Schwere Verläufe und Todesfälle

Neue Scharlach-Welle in Deutschland: RKI meldet steilen Anstieg bei Streptokokken

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Das Robert Koch-Institut stellt einen ungewöhnlichen Anstieg von Streptokokken-Infektionen fest. Das Bakterium kann die Kinderkrankheit Scharlach auslösen.

München - Ob Corona, Grippe oder eine einfache Erkältung: Viele Menschen sind besonders in den kalten Wintermonaten krank. Auch Kinder bleiben nicht verschont. Nachdem die RSV-Infektionswelle viele Kliniken an ihre Grenzen gebracht hatte, könnte eine neue Kinder-Krankheitswelle auf Deutschland zu rollen. Das Robert Koch-Institut (RKI) beschreibt in ihrem epidemiologischen Bericht vom 5. Januar 2023 einen ungewöhnlichen Anstieg von Streptokokken-Infektionen. Das Bakterium kann die Kinderkrankheit Scharlach hervorrufen.

RKI stellt Zunahme von Streptokokken-Infektionen in Deutschland fest

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) meldete bereits im Dezember 2022, dass sie einen Anstieg von teils schweren bis tödlichen Verläufen von Streptokokken-Infektion wahrnehme. Allein im Vereinigten Königreich starben zwischen September und Dezember 15 Kinder unter 15 Jahren. Dem RKI liegen nur begrenzte Daten zur Verfügung, da die Infektion mit Gruppe-A-Streptokokken in Deutschland gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) nicht meldepflichtig ist.

Dennoch sieht das RKI mit den von ihnen nutzbaren Quellen, dass im vierten Quartal 2022 ein „für die Jahreszeit ungewöhnlich steiler Anstieg von invasiven und nichtinvasiven Gruppe-A-Streptokokken-Nachweisen aus Arztpraxen und Krankenhäusern zu verzeichnen“ ist. Die Zunahme lässt sich in allen Altersgruppen beobachten, wie das RKI in ihrem Bericht weiter schreibt. Die Gesamtzahl der Erregernachweise für 2022 liegt noch unter dem Niveau der präpandemischen Jahre 2017 bis 2019.

Eine Mutter kontrolliert mit einem Fieberthermometer die Temperatur ihrer Tochter.

Dies kann jedoch auch an den verstärkten Infektionsschutzmaßnahmen aufgrund des Coronavirus liegen. „In Deutschland [werden] aktuell nicht überproportional häufiger schwere Verläufe beobachtet“, heißt es im Bericht weiter. Der frühe Anstieg der Gruppe-A-Streptokokken-Infektionssaison könne auch an der aktuellen Krankheitswelle liegen. Die verbreiteten Atemwegsviren begünstigen das Risiko von bakteriellen Infektionen wie etwa Streptokokken, erklärt das RKI.

Streptokokken-Infektionen treten vermehrt auf - Scharlach-Erkrankungen bei Kindern möglich

Das Bakterium kann zu verschiedene Krankheiten, wie zum Beispiel zu Mittelohr-, Rachen-, Nasennebenhöhlen-, oder Mandelentzündungen führen. Besonders bekannt sind Streptokokken der Gruppe A für die Kinderkrankheit Scharlach. Bei einer Scharlach-Erkrankung kommt es meistens zu einer Halsentzündung und zu einem Hautausschlag, der sich auf dem ganzen Körper ausbreiten kann. Zudem können Kopfschmerzen, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Schüttelfrost und rasch ansteigendes Fieber auftreten.

Scharlach ist extrem ansteckend und kann von Mensch zu Mensch übertragen werden. Doch nicht nur Kinder sind gefährdet, an Scharlach kann jeder erkranken, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert. Die Erreger gelangen über Speichel-Tröpfchen in die Luft, sodass sie sich auf den Schleimhäuten einer anderen Person festsetzen können. Ansteckungen sind auch über verunreinigte Gegenstände möglich. Behandelt wird Scharlach meistens mit Antibiotika, eine Impfung gibt es nicht.

Gut zu wissen: Wenn sich Eltern um ihre kranken Kinder kümmern müssen und daher nicht zur Arbeit können, haben sie Anspruch auf Kinderkrankengeld. (vk)

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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