VonNadja Orthschließen
Die extreme Dürre auf Sizilien hält weiterhin an, viele Regionen haben nicht ausreichend Wasser. Trotzdem will die Insel offenbar keine Touristen abschrecken.
Palermo – Hohe Temperaturen und Trockenheit machen der italienischen Mittelmeerinsel Sizilien in diesem Sommer weiterhin schwer zu schaffen. Nachdem bereits einige wichtige Stauseen ausgetrocknet sind und offiziell der Notstand ausgerufen wurde, soll ein Tankschiff des Militärs nun Abhilfe schaffen. Mithilfe des Tankers sollen Millionen Liter Wasser vom Festland an die Küsten der Insel gebracht werden. Andere Lösungsansätze stoßen wiederum auf Gegenwind - besonders in der Hauptstadt Palermo, wo der Tourismus von hoher Bedeutung ist. Erste Regionen mussten Touristen bereits abweisen.
Mehreren italienischen Medienberichten zufolge ist der Tanker bereits auf dem Weg nach Sizilien. Wie das Nachrichtenportal Live Sicilia am Freitag schrieb, soll das Schiff der Marine rund 1,2 Millionen Liter Wasser in Kalabrien tanken. Damit könnten bis zu einhundertzwanzig Tanker auf der Insel aufgefüllt werden. Zunächst werde der Hafen von Licata in der Provinz Agrigent angefahren, da die Region zu den am stärksten betroffenen Gebieten zählt. Von dort aus soll das Wasser anschließend an weitere betroffene Städte in der Umgebung verteilt werden.
Tanker statt Rationierung: Wie Sizilien in der Hauptstadt die Wasserversorgung retten will
Auch die Hauptstadt Palermo ist zunehmend von der Wasserknappheit betroffen. Dort wurde laut Informationen der Zeitung La Republicca jedoch lange diskutiert, welche Maßnahmen tatsächlich durchgesetzt werden sollen. Das kommunale Unternehmen, das die städtische Wasserversorgung verwaltet, hatte bereits zugestimmt, in jedem Bezirk der Stadt an einem Tag pro Woche die Wasserversorgung auszusetzen. Während der Bürgermeister Roberto Lagalla ebenfalls für die Idee stimmte, soll sich der Regionalpräsident Renato Schifani dagegen ausgesprochen haben. Grund sei die Sorge um den Tourismus gewesen, der bei einer Wasserrationierung schnell abgeschreckt werden könnte.
Nach einer finalen Sitzung wurde nun beschlossen, erst einmal die Wasserlieferungen des Tankers abzuwarten. Der Tourismus ist eine zentrale Einkommensquelle für Sizilien. Allein im Jahr 2023 habe die beliebte Urlaubsinsel laut La Republicca über sechzehn Millionen Aufenthalte aus dem Ausland verzeichnet, insgesamt 10,8 Prozent mehr als in 2022. Das Tourismusgeschäft sei inzwischen insgesamt über sechseinhalb Milliarden Euro wert. Die Kritik: Das Pro-Kopf-Einkommen der Einheimischen liegt gleichzeitig am unteren Ende der italienischen Rangliste.
Extreme Wasserknappheit auf Sizilien: Gemeinde im Landesinneren seit 42 Tagen ohne neue Lieferungen
Wie lange die Wasserlieferungen aus Kalabrien ausreichen und ob Palermo ohne eine zusätzliche Regulierung zurechtkommt, muss sich erst zeigen. Zur zusätzlichen Gewinnung von Wasser habe die Regierung neue Brunnen in Betrieb genommen. Darüber hinaus wurden die Einwohner aufgefordert, Wasser aus privaten Brunnen an die Verwaltung zu verkaufen. Einen langfristigen Weg aus der Krise gibt es bislang aber nicht. Und das, wobei die Prognosen fürs Klima teils besorgniserregend sind: Laut dem Nachrichtenportal befürchten Experten offenbar, dass auch der diesjährige Herbst wenig Regen hergeben könnte.
Sizilien leidet dieses Jahr schwer unter der Dürre. Da es im Winter und Frühling kaum geregnet hat, sind die Wasserspeicher der Insel seit Monaten kontinuierlich weniger geworden. Inzwischen sind bereits einige Stauseen ausgetrocknet, die für die Wasserversorgung von Städten in der Umgebung genutzt wurden. Ein Höhepunkt wurde in der Gemeinde Caltanissetta erreicht: Die Einwohner im Landesinneren der Insel wurden seit mehr als 42 Tagen nicht mehr mit Wasser beliefert. Als Folge seien viele gezwungen, Tanker zu nutzen. Doch diese werden nicht nur immer schwieriger zu finden, sondern auch immer teurer.
Sizilien wird immer wieder von Naturkatastrophen heimgesucht. Im September letzten Jahres brach ein schweres Feuer auf der Urlaubsinsel aus, das sogar ein Menschenleben kostete. (nz)
Rubriklistenbild: © Wasser-Rationierung auf italienischer Urlaubsinsel Sizilien: Tanker sollen Tourismus retten

