Land der tausend Hügel

Ruanda: Geschichte, Politik, Bevölkerung und Geografie

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In Ruanda sind noch die vom Aussterben bedrohten Berggorillas heimisch.

Ruanda ist ein dicht bevölkerter Binnenstaat in Ostafrika. Die Konflikte zwischen den Volksgruppen der Hutu und Tutsi gipfelte 1994 in einem Völkermord. Seit Ende des Bürgerkriegs setzte ein sukzessiver Wiederaufbauprozess im Land ein.

  • Ruanda war von 1350 bis 1962 ein Königreich.
  • Im ausgehenden 19. Jahrhundert wurde es der Kolonie Deutsch-Ostafrika unterstellt.
  • 1994 starben beim Völkermord an den Tutsi rund 800.000 Menschen.

Kigali – Mit seiner Fläche von 26.338 Quadratkilometern und einer Einwohnerzahl von etwa 12,6 Millionen Menschen besitzt Ruanda eine verhältnismäßig hohe Bevölkerungsdichte. Sie umfasst etwa 499 Einwohner pro Quadratkilometer. Das Land blickt gerade im ausgehenden 20. Jahrhundert auf ein äußerst düsteres Kapitel seiner Geschichte zurück: der Völkermord an den Tutsi. Seit einigen Jahren gehört Ruanda zu den Ländern Afrikas mit dem stärksten Wirtschaftswachstum.

Ruanda: Königreich und Kolonialzeit

Die Twa waren vermutlich die frühesten Einwohner des Landes. Über ihre Geschichte ist aber nur wenig bekannt. Ab dem 8. Jahrhundert wanderte das Bantu-Volk der Hutu in das Gebiet des heutigen Ruanda ein. Ab dem 14. Jahrhundert kamen die Tutsi hinzu. Entgegen früherer Theorien, dass die Hutu immer wieder gegen die ihnen verhasste Tutsi-Minderheit gekämpft haben soll, sieht die heutige Wissenschaft viele genetische und kulturelle Gemeinsamkeiten zwischen den Volksgruppen und Belege, dass sie trotz vieler Konflikte auch friedlich neben- und miteinander co-existierten.

Die Tutsi gehörten dennoch eher zur Elite des Landes und unterwarfen auch die Hutu. Sie hatten im 14. Jahrhundert das Königreich Ruanda (auch bekannt als Königreich Banyarwanda) gegründet, das noch bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bestand. Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Königreich gemeinsam mit dem Nachbarland Burundi in die Kolonie Deutsch-Ostafrika eingegliedert. Nachdem das Deutsche Reich im Ersten Weltkrieg unterlegen war, übernahm Belgien 1920 Ruanda das Völkerbundmandat.

Ruanda: Unabhängigkeit und Völkermord

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ruf nach Unabhängigkeit und Abschaffung der Monarchie lauter. Eine von den Belgiern unterstützte Verwaltungsreform von 1956 regte zunehmend Unmut bei den benachteiligten Hutu. Es kam zu Auseinandersetzungen, bei denen viele Tutsi ermordet wurden. Im sogenannten „Staatsstreich von Gitarama“ wurde schließlich ein provisorisches Parlament mit einem Übergangspräsidenten gewählt. Dieses Ereignis sorgte für die Absetzung des damaligen Tutsi-Königs Kigeri V. und die Ausrufung der Republik Ruanda. 1962 wurde das Land offiziell unabhängig und der Hutu Grégoire Kayibanda wurde neuer Staatspräsident.

Allerdings bestanden die Konflikte zwischen den Hutu und Tutsi weiter. Bei einem Militärputsch wurde Kayibanda 1973 abgesetzt. Sein Nachfolger General Juvénal Habyarimana schaffte alle Parteien ab und errichtete eine Einheitspartei. Nachdem Habyarimana 1993 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, gingen die Hutu grausam gegen die Tutsi vor, da sie ihnen vorwarfen, den Absturz bewusst herbeigeführt zu haben. Allein von April bis Juni 1994 sollen Milizen radikaler Hutu mindestens 750.000 Tutsi ermordet haben. Aber auch 50.000 Hutu verloren dabei ihr Leben. Das Massaker ging als der Völkermord an den Tutsi in die Geschichte ein.

Ruanda: Ruanda seit dem Jahr 2000

Nach dem Völkermord organisierte die UNO die Rückführung vieler Flüchtlinge, die Schutz in den Nachbarländern gesucht hatten. Im Jahr 2000 wurde Paul Kagame der neue Staatschef von Ruanda. Er gehört der Tutsi-Minderheit an und wurde 2003 in einem Referendum auch von den Hutu in seinem Amt bestätigt. Unter seiner Führung bemüht sich der Staat seither um die Versöhnung zwischen den Hutu und Tutsi. Dabei wurde auch viel in die Bildung und Wirtschaft des Landes investiert.

Allerdings gilt die Regierung Ruandas als autoritär. Die Menschenrechte sind stark eingeschränkt. Auch die Wiederwahl Kagames bei der Präsidentschaftswahl 2010 stand bereits im Vorfeld in der Kritik. Kagame erhielt über 90 Prozent der Stimmen. Allerdings gab es starke Repressionen gegen die Opposition, weswegen die Rechtmäßigkeit der Wahl anzuzweifeln ist.

