„Vier Kilometer langer Riss“

Vulkanausbruch auf Island: Lava spritzt 120 Meter hoch – jetzt bedrohen giftige Gase auch Reykjavik 

  • schließen
  • Karolin Schaefer
    Karolin Schaefer
    schließen

Lange wurde es befürchtet, nun ist ein Vulkan auf Island ausgebrochen. Bilder und Videos zeigen, wie aus einem vier Kilometer langen Riss glühende Lava quillt.

Update vom 20. Dezember, 8.30 Uhr: Die Aktivität des Vulkanausbruchs in Island am Sundhnúk hatte am Mittwochmorgen nachgelassen und sei stabil, berichtete der isländische Sender RUV. Aufgrund des starken Schneefalls sei die Sicht auf die Webcams allerdings schwierig, sagte Minney Sigurðardóttir, Expertin für Naturkatastrophen, dem Sender.

Vom vier Kilometer langen Riss zu Beginn der Eruption sei nur noch ein Drittel aktiv. Dennoch wird das Sicherheitsrisiko unmittelbar um Grindavík weiterhin als hoch eingeschätzt. Das Fischerdorf war zuvor geräumt worden. Infrastruktur wie Heizungsrohre und elektrische Leitungen seien möglicherweise gefährdet. Bebaute Gebiete sind nach aktuellem Stand aber nicht in Gefahr. Seit Mitternacht wurden zudem 24 Erdbeben nahe der Ausbruchsregion registriert.

Eine Nahaufnahme des südlichen aktiven Segments der ursprünglichen Spalte eines aktiven Vulkans in Grindavik auf der isländischen Halbinsel Reykjanes.

Vulkan bricht in Island aus: Polizei warnt vor giftigen Gasen

Update vom 19. Dezember, 20.36 Uhr: Südwestlich der isländischen Hauptstadt Reykjavik spuckte die Erde in der vergangenen Nacht Feuer. Im Laufe der Nacht bildete sich die lange Spalte, aus der etwa 100 bis 200 Kubikmeter Lava pro Sekunde flossen.

Hjördís Gudmundsdóttir von der isländischen Zivilschutzbehörde rief Isländer und Touristen dazu auf, sich bei der aktuellen Eruption vom Vulkangebiet fernzuhalten. Im isländischen Fernsehen sagte sie, sie könne gut verstehen, dass die Leute das Naturspektakel sehen wollten. Der Vulkan sei aber groß und im Vergleich zum letzten Ausbruch sehr aktiv. Die Polizei warnte auf Facebook vor giftigen Gasen, die im Vulkangebiet austreten könnten. Diese Gase könnten laut Angaben des Meteorologischen Instituts Islands im Laufe der Nacht zum Mittwoch in Richtung Reykjavík wehen und dort die Luftqualität beeinträchtigen.

Mittlerweile hat der Vulkanausbruch bei Grindavík etwas an Stärke abgenommen, wie Geowissenschaftler Magnús Tumi Gudmundsson am Dienstagmorgen dem Sender RÚV sagte. Es fließe aber weiterhin eine beträchtliche Menge an Lava. Gudmundsson erklärte im Fernsehen, dass schon wenige Stunden nach Beginn der Eruption nördlich von Grindavík ungefähr doppelt so viel Lava ausgetreten sei wie beim jüngsten Vulkanausbruch im Sommer dieses Jahres.

Update vom 19. Dezember, 11.53 Uhr: Die Lage auf Island ist offenbar unter Kontrolle. Rettungskräfte stehen zwar bereit, wurden aber bislang nicht gebraucht. Auch die Stromversorgung in Suðurnesjalína ist offenbar nicht gefährdet, schreibt RUV. Sogar Flüge von Icelandair blieben unbeeinträchtigt.

Vulkan reißt vier Kilometer langen Spalt – Eruption auf Island könnte über eine Woche dauern

Update vom 19. Dezember, 10.54 Uhr: Bis zu 120 Meter hoch spritzen die Lava-Fontänen über Island. Trotzdem gibt es gut Nachrichten für Grindavík, die Lava fließt nicht auf die Hafenstadt zu. Das hat die Küstenwache bei einem Helikopterflug beobachten können, sagt Meteorologe Björn Oddson zu RUV.

