VonDaniel Geradtzschließen
Den hierzulande größten Käfer werden wohl nur wenige bestimmen können. Doch ein Förster erkannte ihn schnell an markanten Bohrungen und spürte damit eine Sensation auf.
Schweinfurt – „Mordslöcher“ hat Förster Reiner Seufert an einem Baum in seinem Wald entdeckt. Damit war ihm klar, wer der Verursacher sein musste. Nämlich der Heldbock (Cerambyx cerdo), der hierzulande größte Käfer. Seufert bohrte nach und entdeckte im Holz eine abgestorbene Larve. Ohne Hilfe kam er an dieser Stelle nicht mehr weiter.
Wald-Sensation wird durch DNA-Analyse bestätigt
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) veranlasste eine DNA-Anaylse. Diese brachte Klarheit und bestätigte Seuferts Verdacht. Der Fund ist eine große Besonderheit. Die Käferart ist nämlich vom Aussterben bedroht. Die Bayerische Landesanstalt gab eigens zu dieser Sensation eine Pressemitteilung heraus.
Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt bei den Insekten zwischen 24 und 52 Millimeter. Die Fühler messen rund 110 Millimeter bei den Mänchen. Er ist braunschwarz. Größere Käfer gibt es in Deutschland nicht.
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Der Heldbock legt seine Eier in Rindenspalten ab. Die Larven dringen von dort aus unter die Rinde bis zum Kernholz. Das dauert meistens vier Jahre. Wenn die Larven ausgewachsen sind, nagen sie einen Hakengang. Zudem legen sie eine Puppenwiege an, also eine Höhle, in die sie sich einnisten. Dort überwintern sie als ausgewachsener Käfer. Im darauffolgenden Jahr frisst sich der Käfer dann ins Freie. Die Entwicklungszeit beträgt somit bis zu fünf Jahre.
Sensationsfund unterstreicht Bedeutung der heimischen Eichenwälder
In Deutschland ist der Heldbock Käfer streng geschützt. In fast allen Bundesländern können zwar derzeit Exemplare nachgewiesen werden. Doch es handelt sich um wenige und sehr kleinflächige Vorkommen. In Bayern wurden sogar mehrere Ansiedlungsversuche unternommen. Doch obwohl diese in verschiedenen Gebieten waren, konnten sie nicht erfolgreich abgeschlossen werden.
Für Dr. Peter Pröbstle, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft, steht fest: „Der geglückte Nachweis zeigt einmal mehr, welchen hohen Wert gerade unsere heimischen Eichenwälder für die Biodiversität besitzen.“ Stephan Thierfelder, der Bereichsleiter Forsten am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schweinfurt, ergänzt: „Ein Erhalt dieser Lebensräume im Rahmen einer integrativen Waldbewirtschaftung ist besonders wichtig, um die Habitatkontinuität für naturschutzfachlich wertvolle Arten wie den Heldbock auch künftig sicherzustellen“.
Doch nicht alle Insektenfunde sind eine erfreuliche Sensation. Im Frühjahr vermehrten sich die Warnungen vor dem giftigen Ölkäfer. Die Gefahr war jedoch nicht so groß, der Naturschutzbund warnte vor Panikmache.
Rubriklistenbild: © Ludwig Straßer/LWF/dpa

