscher wurde nach einer Schlammlawine vermisst, als er seiner 83-jährigen Nachbarin aus dem Haus helfen wollte. Wie die italienische Nachrichtenagentur Rai berichtet, wurden der Mann inzwischen tot gefunden, die Nachbarin wird weiter vermisst. Zeugen sollen ein dumpfes Grollen gehört haben, das aus den Bergen kam, bevor die Schlammlawine herunterkam.

Aufnahmen zeigen das Ausmaß des verheerenden Unwetters in der italienischen Provinz Gorizia.

Das Unwetter hat inzwischen eine neue Dimension erreicht. In nur sechs Stunden fielen in Cormons 152 Millimeter Regen. Zum Vergleich: Das entspricht etwa einem Sechstel der durchschnittlichen Jahresmenge in Deutschland. Besonders betroffen war das Gebiet zwischen Palmanova und Cormons, wo stellenweise 200 Millimeter Regen niedergingen. Die Region Friaul-Julisch Venetien hat deshalb sogar den Notstand ausgerufen und um nationale Hilfe gebeten.

Erstmeldung vom 17. November 2025, 17.05 Uhr: Gorizia – In der Nacht zum Montag hat ein verheerender Erdrutsch das kleine Dorf Brazzano di Cormons in der norditalienischen Provinz Gorizia erschüttert. Heftige Regenfälle führten zu einer Schlammlawine, die ein Wohnhaus vollständig verschüttete und zwei Menschen unter sich begrub, wie corriere.it berichtet.

Unter den Vermissten befindet sich ein 32-jähriger Mann aus Deutschland, der seit einiger Zeit in dem friaulischen Dorf lebt und dort eine Gastronomie betreibt. Wie die örtlichen Behörden mitteilten, hatte er sein Haus bereits zusammen mit seiner unverletzten Ehefrau verlassen können. Doch dann kehrte er zurück – um seine 83-jährige Nachbarin zu warnen. Beide werden seither vermisst.