Er beschreibt: „Was wir gesehen haben, ist ein vier Kilometer langer Spalt, der sich an der alten Kraterabfolge befindet.“ Das sei der ideale Ort für den Riss. Dennoch müsse die Lage genauestens beobachtete werden, denn es ist möglich, dass sich der Spalt nach Süden ausweitet.

Aber wie lange wird der Ausnahmezustand auf Island anhalten? Vulkanologe Ármann Höskuldsson sagt: „Die Eruption könnte eine Woche bis zehn Tage dauern.“ Im Normalfall wird der Ausbruch im Laufe des heutigen Tages abschwächen, aber nicht stoppen.

Erstmeldung vom 19. Dezember, 7.09 Uhr: Reykjavik – Wochenlang rumorte es unter der Erde auf Island. Hunderte Erdbeben kündigten einen möglichen Vulkanausbruch an. Jetzt war es so weit. Auf der Reykjanes-Halbinsel ist am späten Montagabend (18. Dezember) ein Vulkan ausgebrochen.

Vulkanausbruch in Island: Vier Kilometer langer Riss nahe Fischerdorf

Wie das isländische Wetteramt mitteilte, habe die Eruption nördlich des Ortes Grindavík begonnen. Bereits Anfang November wurde die Ortschaft mit tausenden Einwohnern geräumt, unter der auch ein unterirdischer Magma-Tunnel verläuft. Riesige Risse im Boden hatten darauf hingedeutet.

Die Eruption sei am Sundhnjúka-Krater lokalisiert worden. Etwa eine Stunde zuvor sollen zahlreiche Erdbeben der Magma-Eruption vorausgegangen sein, berichtete der isländische Sender RUV. Geophysiker Benedikt Ófeigsson hatte mit einer längeren Vorwarnzeit gerechnet und sprach deshalb von einem „Worst-Case-Szenario“ gegenüber dem Sender.

Zunächst hatten Experten befürchtet, dass die Lava das Fischerdorf erreichen könnte. Inzwischen gab es allerdings Entwarnung, sagte Geophysiker Björn Oddson nach einer Lagebesprechung des Zivilschutzes gegenüber RUV. „Was wir gesehen haben, ist ein vier Kilometer langer Riss“, hieß es weiter. Allerdings müsse derzeit beobachtet werden, ob sich dieser weiter nach Süden ausdehnen könnte.

Vulkan bricht in Island aus: Bilder und Videos zeigen „gefährlichen Moment“

Auch in Richtung des geothermischen Kraftwerks Svartsengi bei Grindavík, das den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom versorgt, fließe aktuell keine Lava, sagte Vulkanologe Ármann Höskuldsson. Die Infrastruktur sei vorerst also nicht in Gefahr. Höskuldsson geht davon aus, dass die Eruption eine Woche bis 10 Tage andauern könnte.

