Ausbruch

Sensations-Touristen machen Ärger am Island-Vulkan: Küstenwache muss eingreifen

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Die Aktivität der Vulkanspalte in Island lässt nach. Dennoch können sich jederzeit neue Lavarisse in der Umgebung öffnen. Schaulustige, die die Straßensperren ignorieren, halten die Einsatzkräfte auf Trab.

Grindavik - Der Vulkanausbruch auf der isländischen Halbinsel Reykjanes südlich der Hauptstadt Reykjavik hält an, doch im Moment nimmt die Aktivität ab.  In der Nacht zu Dienstag hatte sich am Sundhnúk-Krater drei Kilometer nördlich der im November evakuierten Hafenstadt Grindavik eine vier Kilometer lange Spalte gebildet, aus der 100 bis 200 Kubikmeter Lava pro Sekunde flossen. Derzeit soll laut vulkane.net nur noch an zwei Stellen des Risses Lava austreten.

Doch Hjördís Guthmundsdóttir, Naturkatastrophenexpertin des Isländischen Meteorologischen Amtes, sagt bei visir.is, es sei verfrüht, das Ende des Ausbruchs auszurufen. Erfahrungsgemäß nehme die Aktivität wellenförmig ab und zu. „Während der Sundhnúks-Krater weiterhin ausbricht, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit weiterer Ausbrüche, sowohl an der ursprünglichen Spalte als auch weiter nördlich oder südlich.“

Jederzeit könnten sich neue Lava-Spalten öffnen

Die Vorwarnzeit für neue Lava-Ausbrüche sei sehr kurz. „Wenn man sich den Vorabend des Ausbruchs ansieht, vergingen von den ersten Anzeichen bis zum Ausbruch etwa 90 Minuten. Angesichts des Beginns des Ausbruchs am Sundhnúk kann es daher sehr kurzfristig sein, dass neue Öffnungen bekannt werden.“

Die Behörden haben wegen dieser brenzligen Situation alle Straßen um die Ausbruchsspalte weiträumig gesperrt. Dennoch versuchen immer wieder Schaulustige, dem Ausbruch möglichst nahezukommen. „Es gab einige Leute, die diesen Ausbruch sehen wollten, was wir gut verstehen“, sagt Hjördís weiter. „Es gab ein paar Leute, die sich das ansehen wollten, aber die Empfehlung ist, die Finger davonzulassen, es sind keine Rettungskräfte vor Ort.“ Nur Wissenschaftler und Katastrophenschutzkräfte haben derzeit Zugang zur Ausbruchstelle.

Wanderer musste per Helikopter aus Ausbruchsregion gerettet werden

Obwohl die Polizei Sperrposten errichtet habe, fänden die Menschen ihren Weg „wie das Wasser“, sagt Hjördís. „Aber das kann schlimm ausgehen.“ Eine Person musste die Küstenwache bereits mit dem Helikopter aus dem Gefahrenbereich retten. Die Polizei berichtet: „Leider mussten wir heute Abend einen Hubschrauber rufen, um einen Wanderer abzuholen, der mitten im Ausbruch erschöpft, kalt und wackelig auf den Beinen war.“ Hjördis: „Die Leute glauben: ‚Ich schaffe das.‘ Aber das ist möglicherweise nicht immer der Fall, und ich denke, dass die Person, die geborgen wurde, ist froh, gesund und munter zu Hause zu sein.“ Sie warnt: „In dieser Dunkelheit sind die Bedingungen zum Wandern nicht gut.“ 

Ein Hubschrauber musste bereits einen erschöpften Schaulustigen retten.

Die Regionalpolizei erklärt bei Facebook, dass die Strecke zu Fuß von der Straßensperre bei Reykjanesbraut bis zu den Ausbruchsstellen neun bis zehn Kilometer beträgt. „Die ersten 500 Meter sind auf einem ordentlichen Weg, aber dann kommt eine rau verschüttete Lava, die sehr schwer zu überqueren ist. Es kann davon ausgegangen werden, dass ein normaler Wanderer etwa vier bis fünf Stunden braucht, um diesen Weg zu gehen, der überhaupt nichts für jeden ist.“

Isländische Polizei warnt ausdrücklich von Touren auf eigene Faust

Selbst wenn ein Wanderer eine Warnung vor einer neuen Lavaspalte auf das Handy bekäme, könnte die zu spät kommen. Der Tag dauert zurzeit vor Ort nur vier Stunden, die Temperatur steigt auf maximal zwei Grad plus, in der 22 Stunden langen Nacht friert es, in den kommenden Tagen sinkt das Thermometer auf minus 12 Grad. „Zudem herrscht derzeit eine erhebliche Gasverschmutzung und Unsicherheit in der Region“, warnt die Polizei.

Die Polizei hat alle Straßen um die Ausbruchsstelle gesperrt

Die Einwohner von Grindavik, die Weihnachten in Notquartieren verbringen und nicht zu Hause sind, sehen den Trubel um den Vulkan mit gemischten Gefühlen. Eine der Betroffenen, Bryndís Gunnlaugsdótti, postete bei Facebook: „Ich möchte allen mitteilen, die den Vulkan kommentieren und Bilder posten, dass über 3700 Menschen in einer großen emotionalen Achterbahn sitzen, da sie nicht wissen, ob ihr Zuhause und ihre Heimat morgen früh an Ort und Stelle sein werden. Ein Prozent der Nation leidet.“

Die Behörden in Island hatten bereits seit Wochen vor dem bevorstehendem Ausbruch gewarnt. Neben der Stadt Grindavik wurden auch das Geothermiekraftwerk in Svartsengi und das benachbarte Thermalbad Blue Lagoon evakuiert.

Rubriklistenbild: © Uncredited/Icelandic Coast Guard/AP/dpa

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