Tornados, Wüstenstürme, Zyklone: Wetterphänomene, die Sie kennen sollten

Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) bekannt, sind beeindruckende Lichterscheinungen am Himmel. Sie entstehen durch Wechselwirkungen zwischen Sonnenwinden und der Erdatmosphäre und sind in der Nähe der Pole sichtbar. Oder wie hier im Bundesstaat New York. © IMAGO
Görlitz - Polarlichter über Sachsen zu sehen am 11.10.2024 in Görlitz
In Europa sind Polarlichter am besten in Skandinavien zu bewundern. Manchmal hat man aber auch in Deutschland Glück, wie hier in Görlitz in Sachsen. © Felix Leda/LausitzNews.de/ IMAGO
Ein Tornado über dem Gardasee.
Tornados sind extrem starke Wirbelstürme, die eine schmale, rotierende Säule aus Luft bilden, die vom Boden bis zur Wolkenbasis reicht. Sie sind für ihre zerstörerische Kraft bekannt und treten vorwiegend in den USA auf. Hier hat sich sogar einer über dem Gardasee gebildet. © IMAGO/Jöran Steinsiek
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
Der bis heute größte je gemessene Tornado war der „El Reno Tornado“. Er erreichte einen maximalen Durchmesser von 4,2 Kilometern, sowie eine Höchstgeschwindigkeit von 480 km/h. Der Tornado wütete 2013 über Oklahoma in den USA. Es kamen mindestens acht Menschen ums Leben, wobei mindestens 151 verletzt wurden. Hier betrachten zwei Schwestern das, was von ihrem Haus nach dem Sturm zurückgeblieben ist. © Larry W. Smith/dpa
Riesige Hagelkörner in einer Handfläche.
Hagelstürme sind mit Eiskörnern gefüllte Gewitter, die sich zu großen Hagelkörnern formen. Diese Körner können beträchtliche Größen erreichen und erheblichen Schaden an Gebäuden und Feldern anrichten. Hier wurde Bayern getroffen. © IMAGO/B&S/Bernd März
Graupelschauer im Frühling: Ein kräftiger, kurzer Graupelschauer hinterlässt die Graupelkörner in einer alten Dachrinne.
Graupel ist eine Form von Niederschlag, bei der Schneekristalle durch angefrorene Wassertröpfchen zu Kügelchen verklumpen. Graupelkörner sind im Vergleich zu Hagel deutlich kleiner und weisen lediglich einen maximalen Durchmesser von ein bis fünf Millimeter auf. © Gottfried Czepluch / IMAGO
Eisblumen an einem Fenster bei kaltem Wetter im Winter.
Eisblumen sind eine Sonderform von Raureif. Die Eiskristalle entstehen meist an dünnen Fensterscheiben mit schlechter Wärmeisolierung. Voraussetzung ist eine Außentemperatur unter 0 °C, eine hohe Luftfeuchtigkeit im Raum, eine geringe Wärmedämmung des Glases und Staubteilchen auf dem Glas. © HEIKO KUEVERLING / imageBROKER / IMAGO
Winterwetter in Sassenheim am 01.02.25: Person geht mit zwei Hunden an der Leine bei Nebel und Frost spazieren.
Nebel besteht wie Wolken aus feinen Wassertropfen. Man spricht erst dann von Nebel, wenn die Sichtweite weniger als einen Kilometer beträgt. © Nico Garstman / IMAGO
Eine Straußenherde flieht vor einem Sandsturm in der Kalahari Wüste in Südafrika.
Wüstenstürme, wie beispielsweise der berüchtigte Sandsturm, treten in ariden Regionen auf und bringen große Mengen an Staub und Sand mit sich. Sie können zu starken Sandverwehungen führen und die Sicht stark beeinträchtigen. Vor diesem Sandsturm in der Kalahari Wüste in Südafrika flieht eine Straußenherde. © Thomas Dressler/IMAGO
Saharastaub im Erzgebirge.
Saharastaub ist eigentlich in Deutschland gar nicht so ungewöhnlich. Im Schnitt zieht Wüstenstaub etwa fünf bis 15-mal pro Jahr aus der Sahara über Marokko und Frankreich nach Deutschland. Hier hat der Staub den Himmel über dem Erzgebirge rot gefärbt. © Oliver Kaufmann / dpa
Frauen halten Regenschirme, während sie bei starkem Regen in Kolkata, Indien, am 16. Oktober 2024 auf der Straße gehen.
Der Monsun ist eine großräumige, beständige Luftzirkulation (Luftströmung) im Bereich der Tropen und Subtropen. Besonderen Einfluss hat der Monsun auf das Klima auf dem Indischen Subkontinent. Hier bringt er im Winter Trockenzeiten und im Sommer Starkregenereignisse (Monsunregen), wie hier in Kolkata (Indien). © Sudipta Das / IMAGO
Gewitterblitz schlägt in den Großen Feldberg bei Frankfurt ein.
Gewitterblitze sind elektrische Entladungen, die während Gewittern auftreten. Sie erzeugen helle Lichtblitze und begleitenden Donner. Gewitterblitze können sowohl in Wolken als auch zwischen Wolken oder zwischen Wolken und dem Boden auftreten. Hier schlägt ein Blitz in den Großen Feldberg bei Frankfurt ein. © IMAGO/Jan Eifert
14.08.2024: Gewitterzelle über Thüringen mit lila Wolkenstimmung und Windrädern.
Donner sind sehr laute Schallwellen, die bei einem Gewitter entstehen. Wenn es blitzt, wird die Luft um den Blitzkanal schlagartig bis auf 30.000 Grad erhitzt. Durch die gewaltige Hitze dehnt sich die Luft um den Blitzkanal wie bei einer Explosion aus. Diese plötzliche Ausdehnung führt wiederum zu einem lauten Krachen, das wir als Donner bezeichnen. © christian heilwagen / IMAGO
