Tansania, das amtlich auch Vereinigte Republik Tansania genannt wird, war bis in die 1960er Jahre noch unter dem Namen Tanganjika bekannt. Das Land ist verhältnismäßig arm und wirtschaftlich stark agrarisch geprägt. Bis heute benötigt es Hilfe aus dem Ausland.
- Tansania war noch bis ins 20. Jahrhundert hinein deutsche Kolonie.
- Die Republik erhielt 1961 ihre Unabhängigkeit und verband sich 1964 mit Sansibar zu Tansania.
- Die Serengeti enthält einen der bedeutendsten Nationalparks weltweit.
Dodoma – Mit einer Einwohnerzahl von etwa 56 Millionen Menschen ist Tansania der Bevölkerung nach das fünftgrößte Land des afrikanischen Kontinents. Die Republik blickt auf eine wechselvolle Kolonialgeschichte zurück. Das Bruttoinlandsprodukt ist niedrig und Tansania ist auf dem Stand eines Entwicklungslandes. Dabei hat es in seinen Nationalparks einen atemberaubenden Reichtum an Flora und Fauna. Die Serengeti ist neben dem Kilimandscharo-Massiv eines der großen Aushängeschilder des Landes.
Tansania: Frühgeschichte und erste Europäer
Zahlreiche prähistorische Knochenfunde aus der Olduvai-Schlucht im Norden Tanganjikas lassen mutmaßen, dass Tansania als eine der Wiegen der Menschheit gilt. Über die Frühgeschichte des inneren Tanganjikas ist wenig bekannt. Vermutlich lebten hier ethnische Gruppen, welche die Schnalzsprache verwendeten. Mitte des ersten Jahrtausends wanderten hier die Bantu-Völker ein. Zur Mitte des zweiten Jahrtausends besiedelten die Niloten das Gebiet. Schon ab dem 8. Jahrhundert blühte der Handel mit Arabien, wodurch sich auch der Islam im Gebiet des heutigen Tansanias verbreitete.
Ende des 15. Jahrhunderts erforschte der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama als erster Europäer die afrikanische Ostküste. Die Portugiesen errichteten sowohl auf dem Festland als auch auf der Insel Sansibar Handelsstützpunkte. Allerdings wurde die portugiesische Kolonialmacht Ende des 17. Jahrhunderts durch die Expansion des Omans vertrieben. Unter arabischer Herrschaft hatte vor allem Sansibar im 19. Jahrhundert einen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen.
Tansania in der Kolonialzeit
Ein Großteil der Inland-Regionen Tansanias wurde von europäischer Seite erst im 19. Jahrhundert über Expeditionen erschlossen. Während das Interesse des Omans den Küstenregionen galt, baute die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft durch Verträge mit Stammeshäuptlingen ein privatwirtschaftliches Kolonialreich auf. Durch das Niederschlagen von Aufständen und über Englisch-Deutsche Verträge gelang es der deutschen Regierung 1891, auch offiziell die direkte Verwaltung des Gebietes zu übernehmen.
Obwohl die Infrastruktur des Landes ausgebaut und Schulen errichtet wurden, schürte die europäische Aneignung weiterhin Widerstand bei der Einwohner. Grund war die schlechte Behandlung der einheimischen Bevölkerung. Am Ende des Ersten Weltkriegs fiel Tansania an Großbritannien und war von 1921 bis 1961 britisches Mandatsgebiet. Obwohl die Bevölkerung inzwischen mehr Mitspracherecht hatte, blieb der Ruf nach Unabhängigkeit weiterhin laut.
Tansania: Die Vereinigte Republik von Tansania seit der Unabhängigkeit
1954 rief der Lehrer Julius Nyerere die Partei Tanganjika African National Union (TANU) ins Leben. Als das Land im Mai 1961 seine Autonomie errang, wurde eine neue Verfassung verabschiedet und Nyerere Premierminister. Nachdem am 9. Dezember 1961 die endgültige Unabhängigkeit erwirkt worden war, wurde Nyerere zum neuen Präsidenten des Landes gewählt. Das Land, das vor der Unabhängigkeit noch Tanganjika hieß, wurde 1964 zusammen mit Sansibar und der historischen Bezeichnung Azania in seinen heute bestehenden Namen Tansania umbenannt.
Eine schwere Wirtschaftskrise ab den späten 1970er Jahren rief neue Reformen einer staatlich kontrollierten Ökonomie auf den Plan. Erst nach einem Regierungswechsel im Jahr 1985 erfolgte die Umwandlung hin zu einer liberalen Marktwirtschaft. Zehn Jahre später wurde schließlich auch das Ein-Parteien-System mit den ersten parlamentarischen Wahlen abgeschafft.
Tansania: Das politische System
Tansania ist laut Verfassung eine föderative Präsidialrepublik. Der Staatspräsident ist sowohl Regierungschef als auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte und wird alle fünf Jahre gewählt. Er ernennt auch den Premierminister und das Kabinett. Die Legislative wird über ein Ein-Kammer-Parlament geführt: der Nationalversammlung. Diese wird auch „Bunge“ genannt, verfügt über 393 Sitze und wird ebenfalls alle fünf Jahre gewählt – zeitgleich mit dem Präsidenten.
