An der Rigaer Bucht

Riga: Die Hauptstadt von Lettland

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Nördliche Altstadt von Riga, Hauptstadt von Lettland

Riga ist die Hauptstadt von Lettland. Rund 620.000 Menschen bilden die Bevölkerung der größten Stadt des Baltikums, die an der Rigaer Bucht liegt.

Riga – Die Hauptstadt von Lettland liegt direkt an der Rigaer Bucht und am Fluss Düna. Die Stadt bildet das Zentrum von Geschichte, Kultur und Politik für die Bevölkerung des baltischen Landes.

Riga: Geographie und wichtige Daten

Riga ist die größte Stadt des Baltikums, also des Gebietes, in dem Lettland, Litauen und Estland liegen. Etwa 620.000 Einwohner wohnen in der Stadt, insgesamt 1 Million im Ballungsraum Riga. Das bedeutet, dass etwa die Hälfte der Einwohner Lettlands in der Hauptstadt leben. Jeder sechste Einwohner des Baltikums wohnt im Einzugsgebiet von Riga. Man muss jedoch auch dazu sagen, dass diese Sonderstellung wohl nicht mehr lange andauern wird, da die Bevölkerung der Stadt jährlich kleiner wird. Seit dem Ende der Sowjetunion ist die Anzahl der Einwohner bereits um fast 50% gesunken. Grund dafür ist vor allem die teure Wohnsituation in der Stadt, sodass viele Familien in die Gebiete rund um die Stadt ausweichen müssen. Aber auch die in der Geschichte Lettlands stets niedrige Geburtenrate spielt eine Rolle.

In Riga leben zu 46% Letten, zu 40% Russen, zu 4% Weißrussen und 3,5% Ukrainer. Generell ist der Anteil russischer Bürger in Lettland sehr hoch. 26% der Einwohner sind russischer Herkunft. Wichtigste Religionen sind verschiedene christliche Strömungen, wie die evangelisch-lutherische Kirche, die römisch-katholische Kirche und die russisch-orthodoxe Kirche.

Das Klima in Riga ist feucht-kontinental mit gemäßigten Sommern und Temperaturen von bis zu -30 Grad Celsius im Winter. Die Politik in Riga wird bestimmt von Bürgermeister Martins Stakis.

Riga: Geschichte

Der Name der Stadt kommt tatsächlich von der Geschichte der Gründung der Stadt. Riga wurde im Jahr 1201 am Zusammenfluss der beiden Flüsse Düna und Ridzene gegründet. Auf Deutsch hieß der Ridzene Riege, was später zu Riga wurde. Der kleine Fluss wurde später trockengelegt.

Der deutsche Bischof Albert von Buxthoeven hatte großen Anteil an der Etablierung Rigas als Handelsplattform mit Russland. Er war es auch, der Riga als Ausgangspunkt für die Missionierung des Baltikums festlegte. Er war von 1201 bis 1229 Bischof in Riga. Die Stadt konnte sich in den Folgejahren unter deutscher Politik und Kolonialherrschaft massiv entwickeln, was auch dem großen Einfluss der katholischen Kirche auf die internationalen Handelsbeziehungen geschuldet war. Es gelang, die umliegenden Völker zu unterwerfen und reiche Kaufleute als Bevölkerung in der Stadt anzusiedeln, in der nun die Deutschen die Oberherrschaft hatten. Im Zuge der Reformation, der sich Riga 1522 anschloss, folgte man nicht mehr der Entscheidung der bis dato auch als weltliche Oberhäupter agierenden Erzbischöfe.

Nach kurzer Zugehörigkeit zu Polen eroberte Schweden die Stadt im Jahr 1621. Durch die Nähe zum russischen Reich wurde Riga ein wichtiger strategischer Eckpfeiler des schwedischen Königreiches und man baute die Verteidigungsanlagen der Stadt aus. Riga konnte mehrere Kriege als schwedische Stadt überstehen, bevor man sich 1710 den russischen Truppen ergeben musste.

Riga: Lettland als Teil der Sowjetunion

Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges 1918 bleib man im russischen Staatsgebiet verankert, bevor man die unabhängige Republik Lettland ausrief. Bis zum Zweiten Weltkrieg erlebte die Bevölkerung von Riga eine erneute Blütezeit als unabhängige Republik. 1940 eroberte die Sowjetunion ohne großen Widerstand Riga, musste das Stadtgebiet allerdings bereits 1941 wieder aufgeben und den deutschen nationalsozialistischen Truppen überlassen. Kurz vor Kriegsende konnte die Sowjetunion Riga in erbitterten Kämpfen wieder in ihren Besitz bringen und Riga zur Hauptstadt der Lettischen Sozialistischen Sowjetrepublik machen. Riga war zu diesem Zeitpunkt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen der letzten Jahre schwer gezeichnet.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion verstärkten sich die Unabhängigkeitsbewegungen und so unternahm man von Seiten der Politik 1990 den Versuch die Unabhängigkeit von der Sowjetunion zu verkünden. Michail Gorbatschow, der damalige Präsident der Sowjetunion, ließ daraufhin das Parlament von Riga mit Militärs besetzen, bevor er am 21.08.1991. mit der Anerkennung der lettischen Unabhängigkeit einen neuen Abschnitt der Geschichte des Landes einläutete. Heute ist Lettland ein gut integriertes Land im Kontext der europäischen Union. Die Beziehungen zu Russland sind angespannt.

