Die Salomonen waren einst deutsche Kolonie, später britisches Protektorat. Seit seiner Unabhängigkeit 1978 leidet der Staat immer wieder an politischer Instabilität. Zusätzlich hat das Land mit Naturkatastrophen zu kämpfen.
- Die Salomonen unterstanden im ausgehenden 19. Jahrhundert zum Teil der deutschen Kolonialmacht.
- Das Land hat sich in den 1970er Jahren unabhängig gemacht und ist noch im Commonwealth of Nations.
- Seit 2019 kämpfen die Großmächte USA und China um ihren Einfluss auf den Inselstaat.
Honiara – Mit einer Landfläche von 28.896 Quadratkilometern und einer Wasserfläche von 1,35 Millionen Quadratkilometern bilden die Salomonen den größten Inselstaat der Südsee. Die Bewohner bezeichnen ihr 992 Inseln umfassendes Land als „glückliche Inseln“. Weitaus weniger glücklich verlief allerdings die wechselhafte Geschichte des Landes in den letzten Jahrzehnten. Der Staat gilt als politisch instabil und ist wirtschaftlich von anderen Großmächten abhängig. Außerdem gilt das Gebiet als Hotspot für Naturkatastrophen.
Salomonen: Erste Besiedlung und europäische Entdeckung
Die Salomonen sind vulkanischen Ursprungs und vor etwa 25 Millionen Jahren entstanden. Theorien gehen davon aus, dass die Inseln bereits vor etwa 60.000 Jahren von Neuguinea aus besiedelt worden waren. Einiges spricht auch dafür, dass sich um 4000 vor Christus Menschen hier ansiedelten und anfingen, Ackerbau und Schweinezucht zu betreiben. Später kamen aus Borneo und Papua-Neuguinea Melanesier auf die Inseln.
1568 wurden die Salomonen vom spanischen Seefahrer Alvaro de Mendaña de Neyra entdeckt. Doch nachdem dieser verstorben war, gingen die Positionsdaten der Inseln verloren. Erst 200 Jahre später wurden sie vom britischen Seefahrer Philipp Carteret wiederentdeckt und kartografiert. Der französische Offizier Louise Antoine de Bougainville begann 1768 damit, den nördlichen Bereich der Salomonen zu erforschen. Doch erst Jean François Marie de Surville blieb als erster Europäer längere Zeit auf den Inseln und gab einigen von ihnen einen französischen Namen.
Salomonen: Kolonialzeit und Weg in die Unabhängigkeit
Anfang des 19. Jahrhunderts siedelten immer mehr Händler und Missionare auf den Salomonen an. 1886 übernahm das damalige Deutsche Reich den Nordteil der Inseln und gliederten sie in das Protektorat Deutsch-Neuguinea ein. Der Südteil dagegen wurde 1893 zum „British Solomon Islands Protectorate“ zusammengefasst. 1899 tauschte Deutschland mit Großbritannien schließlich sein Protektorat gegen Westsamoa, sodass auch die restlichen Inseln unter die englische Vorherrschaft gerieten.
Während des Zweiten Weltkriegs waren die Salomonen – wie viele andere Pazifik-Inseln – Austragungsort blutiger Kämpfe zwischen Amerikanern und Japanern. Noch heute zeugen zahlreiche Schiffswracks von der berühmten Schlacht um Guadalcanal (1942/43). Nach der Schlacht bei Kap St. George am 26. November 1943 galten die Salomonen als befreit. Nach Kriegsende verblieben die Salomonen weiterhin britisches Protektorat. 1976 erhielten sie schließlich ihre innere Autonomie. 1978 wurden sie unter ihrem heutigen Namen ein unabhängiger Staat.
Salomonen: Unruhen, Katastrophen und politische Instabilität
Die Wirtschaft des neu gegründeten Staates ging unter dem ersten Ministerpräsidenten Sir Peter Kenilorea nur schleppend vorwärts. Da das Land arm an Rohstoffen ist, war es immer wieder auf ausländische Hilfe angewiesen. Obwohl 1980 Reformen in die Wege geleitet wurden, kam es immer wieder zum Streit innerhalb der Bevölkerung. Zwischen den Einwohnern von Guadalcanal und Malaita entflammte ein regelrechter Krieg, der erst mit dem Eingreifen Australiens beendet werden konnte.
Zu den ethnischen Konflikten kamen noch Naturkatastrophen hinzu. 2007 löste ein Seebeben einen Tsunami mit fünf Meter hohen Wellen aus, bei dem viele Menschen ums Leben kamen und zahlreiche Häuser zerstört wurden. 2013 folgte ein fast ähnlich starkes Beben. 2019 brach die Regierung ihre diplomatischen Beziehungen mit Taiwan ab und trat in Kontakt mit der Volksrepublik China, das Millioneninvestitionen in die Infrastruktur vorsah. Der Kurswechsel löste einen außenpolitischen Konkurrenzkampf der Großmächte um ihren Einfluss auf die Inselgruppe aus. Aber auch innenpolitisch kam es zu Ausschreitungen im Land.
Salomonen: Das politische System
Die Salomonen sind im Commonwealth of Nations und eine parlamentarische Monarchie. Der britische Monarch ist Staatsoberhaupt und wird vertreten durch einen Generalgouverneur. Das Nationalparlament der Salomonen orientiert sich an dem britischen Westminster-Modell (Mehrparteiensystem). Da es allerdings keine dominierende politische Gruppe oder eigentliche Parteipolitik gibt, kandidieren immer wieder prominente lokale Persönlichkeiten für die politischen Ämter. Da die Parlamentarier ständig wechseln, ergeben sich auch immer wieder neue Koalitionen.