Hier steuert der Zyklon Mocha auf Myanmar zu.
Zyklone sind großräumige Tiefdrucksysteme, die sich über den Ozeanen bilden. Sie können sich zu extremen Stürmen entwickeln und starke Winde, Regen und Wellen verursachen. Zyklone werden in verschiedenen Teilen der Welt mit unterschiedlichen Namen bezeichnet, wie z. B. Hurrikane oder Taifune. Hier steuert der Zyklon Mocha auf Myanmar zu. © Cover-Images/IMAGO
Ein Mann mit einem kaputten Schirm im Typhoon Nina, Schwarz-Weiß-Foto 1975.
Der verheerendste Taifun im 20. Jahrhundert war Taifun Nina im August 1975 in China. Durch den Taifun brachen zwei große Staumauern und zehn kleinere. Die dadurch verursachten bis zu zehn Meter hohen Flutwellen töteten 100.000 Menschen. Hier versuchen die Menschen während des Taifuns, sich mit Schirmen vor Wind und Regen zu schützen. © Chan Kiu / IMAGO
Verwüstungen des Hurrikans Patricia am Freitag, dem 23. Oktober 2015.
Hurrikane sind tropische Wirbelstürme der Nordhalbkugel. Ab einer Windgeschwindigkeit von 118 Kilometern pro Stunde erhalten sie die Bezeichnung „Hurrikan“. Das entspricht der Windstärke 12 auf der Beaufort-Skala. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 345 Kilometern pro Stunde war Hurrikan Patricia der stärkste Hurrikan, der bisher aufgezeichnet wurde. Er verwüstete große Teile Zentralamerikas, wie hier eine Stadt in Mexiko. © Agencia EL UNIVERSAL Ramon Romero JMA / IMAGO
Tief Bernd: Menschen versuchen sich im Harz bei Windgeschwindigkeiten von über 130 km/h auf den Beinen zu halten.
Orkane sind Stürme ab einer Windstärke von 12 auf der Beaufort-Skala. Sie treten nur in Mitteleuropa auf und entstehen bei größer werdenden Temperaturunterschieden zwischen den südlichen Ländern und der Polarregion. Hier versuchen sich die Menschen im Harz bei einer Windgeschwindigkeit von über 130 km/h auf den Beinen zu halten. © Bernd März / IMAGO
Regenbogen im Weserbergland zwischen Halle und Bremke.
Regenbogen entstehen, wenn Sonnenlicht durch Regentropfen gebrochen und reflektiert wird. Dadurch entsteht ein buntes Lichtspektrum, das am Himmel sichtbar wird. Regenbögen sind oft nach Regenschauern zu sehen, wie hier im Weserbergland zwischen Halle und Bremke. © Ulrich Stamm/IMAGO
Halo-Erscheinung mit Zirkumzenitalbogen und Nebensonnen auf dem Weg zum Fichtelberg am Hotel Sachs.
Haloerscheinungen bestehen aus hellen Kreisen, Bögen oder Flecken am Himmel. Sie entstehen durch Brechung und Spiegelung des Lichts an Eiskristallen. Haloerscheinungen sind auch gar nicht so selten, wie man denkt. Durchschnittlich kann man sie an sechs bis sieben Tagen im Monat beobachten. © Hanke / IMAGO
Staubteufel auf einer Baustelle in Essen.
Staubteufel sind kleine Wirbelwinde, die aus aufgewirbeltem Staub oder Sand bestehen. Sie entstehen durch lokale Temperaturunterschiede und können in Wüsten oder trockenen Gebieten beobachtet werden – oder wie hier auf einer Baustelle in Essen. © Gottfried Czepluch/IMAGO
Reif umzieht Herbstlaub.
Reif – die kleine weiße Schicht kann man an vielen Wintertagen morgens auf dem Boden oder auf den Windschutzscheiben von Autos beobachten. Reif entsteht, wenn die Lufttemperatur unter den Gefrierpunkt fällt und der in der Atmosphäre vorhandene Wasserdampf direkt in Eis übergeht. Sobald die Temperaturen auf größeren Flächen unter den Gefrierpunkt sinken, werden auch ganze Wiesen und Felder weiß. © Bernd Leitner / IMAGO
Morgentau bei Sonnenaufgang auf Grashalmen auf einer Wiese in, Rottweil, Baden-Württemberg.
Tau ist das Gegenstück zum Rau. Hier wandelt sich der gasförmige Wasserdampf in flüssiges Wasser um, er kondensiert also. Dieses Phänomen lässt sich meistens in den frühen Morgenstunden beobachten. © Silas Stein/IMAGO
Föhnwind in München mit Fernsicht bis zu den Alpen.
Föhnwinde sind trockene, warme und fallende Winde, die auf der Leeseite von Gebirgen auftreten. Sie können starke Temperaturänderungen und Trockenheit verursachen und sind in Regionen mit Gebirgen wie den Alpen häufig. In München hat man an einem Tag mit Föhnwind oft eine Fernsicht bis zu den Alpen. © Christian Offenberg/IMAGO
Schneesturm in den USA, New Orleans: Mann geht zugeschneite Landschaft im Schneegestöber entlang.
Schneestürme sind eine Mischung aus starken Sturmböen und Schnee. Sie können mehrere Meter Neuschnee mit sich bringen und das Sichtfeld stark einschränken. Nordamerika ist häufig von Schneestürmen betroffen, wie hier in New Orleans in den USA. © Gerald Herbert / dpa
Person schippt Schnee im Gestöber.
Ein Blizzard ist ein heftiger Schneesturm mit starkem Schneefall und hohen Windgeschwindigkeiten. Er führt zu Schneeverwehungen, stark eingeschränkter Sicht und gefährlicher Kälte. Blizzards sind extrem und erfordern Vorsicht, um sich vor den Gefahren zu schützen, die sie mit sich bringen. Sie treten vermehrt in Nordamerika auf. © IMAGO