Die Verfassung von 1992 gewährleistet ein Mehrparteiensystem. Dennoch haben die Oppositionsparteien (vor allem auf dem Festland) nur wenig Einfluss auf die Politik. Seit 1995 konnte sich die Partei der Revolution (CCM) stets die Mehrheit bei den Parlamentswahlen sichern. Sansibar kommt in der Politik eine Sonderstellung zu. Die teilautonome Republik besitzt ein eigenes Parlament, eine eigene Regierung und auch einen eigenen Präsidenten.
Tansania: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Dodoma
- Amtssprache: Swahili (Nationalsprache), Englisch (pro forma)
- Fläche: 945.087 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 55,9 Millionen (Stand 2019)
- Währung: Tansania-Schilling (TZS)
- Verwaltungsgliederung: 31 Verwaltungsregionen
- Religion: 30 bis 40 Prozent Muslime, 30 bis 40 Prozent Christen, etwa ein Drittel sind Anhänger traditioneller Religionen
Tansania: Sprachen und Bevölkerung
In Tansania werden 125 verschiedene Sprachen gesprochen. Etwa 90 Prozent der Bevölkerung sprechen Bantusprachen. Im Norden des Landes werden auch nilotische und südkuschitische Sprachen sowie die Khoisan-Sprachen Hadza und Sandawe gesprochen. Auf Sansibar wird auch noch Arabisch gesprochen, sodass alle vier großen Sprachgruppen des afrikanischen Kontinents in der Republik anzutreffen sind. Amtssprachen sind die Nationalsprache Swahili und Englisch.
Die Festland-Bewohner setzen sich zu 99 Prozent aus afrikanischen Ethnien zusammen (davon entfallen allein 95 Prozent auf die Bantu). Diese lassen sich wiederum 130 verschiedenen Volksgruppen zuordnen lassen. Hinzu kommen noch Menschen mit arabischen, indischen sowie europäischen Vorfahren. Tansania verzeichnet derzeit ein jährliches Bevölkerungswachstum von drei Prozent. Laut UN-Prognosen wird das Land, das aktuell knapp 56 Millionen Menschen zählt, bis ins Jahr 2050 auf etwa 130 Millionen Menschen angewachsen sein.
Tansania: Geografie und Städte
Tansania liegt in Ostafrika am Indischen Ozean. Es grenzt an die Nachbarländer Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Sambia, Malawi und Mosambik. Das Land hat einige besondere Landschaften zu verzeichnen. Es besitzt mit dem Tanganjikasee den zweittiefsten See der Erde. Im Nordosten des Landes erhebt sich mit dem Kilimandscharo-Massiv das höchste Bergmassiv Afrikas, in welchem sich auch der 5.895 Meter hohe Kibo befindet – der höchste Berg Afrikas.
Die Hauptstadt von Tansania ist Dodoma. Allerdings die Küstenstadt Daressalam, in der auch der Regierungssitz ist, die größte Stadt des Landes.
Die größten Städte Tansanias im Überblick
- 1 Daressalam: 4.364.541 Einwohner, Region Daressalam
- 2 Mwanza: 706.543 Einwohner, Region Mwanza
- 3 Arusha: 416.442 Einwohner, Region Arusha
- 4 Mbeya: 385.279 Einwohner, Region Mbeya
- 5 Morogoro: 315.866 Einwohner, Region Morogoro
- 6 Tanga: 273.332 Einwohner, Region Tanga
- 7 Kahama: 242.208 Einwohner, Region Shinyanga
- 8 Tabora: 226.999 Einwohner, Region Tabora
- 9 Sansibar: 223.033 Einwohner, Region Unguja Mjini Magharibi
- 10 Kigoma: 215.458 Einwohner, Region Kigoma
Tansania: Wissenswertes zum Land
Im Nordwesten des Landes befindet sich die Serengeti. Eine Savanne, die eine Fläche von etwa 30.000 Quadratkilometern umfasst. Das Wort „Serengeti“ leitet sich von der Massai-Sprache ab und bedeutet „das endlose Land.“ Das Gebiet enthält auch den Serengeti-Nationalpark, der knapp 15.000 Quadratkilometer groß ist und seit 1981 zum Weltnaturerbe der UNESCO gehört.
Hier lebt die größte zusammenhängende Gruppe an Wildtieren, angefangen von den großen Katzenarten wie Löwen, Leoparden und Geparden bis hin zu diversen Affen- und Antilopenarte sowie Nashörner, Flusspferde und Warzenschweine. In den Gewässern lebt die komplette Artenvielfalt an Reptilien (Krokodile, Schlangen, Mambas, Pythons). Und neben den Flamingos, Straußen und Pelikanen sind noch über 1.000 weitere Vogelarten hier vertreten.
Der Tourismus ist einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren für das Land. Allerdings ist Tansania verhältnismäßig arm. Zwei Drittel der Bewohner arbeiten in der Landwirtschaft – allerdings weitgehend zum Eigenbedarf. Die Massai leben allein von der Viehzucht. Die Wirtschaft ist daher stark agrarisch geprägt und hat den Status eines Entwicklungslandes. Aus diesem Grund ist Tansania auch auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen.
Auch in Sachen Menschenrechte hat das Land noch Nachholbedarf. Nicht nur die weit verbreitete Gewalt gegen Frauen stößt auf harte Kritik. In Tansania werden auch Homosexuelle, Bisexuelle und Transgender verfolgt, misshandelt und gedemütigt. Vor allem in der Metropole Daressalam und auf Sansibar kommt es laut Menschenrechtsorganisationen immer wieder zu Festnahmen von schwulen und lesbischen Menschen.