„Man wirft nicht einfach ein Seil runter“

Höhlen-Drama in der Türkei: Expertin erklärt, was die Rettung so schwierig macht

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Auf 1000 Metern sitzt Mark Dickey in einer Höhle fest. Die Rettung wird wahrscheinlich Tage dauern. „Man wirft da nicht einfach ein Seil runter“, erklärt Fee Gloning.

Mersin – Im Osten der Türkei läuft die Rettungsmission für Mark Dickey an. Der Höhlenforscher bekam auf 1.000 Metern Tiefe eine Magenblutung. Und auch in Deutschland klingelten die Telefone, unter anderem bei Fee Gloning von der Malteser Höhlenrettung.

Die European Cave Rescue Association (ECRA) fragt ab, wo Retterinnen und Retter verfügbar sind. 150 Menschen arbeiten gerade an der Bergung des US-Amerikaners, die Mission wird wahrscheinlich noch Tage dauern. Vielleicht sogar bis zu einer Woche, befürchtet Höhlenretter Carl Heitmeyer, ein Freund des Verletzten.

Höhlenforscher in der Türkei in Not: Das macht die Bergungsmission so kompliziert

Wieso ist die Rettung so schwierig? „Das hängt von den Gegebenheiten vor Ort ab. Wie unwegsam ist das Gelände? An welcher Stelle ist der Patient? Wie geht es ihm?“, erklärt Gloning im Gespräch mit IPPEN.MEDIA. Tatsächlich müssen die Retter momentan Höhlenabschnitte ausweiten, damit Dickey auf der Trage hindurchpasst.

Mark Dickey wurde in 1000 Metern Tiefe krank: 150 Menschen arbeiten an seiner Rettung.

Und da tauchen die nächsten Unwägbarkeiten auf. „Wie weit muss man das Gestein bearbeiten? Es kann sein, dass man mit Explosivstoffen arbeiten muss“, sagt Gloning. Sie hatte zuletzt am Donnerstagabend (7. September) Kontakt zur ECRA, über die Lage in der Höhle weiß sie auch nur aus der Presse.

„Man wirft da nicht einfach ein Seil runter“: Trage mit Höhlenforscher fast 200 Kilogramm schwer

Aber eines ist klar: „Man wirft da nicht einfach ein Seil runter und zieht ihn auf einer Trage hoch“, erklärt die Malteser-Retterin. Die Höhlengänge können verzwickt, kurvig, eng und gefährlich sein. Die Rettung ist außerdem ein Kraftakt: „Mit einem Menschen wiegt so eine Trage fast 200 Kilo. Da braucht man Manpower.“

Dickey ist in einem sehr großen Höhlensystem in Not geraten, auf 1000 Meter Tiefe müssen auch die Bergungskräfte erst einmal kommen. „Dann ist man eine Woche unter der Erde“, erklärt Gloning, „in der Höhle werden Biwaks aufgebaut. Darin kann man Schlafen und Material aufbewahren.“

Die meisten Höhlenretter sind Ehrenamtler: Internationale Gemeinschaft arbeitet zusammen

Eine Woche Einsatz ohne Pause schafft aber natürlich niemand. Die Einsatzkräfte unter der Erde müssen regelmäßig ausgetauscht und mit Proviant versorgt werden. „Das ist eine Riesen-Logistik, die da dranhängt“, sagt Gloning. Deshalb sind so viele Menschen an der Rettungsmission beteiligt.

Die meisten Höhlenretter und Retterinnen engagieren sich ehrenamtlich. Dachorganisationen wie die ECRA fragen ab, wer für einen Einsatz verfügbar wäre. Außerdem ermöglichen sie einen internationalen Wissensaustausch. (moe)

Rubriklistenbild: © ECRA/Archiv

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