VonMartina Lipplschließen
Auf der italienischen Urlaubsinsel Sardinien sind die Feuer inzwischen unter Kontrolle. Die Behörden vermuten in vielen Fällen Brandstiftung.
Update vom 8. August, 10.16 Uhr: Über 40 Bränden wüteten in den vergangenen Tagen auf Sardinien. Die Nordostküste und der Süden waren am stärksten betroffen. Hunderte Hektar Land liegen in Schutt und Asche. Zitrushaine brannten nieder. Das Feuer zerstörte Weideflächen und Futtermittel von Viehzuchtbetrieben sowie landwirtschaftliche Maschinen. Die Feuer sind inzwischen – auch dank Löschflugzeugen und Canadairs – unter Kontrolle.
Der italienische Katastrophenschutz konnte zehn Canadairs auf die Insel schicken, berichtet das lokale Newsportal unionesarda.it. Es grenzte an ein Wunder, dass es im restlichen Italien am vergangenen Sonntag keine größeren Brände gab, ist dort zu lesen. Die riesige Feuerfront wäre mit den zehn Hubschraubern der regionalen Flotte und den Teams vor Ort unmöglich zu bewältigen gewesen, schätzt das Nachrichtenportal.
In der Region um Posada (Nuoro) musste am Montag der Wassernotstand ausgerufen werden, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Zwischen 12.000 und 14.000 Menschen waren demnach stundenlang an der zentralen Ostküste Sardiniens ohne Trinkwasser. Der Flächenbrand hatte erhebliche Schäden an der Wasseraufbereitungsanlage verursacht. Tankwagen waren im Einsatz, bis die Wasserversorgung wieder gewährleistet ist. Hinter einigen Feuern steckt nach Angaben der Behörden Brandstiftung, die Ermittlungen laufen.
Sardinien brennt: 600 Menschen aus Urlaubs-Orten evakuiert – Ausnahmezustand
Erstmeldung vom 7. August 2023: Cagliari – Nach der Katastrophe auf Sizilien wüten jetzt Brände auf der Insel Sardinien (Italien). Die Lage ist schwierig. Heftiger Wind – Mistral – facht die Flammen an. Vom Norden bis zum Süden der Insel müssen Menschen ihre Häuser und Bauernhöfe verlassen. Ein Campingplatz im Süden wurde gerade noch evakuiert, bevor mehrere Gasflaschen explodierten, berichtet die italienische Feuerwehr Vigili del Fuoco auf Twitter. An der Ostküste Sardiniens (Provinz Nuoro) wurden Luxusvillen am Meer evakuiert.
Waldbrände auf Sardinien – 600 Menschen evakuiert
Feuer frisst sich erbarmungslos durch das Land. Die Zitrushaine von Sarrabus (Provinz Cagliari) sind bereits Opfer der Brände geworden, teilt die italienische Nachrichtenagentur Ansa mit. Am Samstagabend stand die Gegend um die Kleinstadt Muravera in Flammen. Inzwischen sind es 42 Brände, davon zwölf große. In der Nacht auf Montag berichtet die italienische Feuerwehr allein von 60 Einsätzen zwischen Nuoro und Cagliari. Canadair-Löschflugzeuge unterstützen die Bodenteams aus der Luft. Bisher mussten 600 Menschen ihre Häuser verlassen.
Im Feraxi-Gebiet zerstörte das Feuer vier Bauernhöfe. Neben Muravera, waren auch Porto Corallo in Villaputzu und San Priamo, das charakteristische Dorf San Vito von den Bränden betroffen. In der Küstenstadt Posada brannte es am Sonntag (6. August) gewaltig, wie Luftaufnahmen zeigen.
#Nuoro, #incendio di vegetazione a Monte Longu di Posada: evacuate precauzionalmente diverse abitazioni minacciate dalle fiamme che sono alimentate dal forte vento. 53 i #vigilidelfuoco al lavoro, nella clip il sorvolo dell’elicottero del Corpo nazionale #6agosto pic.twitter.com/v5HzlOaLyl
— Vigili del Fuoco (@vigilidelfuoco) August 6, 2023
Italien: Brände auf Sardinien – Bürgermeister äußert dunklen Verdacht
„Es gibt keine absoluten Gewissheiten, aber es fällt mir schwer zu glauben, dass die Flammen nicht durch Brandstiftung entstanden sind“, erklärte der Bürgermeister der Kleinstadt Muravera, Salvatore Piu laut dem italienischen Nachrichtensender Rai. „Der Schaden ist für unser Gebiet enorm, eine Wunde, die nicht leicht zu heilen sein wird. Wir werden den Ausnahmezustand ausrufen, aber wir werden hier nicht aufhören: Die Gemeinde wird eine Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft einreichen Amt gegen Unbekannt. Die Verantwortlichen für diese Gräueltat müssen hart bestraft werden.“
Das Wetterportal meteo365.es hat eine Karte der aktiven Waldbrände am Montag (7. August) auf Twitter veröffentlicht.
Active forest fires in #Sardinia 🇮🇹 pic.twitter.com/MdOt2pjKk5
— meteo365.es (@meteo365_es) August 7, 2023
Der Präsident der Region Sardinien, Christian Solinas verurteilt „die Täter dieses neuen kriminellen Massakers, das zum Schaden des sardischen Umwelterbes begangen wurde, aufs Schärfste“, berichtet die italienische Zeitung Repubblica. Die Forstbehörden wurden demnach mit der Untersuchung beauftragt.
Feuer auf Sardinien: Schilfgebiet im „Königreich der Flamingos“ brennt
Die Ursachen für die Brände sind zunächst noch unklar. Auch warum, ausgerechnet im Schilfgebiet, einem geschützten Feuchtgebiet zwischen Cagliari und Quartu – auch Königreich der Flamingos genannt – ein Feuer ausbrach.
Die Regierung in Rom kündigt indes eine Verschärfung der Strafen für Brandstiftung an. Noch vor der Sommerpause soll ein Gesetzesentwurf vorliegen. Das neue Gesetz sieht eine Erhöhung der Mindesthaftstrafe von ein auf zwei Jahre, bei einer schuldhaften Brandstiftung vor, berichtet die Nachrichtenagentur Ansa. Wer einen Brand in verursacht, soll in Zukunft mit bis zu sechs Jahren Gefängnis (zuvor vier Jahre) bestraft werden können, heißt es weiter.
Slowenien kämpft derweil mit der schwersten Naturkatastrophe in der Geschichte des seit 1991 unabhängigen Landes. Auch Kroatien und Österreich sind von schweren Unwettern betroffen. (ml)
Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter/ Vigili del Fuoco