Ruanda: Das politische System

Ruanda ist eine präsidentielle Republik. Die Verfassung wurde zuletzt 2003 geändert und per Volksabstimmung verabschiedet. Seither sind auch wieder mehrere politische Parteien zugelassen. Der Präsident wird in allgemeinen Wahlen ermittelt. Er wählt die Minister aus und ernennt den Premierminister, der die Aufgaben des Regierungschefs übernimmt.

Das Parlament besteht aus zwei Kammern: die Abgeordnetenkammer (mit 53 Sitzen) und der Senat (12 Sitze). Das Besondere: Das Parlament besitzt mit derzeit 63,8 Prozent den höchsten Frauenanteil unter den parlamentarischen Unterhäusern weltweit. Des Weiteren ist interessant, dass Ruanda auch Mitglied im Commonwealth of Nations ist, obwohl das Land keine vorhergehende koloniale Beziehung zum Vereinigten Königreich hat.

Ruanda: Fakten im Überblick

  • Hauptstadt: Kigali
  • Amtssprache: Kinyarwanda, Französisch, Englisch, Swahili
  • Fläche: 26.338 Quadratkilometer
  • Einwohnerzahl: 12,6 Millionen (Stand 2019)
  • Währung: Ruanda-Franc (RWF)
  • Verwaltungsgliederung: 5 Provinzen
  • Religion: Ahnen- und Ryangombe-Kult; Christliche Gruppen: Römisch-katholisch (55 %), Protestanten (38 %), Muslime (ca. 12 %)

Ruanda: Sprachen und Bevölkerung

Ruanda gilt als das am dichtesten bevölkerte Land Afrikas. Das Wachstum beträgt jährlich rund 2,1 Prozent. Der hohe Bevölkerungsdruck ist auch eines der Hauptprobleme für die Struktur des Landes, da der Nation kaum Industrie und Ressourcen zur Verfügung stehen. Die Bevölkerung setzt sich mehrheitlich aus der Volksgruppe der Hutu zusammen (etwa 84 Prozent). Den Tutsi kommen 15 Prozent zu. Die Twa machen gerade einmal 1 Prozent aus.

Die Bantusprache Kinyarwanda wird von nahezu allen Einwohnern Ruandas als Muttersprache und auch von 88 Prozent der Bevölkerung als einzige Sprache gesprochen. Sie ist daher auch offizielle Amtssprache. Seit der belgischen Kolonialzeit ist allerdings auch Französisch und seit 1994 Englisch als Zweitsprache geläufig. Sie gelten neben dem Swahili, das in den Handelszentren gesprochen und in Ruanda als Fremdsprache erlernt wird, zusätzlich als offizielle Amtssprachen des Landes.

Ruanda: Geografie und Städte

Ruanda ist ein ostafrikanischer Binnenstaat, der südlich vom Äquator liegt und an die Nachbarländer Burundi (im Süden), die Demokratische Republik Kongo (im Westen), Uganda (im Norden) und Tansania (im Osten) grenzt. Der Name bedeutet übersetzt: Das wachsende Land. Ruanda wird aber auch als „Land der tausend Hügel“ bezeichnet, da große Teile des Staatsgebiets von hügeligen Hochebenen durchzogen sind. Im Südosten flacht das Land etwas ab. Durch Ruanda verläuft auch die Hauptwasserscheide zwischen den Quellen des Weißen Nils und des Kongos. Im Westen teilt sich das Land den Kiwusee mit der Demokratischen Republik Kongo. Dieser Binnensee ist auch Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs.

Die Hauptstadt Kigali verteilt sich ebenfalls auf einige Hügel und liegt auf einer Höhe von 1.540 Metern. Sie wurde 1907 vom damaligen deutschen Residenten Richard Kandt gegründet. Damals siedelten schnell auch indische und arabische Kaufleute an, weshalb die Stadt auch einen Markt und ein muslimisches Viertel besitzt.

Die größten Städte Ruandas im Überblick

  • 1 Kigali: 859.332 Einwohner: Region Kigali City
  • 2 Gisenyi: 136.830 Einwohner: Region West
  • 3 Ruhengeri: 59.333 Einwohner: Region Nord
  • 4 Butare: 50.220 Einwohner: Region Süd
  • 5 Gitarama: 49.038 Einwohner: Region Süd
  • 6 Byumba: 34.544 Einwohner: Region Nord
  • 7 Cyangugu: 27.416 Einwohner: Region West
  • 8 Nyanza: 25.417 Einwohner: Region Süd
  • 9 Bugarama: 24.679 Einwohner: Region West
  • 10 Kayonza: 21.482 Einwohner: Region Ost

Ruanda: Wissenswertes zum Land

Die unterschiedlichen Höhenlagen des Landes sorgen für eine abwechslungsreiche Flora und Fauna. Die Pflanzenwelt bietet die ganze Bandbreite vom tropischen Regenwald bis hin zu Savannenlandschaften. Aufgrund der Wachstumszahlen in der Bevölkerung weichen allerdings immer mehr Waldgebiete dem Ackerland zu Bewirtschaftung. Umso mehr Bedeutung haben die Nationalparks bekommen, die Schutz für die Tierwelt bieten. Hier leben neben Elefanten auch Giraffen, Antilopen, Löwen, Leoparden, Nilpferde und Zebras. Viele von ihnen sind im Akagera-Park untergebracht. Im Gebiet der Virunga-Vulkane sind sogar noch die vom Aussterben bedrohten Berggorillas heimisch.

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