Aus Sicherheitsgründen

Ryanair lässt Eltern bei Flügen in beliebte Sommerziele draufzahlen

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Beim Billig-Flieger müssen Kinder neben ihren Eltern sitzen, was extra kostet. Trotz Unmut vieler Eltern nimmt der Familienverband die Airline in Schutz.

Dublin – Längst vorbei sind die Zeiten, in denen man auch ohne Sitzplatzreservierung neben seiner Begleitung sitzen durfte. Ohne entsprechende Zubuchung werden Passagiere heutzutage oftmals willkürlich in der Maschine verteilt. Wer also Wert auf seinen Sitznachbarn legt, ist gezwungen, Geld in die Hand zu nehmen.

Bei Ryanair haben zumindest Eltern von kleinen Kindern nicht die Wahl – mal dahingestellt, ob sie diese denn gerne hätten. Wer mit der irischen Billigairline fliegt und Kinder unter zwölf dabei hat, muss reservieren. Ungerechte Bevormundung? Aus Sicht der Fluggesellschaft nicht.

Aus Sicherheitsgründen: Ryanair verpflichtet Eltern zur Sitzplatzreservierung für ihre Kinder

Alleinreisende ab 12 Jahren können sich kostenlos einen Sitzplatz im Flieger zuweisen lassen und sich so die zusätzlichen vier bis 30 Euro Gebühren (je nach Strecke und Kategorie) für einen bestimmten Platz sparen. Ist ein Passagier jünger, muss er neben einer erwachsenen Begleitperson sitzen. Daher sind Erwachsene verpflichtet, entgeltlich zu reservieren, um das Kind bei sich zu haben. Kleinkinder bis zwei Jahren müssen auf den Schoß genommen werden. Eine Platzbuchung wird hier nicht vorausgesetzt. Nicht das erste Mal, dass es beim Billig-Flieger nach Geldmacherei riecht: einem Fluggast wurde eine satte Kuchen-Gebühr aufgebrummt.

Wegen einer Regelung hat sich die Billigairline Ryanair mit Eltern in die Haare bekommen. Familien fühlen sich ungerecht behandelt. (Symbolfoto)

Nach Aussage des Unternehmens wurde die Regelung 2016 „aus Sicherheitsgründen“ eingeführt, wie es auf der Homepage von Ryanair heißt. Und sei nach Verständnis der Fluggesellschaft eine familienfreundliche Vorgabe. „Erwachsene, die einen Sitzplatz kostenpflichtig reservieren, können dann bis zu vier Sitzplätze für ihre Kinder ohne Zusatzkosten dazubuchen“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber der Mallorca Zeitung. Zu welchem Sicherheitsrisiko Eltern werden können, demonstrierte eine unbeherrschte Mutter auf einem Italien-Flug.

Im Umkehrschluss bedeute das auch, dass nicht für jedes einzelne Familienmitglied reserviert werden müsse, wie es mitunter bei anderen Airlines der Fall ist. Etliche Beispiele zeigen, wie wichtig das gemeinsame Sitzen auch für alle anderen Fluggäste sein kann. Etwa, wenn man nicht gewillt ist, seinen Fensterplatz oder seinen First-Class-Sitz für ein Eltern-Kind-Gespann zu räumen. Eine Airline verspricht daher kinderfreie Zonen im Flieger.

Familienverband nimmt Airline in Schutz – und stört sich an etwas ganz anderem

Der Deutsche Familienverband reagiert auf die Vorgehensweise der Airline. „Eine verpflichtende Sitzplatzreservierung für einen Elternteil, fällt natürlich nicht auf Gegenliebe von Familien“, räumt Bundesgeschäftsführer Sebastian Heimann ein. Dass Familien erbost reagieren und sich benachteiligt fühlen, könne er verstehen. Verständnis habe er aber auch für die Fluggesellschaft.

„Das Thema sollte aber nicht emotional, sondern differenziert gesehen werden“, so Heimann. Er betont um den Sicherheitsgedanken hinter der Regelung. Dass Ryanair für eine erwachsene Person eine Reservierung voraussetzt und dafür bis zu vier Kindern ein Platz gewährt wird, halte er nicht für zu viel verlangt.

Stattdessen gängelt er eine andere Maßnahme, die dieses Jahr greifen und Fliegen wohl deutlich teurer machen wird. „Der Preistreiber bei Flugtickets wird für Familien aber nicht die zusätzliche Reservierung in Höhe von 6 bis 10 Euro sein, sondern die von der Bundesregierung eingeführte Ticketsteuer“, so Heimann. Im konkreten Einzelfall mache die neue Abgabe den Flug zwischen 15 und 70 Euro pro Kopf teurer; je nach Flugstrecke. Für eine fünfköpfige Familie sei das eine „nicht zu unterschätzende Besteuerung ihrer Urlaubsreise“. (rku)

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