Schweres Unwetter in italienischer Provinz – Bürgermeister lässt Schulen schließen

Die Rettungskräfte konnten bislang einen älteren Mann lebend aus den Trümmern bergen. Er erlitt einen Oberschenkelbruch und wurde ins Krankenhaus von Udine eingeliefert. Die Suche nach den beiden Verschütteten läuft weiterhin auf Hochtouren.

Das Unwetter hat weite Teile von Friaul-Julisch Venetien lahmgelegt. Bürgermeister Roberto Falcaro ordnete die Schließung aller Schulen an und warnte die Bevölkerung vor überfluteten Straßen und Schuttmassen. „Die Regenfälle haben schwere Schäden in unserem gesamten Gebiet verursacht“, erklärte er in den sozialen Medien.

300 Menschen in italienischer Ortschaft von Dächern gerettet

Besonders dramatisch war die Lage auch in der Ortschaft Versa, wo der Torrente Torre über die Ufer trat. Etwa 300 Menschen mussten von den Dächern ihrer Häuser gerettet werden. Feuerwehr und Zivilschutz sind mit Booten und Hubschraubern im Dauereinsatz. Die regionale Zivilschutzbehörde hat die Unwetterwarnung bis Dienstag verlängert. Für die Provinzen Gorizia und Udine gilt weiterhin die Alarmstufe Orange.

Auch andere Regionen Italiens kämpfen mit den Folgen des Unwetters – in Ligurien führten umgestürzte Bäume zu erheblichen Zugverspätungen, in der Toscana gab es weitere Erdrutsche. Die Behörden rechnen erst ab Dienstag mit einer Wetterberuhigung, die die Rettungs- und Aufräumarbeiten erleichtern könnte. Quellen: corriere.it, x.de (bk)

Rubriklistenbild: © Luca Zaia/Vigili del Fuoco/Facebook

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