Seit 2019 ist Manasseh Sogavare Premierminister. Er hatte mit Unterbrechungen bereits dreimal zuvor dieses Amt inne. Im April 2022 wurde bekannt, dass er mit China ein Rahmenabkommen zu Sicherheitsfragen abgeschlossen hatte, wodurch die Volksrepublik maßgeblich Einfluss auf die humanitäre Unterstützung und Hilfe bei Naturkatastrophen nimmt. Die USA hatten dieses Abkommen scharf kritisiert, da China sich so seine Stationierung militärischer Kräfte auf den Inseln offen halten würde.
Salomonen: Fakten im Überblick
- Hauptstadt: Honiara
- Amtssprache: Englisch
- Fläche: 28.896 Quadratkilometer
- Einwohnerzahl: 687.000 (Stand 2020)
- Währung: Salomonen-Dollar (SBD)
- Verwaltungsgliederung: 9 Provinzen, Hauptstadtbezirk Honiara
- Religion: Christentum (32,8 % anglikanische Kirche, 19,0 % Katholiken, 17,0 % Südsee-Evangelikalen Kirche, 11,2 % Adventisten, 10,3 % Methodisten, 2,4 % Anhänger des Christian Fellowship, 4,4 % andere Kirchen, 2,4 % sonstige Religionen, 0,2 % keine Religion)
Salomonen: Sprachen und Bevölkerung
Die indigene Bevölkerung besteht zu 94,5 Prozent aus Melanesiern. Nur 3,0 Prozent machen Polynesier und 1,2 Prozent Mikronesier aus. Daneben gibt es auch Zuwanderer aus China, Indien, Australien und Europa. Etwa zwei Drittel der Bevölkerung lebt auf den größeren Inseln, wie Guadalcanal, New Georgia oder Malaita.
Obwohl Englisch offizielle Amtssprache ist, wird es nur von sehr wenigen Menschen als erste Sprache gesprochen. Gerade mal ein bis zwei Prozent sprechen es auch als Muttersprache. Als Verkehrssprache ist das auf dem Englischen basierende Kreolsprache Pijin verbreitet. Als Muttersprache wird von fast allen Bewohnern der Salomonen eine der etwa 120 autochthonen Sprachen gesprochen. Diese gehören vor allem zur ozeanischen Sprachgruppe. Analog zum Anteil der indigenen Bevölkerung sprechen also 94,5 Prozent melanesische Sprachen. Der Rest teilt sich auf polynesische und mikronesische Sprachen auf.
Salomonen: Geografie und Städte
Die Salomonen befinden sich im Pazifischen Ozean und zählen zur Inselregion von Melanesien, zu der auch Papua-Neuguinea, Vanuatu, Neukaledonien und die Fidschi-Inseln gehören. Die nördlichen Salomon-Inseln gehören allerdings zu Papua-Neuguinea. Zum Staatsgebiet zählen schätzungsweise um die 992 Inseln und Atolle. Allerdings sind nur etwa 345 Inseln davon bewohnt. Hinzu kommt noch eine Reihe von künstlichen Inseln, die aus Korallenblöcken und Korallenriffen von Menschenhand angelegt worden sind.
Zu den größten Inseln zählen Guadalcanal Santa Isabel, Makira, Malaita, New Georgia und Choiseul. Die Vegetation zeichnet sich vor allem durch bewaldete Hügellandschaften aus. Auf Guadalcanal befindet sich auch die Hauptstadt Honiara.
Die größten Städte der Salomonen im Überblick
- 1 Honiara: 64.609 Einwohner, Provinz Guadalcanal
- 2 Tandai: 10.837 Einwohner, Provinz Guadalcanal
- 3 Auki: 5.105 Einwohner, Provinz Malaita
- 4 Malango: 4.636 Einwohner, Provinz Guadalcanal
- 5 Gizo: 3.547 Einwohner, Provinz Western
- 6 Noro: 3.365 Einwohner, Provinz Western
- 7 Munda: 2.843 Einwohner, Provinz Western
- 8 Kirakira: 2.074 Einwohner, Provinz Makira und Ulawa
- 9 Lata: 1.982 Einwohner, Provinz Temotu
- 10 Tulagi: 1.251 Einwohner, Provinz Central
Salomonen: Wissenswertes zum Land
Die Auswirkungen der globalen Erderwärmung sind gerade auf den Salomonen deutlich spürbar. Allein im Zeitraum von 1990 bis 2004 haben sich die Anzahl der Stürme der Kategorien 4 und 5 im Vergleich zu früher nahezu verdoppelt. Im Weltrisikobericht von 2021 haben es die Salomonen schließlich sogar auf den zweiten Platz der Länder mit dem weltweit höchsten Katastrophenrisiko geschafft. Man vermutet, dass sich nicht nur die Intensität tropischer Stürme in der Region noch weiter verstärken, sondern es auch häufiger zu Dürrephasen kommen wird.
Auch wirtschaftlich ist der Inselstaat auf Hilfe von außen angewiesen. Das Land zählt zur Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder und zu den ärmsten Staaten Ozeaniens. Vor allem die Infrastruktur der Salomonen ist schlecht ausgebaut, weswegen sie für ausländische Investoren, aber auch für den Tourismus nur wenig attraktiv sind. Zu den wichtigsten Export-Artikeln des Landes gehören Holz, Fisch, Kopra, Palmöl sowie diverse Mineralien.