An Long Covid erkrankt – vierfache Mutter (39) sammelt Geld, um nach Weihnachten zu sterben
VonKarolin Schaefer
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Eine Mutter von vier Kindern leidet besonders schwer unter Long Covid. Noch ein letztes Weihnachtsfest steht der Familie bevor. Dann will sie Sterbehilfe beantragen.
Gloucestershire – Chronische Müdigkeit, Muskelschmerzen und Überempfindlichkeit: Kelly Louise Smith-May aus dem Südwesten Englands leidet an Long Covid. Seit 18 Monaten ist die 39-Jährige ans Bett gefesselt. Jetzt trifft die Familie eine herzzerreißende Entscheidung.
Mutter leidet an Long Covid: Nur noch „der Tod kann ihr Leiden beenden“
Einmal im Monat wäscht Ehemann Stuart May ihr die Haare. Zudem muss er sie regelmäßig drehen. „Sie hat so große Schmerzen“, schilderte der 35-Jährige gegenüber DailyMail. Die Erkrankung macht es ihr nicht möglich, sich um ihre vier Kinder zu kümmern. Ihr Mann hat seinen Job als Baggerfahrer aufgegeben, um seine Frau in Vollzeit zu pflegen. „Ich hatte keine andere Wahl“, sagte er. Nun ist die Familie auf Sozialleistungen angewiesen.
Im Dezember 2021 hatte sich May mit Covid-19 infiziert. Doch die Symptome blieben. Später sei bei ihr das chronische Fatigue Syndrom (CFS) diagnostiziert worden. Das führt nicht nur zu körperlicher Schwäche, sondern verursacht unter anderem auch neurokognitive Symptome wie Konzentrations- und Wortfindungsstörungen. Laut Deutscher Gesellschaft für ME/CFS leiden Betroffene häufig an einer Überempfindlichkeit auf Sinnesreize. Deshalb muss auch die 39-Jährige in einem abgedunkelten Raum liegen.
Inzwischen sei ihr Zustand so schlecht, dass nur noch „der Tod ihr Leiden beenden könnte“, erklärte ihr Ehemann. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) werden unter Long Covid Beschwerde gefasst, die auch Wochen nach der Ansteckung mit dem Corona-Virus noch bestehen. Einer Studie zufolge schädigt Long Covid in vielen Fällen zahlreiche Organe.
Noch ein letztes Weihnachtsfest: An Long Covid erkrankte Mutter will Qualen beenden
Anfangs sei es schwer gewesen, seiner Frau die nötige Hilfe zu besorgen. Von Ärzten sei sie zunächst nicht ernst genommen worden. Nun habe die Mutter von vier Kindern seit Juni letzten Jahres das Schlafzimmer nicht mehr verlassen. Alle paar Wochen schaue ein Arzt nach ihr, erklärte ihr Ehemann der Zeitung. „Ich versuche, mich so gut wie möglich um sie zu kümmern und es ihr so angenehm wie möglich zu machen.“
Inzwischen hat die Familie eine schwere Entscheidung getroffen. Die an Long Covid erkrankte Frau möchte in der Schweiz ihr Leben beenden. Dort ist nämlich die sogenannte Suizidhilfe legal. Dabei wird Patienten eine tödliche Substanz vermittelt, die Betroffene dann ohne Fremdeinwirkung selbst einnehmen.
Auf die Idee ist May über ein Internet-Forum gekommen, indem sich Betroffene austauschen. „Wir haben viel darüber gesprochen und es ist das, was Kelly möchte“, schilderte ihr Ehemann. Doch günstig ist das nicht. 10.000 Schweizer Franken (etwa 10.500 Euro) kostet die Dienstleistung bei Pegasos, ein Schweizer Verein zur Freitodbegleitung. Ein Freund der Familie habe deshalb eine Spendenaktion ins Leben gerufen.
An Long Covid erkrankt: Familie sammelt Spendengelder für Sterbehilfe in der Schweiz
„Sie hat versucht, durchzuhalten“, heißt es auf der Gofundme-Seite. Aber ihr tägliches Leiden habe nun das Limit erreicht. Inzwischen sind fast 5000 britische Pfund (umgerechnet rund 5832 Euro) an Spendengeldern zusammengekommen (Stand: 3. Dezember 2023). Nun will die Familie zumindest noch ein letztes Weihnachtsfest gemeinsam verbringen, bevor es dann womöglich tatsächlich in die Schweiz geht.
Anmerkung der Redaktion
Wenn Sie oder eine Ihnen bekannte Person unter einer existentiellen Lebenskrise oder Depressionen leiden, kontaktieren Sie bitte die Telefonseelsorge unter der Nummer: 0800-1110111. Hilfe bei Depressionen und anderen psychischen Notfall-Situationen gibt es außerdem unter www.deutsche-depressionshilfe.de.
Dem Verein Long Covid Schweiz zufolge nehmen die Anmeldungen bei Sterbehilfeorganisationen zu. Die meisten seien zwischen 20 und 50 Jahre alt, sagte die Vizepräsidentin Florence Isler der Tageszeitung Blick. Zu Ursachen und Behandlung von Long Covid ist nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nur wenig bekannt. Schwerstbetroffene haben deshalb wenig Hoffnung auf Besserung. Die zweite Corona-Infektion soll die Gefahr für Long Covid sogar steigern.