Riga: Politik

Riga verfügt über einen eigenen Stadtrat mit 60 Mitgliedern, die alle 4 Jahre von der Bevölkerung in einer Kommunalwahl gewählt werden. Aus ihren Reihen wählen sie einen Bürgermeister, der momentan Martins Stakis ist.

Das nationale Parlament kommt ebenfalls in Riga zusammen. Der ehemalige Richter des Europäischen Gerichtshofes Egils Levits ist Staatspräsident in Lettland. Er repräsentiert den lettischen Staat gegenüber anderen Ländern, fungiert als Oberbefehlshaber der Streitkräfte und kann Gesetzesinitiativen ins Parlament einbringen. Die Regierungsgeschäfte leitet der konservative Ministerpräsident Krisjanis Karins im Rahmen einer Koalition, die seit 2019 im Amt ist. Die Politik der Koalition kann als Mitte-Rechts beschrieben werden.

Im Punkt der Außenpolitik ist Lettland in der jüngeren Geschichte entschieden westlich orientiert. So verurteilte man beispielsweise die russische Aggression gegenüber der Ukraine scharf. Ebenfalls ist Lettland Mitglied in allen wichtigen westlichen Bündnissen, wie der Europäischen Union, den Vereinten Nationen, der NATO, der OSZE, dem internationalen Währungsfonds und ist Teil des Schengen Raums. Die lettische Armee beteiligt sich an Einsätzen der Vereinten Nationen.

Riga: Wirtschaft

Riga ist das wirtschaftliche Zentrum Lettlands. Allein schon durch den hohen Anteil der Bevölkerung Rigas an der Gesamtbevölkerung kann Riga einen Großteil der Produktion des Landes abdecken. Die größten Industrien in Riga sind der Dienstleistungssektor, Lebensmittelindustrie, sowie Holz- Textil-, und Chemieproduktion. Ein weiterer großer Faktor für Riga ist der Tourismus. 90% der Touristen, die Lettland besuchen, kommen nach Riga. Etwa eine halbe Million Touristen besuchen das Land jedes Jahr.

Der Verkehr zentriert sich in Lettland ganz auf Riga. Hier ist der größte Hafen des Landes, der größte Flughafen des Landes und alle Fernstraßen führen sternförmig von der Hauptstadt in die anderen Landesteile.

Das Pro-Kopf Bruttoinlandsprodukt von Lettland betrug im Jahr 2017 13.900€. Der Index für wirtschaftliche Freiheit bescheinigt Lettland Platz 20 von 180 teilnehmenden Ländern.  

Riga: Tourismus und Sehenswürdigkeiten

Der Flughafen von Riga beförderte im Jahr 2017 6,1 Millionen Passagiere. Vor allem deutsche Touristen besuchen Lettland gerne. Durch die deutsche Prägung in der frühen Geschichte der Stadt gibt es bis heute Straßen in der historischen Altstadt, die deutsche Namen tragen. Einige Sehenswürdigkeiten, die man sich bei einem Besuch nicht entgehen lassen sollte, sind:

  • Die Innenstadt von Riga: Seit 1997 ist die Innenstadt von Riga zur Liste des UNESCO-Weltkulturerbe hinzugefügt. Der Grund dafür sind zum großen Teil die intakten Jugendstilbauten und die Holzarchitektur aus dem 19. Jahrhundert.
  • Das Riager Schloss: Das Schloss mit der Lage am nördlichen Ende der Innenstadt, dient als Sitz des höchsten Amtes der Politik Lettlands. Der Staatspräsident regiert von hier aus. Errichtet wurde Sie bereits 1330.
  • Die Nationalbibliothek Lettlands: Im Rahmen der Aktion Kulturhauptstadt Europa war Riga 2014 Gastgeber. Zu diesem Zweck ließ man die altehrwürdige Nationalbibliothek nach einem Entwurf von Gunnar Birkerts neu aufbauen.
  • Die Lettische Nationaloper: In diesem Neoklassizistischen Gebäude spielt seit 1919 die Lettische Nationaloper. Hier können Opernklassiker von Touristen und Bevölkerung angesehen werden.
  • Das Lettische Okkupationsmuseum: Im meistbesuchten Museum des Landes kann die lettische Geschichte der Besatzung durch die Nationalsozialisten und die Sowjetunion zwischen 1940 und 1991 erlebt werden.

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