VonNico Reiterschließen
Viele Österreicher sind am 17. Juni nach Düsseldorf gereist, um ihr Team bei der EM zu unterstützen. Ein Redakteur berichtet von seiner mühsamen An- und Abreise.
Düsseldorf – Während sich die Österreicher gerne über den schlechten Ruf der Deutschen Bahn und die Verspätungen aus dem Ausland lustig machen, ist es weniger angenehm, das Chaos am eigenen Leib zu erfahren. Genau davon mussten sich aber etliche Fußballfans, die aus Österreich zum EM-Spiel gegen Frankreich anreisen wollten, ein Bild machen.
Deutsche Bahn trotz Vorbereitungen mit Problemen bei EM-Zügen
„Das Fahrplanangebot weitet die DB im Turnierzeitraum deutlich aus. So setzt sie etwa längere ICE ein und bietet Züge an zusätzlichen Verkehrstagen an. Außerdem werden täglich 14 EM-Sonderzüge fahren“, das kündige die Deutsche Bahn schon im Winter an. „Die zusätzlichen Kapazitäten sind vor allem für Verbindungen am späten Abend und über Nacht vorgesehen, um viele Fahrtmöglichkeiten für die Abreise von den Spielen anzubieten. So wird die DB im Turnierzeitraum die Reisemöglichkeiten nach 23 Uhr von den 10 Spielorten zu den 20 am stärksten frequentierten Fernverkehrshalten nahezu verdoppeln.“
14 Stunden EM-Anreise nach Deutschland: Reporter aus Österreich wird von Polizei aus dem Zug geholt
Doch trotz aller Vorbereitungen war die Heimreise vieler Gäste aus dem Ausland mühsam. Ein Reporter der österreichischen Zeitung oe24, der zum Spiel von Österreich gegen Frankreich am 17. Juni angereist war, teilt seine Erfahrung. Mehrere Direktzüge fahren täglich zwischen Düsseldorf, wo die Merkur Spiel Arena steht und der österreichischen Hauptstadt Wien. Schlimmstenfalls muss man in Nürnberg oder Frankfurt einmal umsteigen. Klingt eigentlich simpel. Die Reise dauert acht bis neuneinhalb Stunden. So aber nicht am Tag des EM-Spiels zwischen Österreich und Frankreich.
Reporter Thomas Zeidler-Künz brauchte satte 14 Stunden, um zum Spiel zu gelangen. Auf dem Weg hat er in Wien, Passau, Regensburg, Hanau, Frankfurt, Köln und schließlich Düsseldorf gestoppt. In Hanau wurde der Reporter eigenen Angaben zufolge von fünf Polizisten aus dem Zug geholt, weil er im Stopp davor die Tür für weitere Fans aufgehalten hatte. Für Teile der Strecke musste auf Schienenersatzverkehr umgestiegen werden.
„Zwischen Passau und Regensburg hat die Deutsche Bahn ausgerechnet unter der Europameisterschaft eine Groß-Baustelle … Nichts geht mehr keine Busse oder Taxis stehen zur Verfügung viele Österreicher stehen und nichts geht mehr … Ob das Stadion heute Abend gegen Frankreich voll ist, bezweifle ich – zumindest nicht der österreichische Sektor“, schreibt ein enttäuschter Fan auf Facebook. Hunderte waren auf der Anreise in Bayern gestrandet, die Österreicher tobten da schon über die Deutsche Bahn.
Heimreise nach EM-Spiel in Düsseldorf verspätet, Anschlüsse verpasst: Tausende Fans übernachten am Bahnhof
Aber auch die Heimreise kostete Nerven. „Schon beim Ausgang am Stadion kam es zum Stau. Über 15.000 Fans wurden über zwei viel zu schmale Treppen zur U-Bahn, die sich als bessere Straßenbahn herausstellen sollte, gelotst“, berichtet Zeidler-Künz, „Einer EURO absolut unwürdig!“
Der Nachtzug fuhr um 2.38 Uhr mit 74 Minuten ab. Viele Fans verbrachten die Nacht am Bahnhof auf dem Boden. Durch die Verspätung wurden alle Anschlusszüge hinfällig. Massenweise Reisende stecken in Nürnberg oder München fest. Erst um 13.15 Uhr am Tag nach dem Spiel konnte die erste Verbindung in Wien ankommen. „Also über 14 Stunden nach dem Abpfiff“, so der Redakteur.
Für viele Österreicher also ein ernüchterndes Match. Nicht nur die Niederlage mit 0:1 gegen Frankreich macht ihnen zu schaffen. „Der Schiri war eine Frechheit, aber die Deutsche Bahn eine noch größere. Nach heute steige ich nie wieder in einen Zug von denen ein“, zieht ein Fan das traurige Resümee. Auch in den nächsten Tagen könnte die Reise erschwert sein, warnt der Fußballverband. (nr)
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