Vulkanausbruch nach Erdbeben auf Island – Bilder vom Naturspektakel

Der Himmel färbt sich orange: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen. Zahlreiche Menschen fotografierten das Naturspektakel.
Der Himmel färbt sich glühend hell: Der Vulkanausbruch auf der Reykjanes-Halbinsel ist von der isländischen Hauptstadt Reykjavik aus zu sehen.  © Brynjar Gunnarsson/dpa
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember nach einer Erdbebenserie ausgebrochen.
Dichte Rauchsäulen und glühende Lava: Das Bild zeigt sich auf der Halbinsel Reykjanes drei Kilometer nördlich von Grindavik im Westen Islands. Der Vulkan ist am 18. Dezember ausgebrochen. © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.
Rettungskräfte und Forschende beobachten den gigantischen Ausbruch aus einem Flugzeug heraus, nur drei Kilometer nördlich von der Hafenstadt Grindavik.  © ICELANDIC COAST GUARD/AFP
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans.
Ein Mitglied eines Sicherheitsteams steht an einem Einsatzfahrzeug und blickt in Richtung eines Vulkans. © Marco Di Marco/dpa
Nach einer Erdbebenserie auf Island droht ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installieren deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten vor knapp zweieinhalb Wochen begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben, die am Freitagnachmittag nochmals an Stärke und Häufigkeit zunahmen.
Nach einer Erdbebenserie in Island drohte ein Vulkan auf der Reykjanes-Halbinsel südwestlich von Reykjavik auszubrechen. Geologen installierten deshalb zahlreiche Seismografen auf der Nordatlantik-Insel. Die Erschütterungen hatten Ende Oktober begonnen. Seitdem kam es zu Tausenden Beben. © Raul Moreno/dpa
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island könnten noch heftiger werden und letztlich zu einem Ausbruch führen.
Der Berg Thorbjörn ist ein vulkanischer Berg, der die Stadt Grindavik von der Blauen Lagune trennt. Die Erschütterungen in Island führten nun zu einem Ausbruch. © Raul Moreno/dpa
Neben der Blauen Lagune steigt Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Ein Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen.
Neben der Blauen Lagune stieg im November Dampf vom geothermischen Kraftwerk Grindavik auf. Das Kraftwerk versorgt den Hauptflughafen Keflavik und die Region im Süden mit Strom. Der Vulkanausbruch könnte die Infrastruktur lahmlegen. © Raul Moreno/dpa
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines möglicherweise bevorstehenden Vulkanausbruchs ist auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt worden. Das Geothermalbad Blaue Lagune bleibt voraussichtlich bis zum 16. November geschlossen.
Angesichts der anhaltenden Erdbebenserie und eines des bevorstehenden Vulkanausbruchs wurde auf Island eine der größten Touristenattraktionen des Landes vorübergehend gesperrt: Das Geothermalbad Blaue Lagune blieb geschlossen. © Blue Lagoon Iceland/dpa
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem möglichen Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber haben die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner in der Nacht zu Samstag (11. November) evakuiert.
Die Hafenstadt Grindavik auf der Halbinsel Reykjanes im Südwesten des Landes wird von dem Vulkanausbruch bedroht. Sicherheitshalber hatten die isländischen Behörden die rund 3700 Anwohnerinnen und Anwohner bereits in der Nacht zu Samstag (11. November) einmal evakuiert. © Raul Moreno/dpa
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen.
Nach seismischer Aktivität stieg Dampf aus einer Spalte in einer Straße. Infolge des Erdbebenschwarms teilten breite Risse regelrecht ganze Straßen. © Brynjar Gunnarsson/dpa
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen in gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten werden bereits wieder zugeschüttet.
Zahlreiche Straßen in Grindavik sind durch die Erschütterungen gerissen und in sich zusammengesackt. Unterhalb der Stadt verläuft ein 15 Kilometer langer Magma-Tunnel bis unter den Meeresboden. Die ersten Spalten wurden bereits wieder zugeschüttet. © imago
Bei den Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.
Bei den hunderten Erdbeben ist auch ein Riss in der Fassade eines Hauses entstanden. Die seismische Aktivität beschädigte Straßen und Gebäude in der Stadt. Nach Angaben des Zivilschutzchefs Vídir Reynisson seien die Schäden größer als bisher angenommen.  © Kjartan Torbjoernsson/AFP
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. Die Lage auf der von einem Vulkanausbruch bedrohten isländischen Halbinsel Reykjanes hatte sich in der Nacht zu Montag etwas beruhigt.
Eine kilometerlange Schlange von Autos hatte sich vor Grindavik gebildet. Die Einwohnerinnen und Einwohner durften am Montag (13. November) und Dienstag (14. November) kurz in ihre Häuser zurückkehren und wichtige Dinge in Sicherheit bringen. © Brynjar Gunnarsson/dpa

Wie viel Schaden der Vulkanausbruch letztlich anrichten wird, ist noch nicht absehbar, schrieb Islands Präsident Gudni Jóhannesson in der Nacht zu Dienstag (19. Dezember) bei Facebook. Er bat die Menschen vor Ort, „in diesem gefährlichen Moment“ allen Empfehlungen der Rettungsdienste zu folgen.

In den sozialen Medien häufen sich bereits Bilder und Videos des Naturspektakels. Die orange-rot glühende Lava-Fontäne quillt aus einem eindrucksvollen Riss und erhellt den Nachthimmel. Die Polizei wies allerdings daraufhin, sich aus Sicherheitsgründen dem Vulkan nicht zu nähern.

Erdbebenserie kündigt Vulkanausbruch in Island an: Fischerdorf sicherheitshalber geräumt

Als bereits die ersten Erdbeben vor Wochen einen möglichen Vulkanausbruch in Island andeuteten, wurde das Fischerdorf Grindavík geräumt. Rund 4000 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Die nur rund 40 Kilometer südwestlich von der Hauptstadt Reykjavik entfernte Touristenattraktion Blaue Lagune war nach einer vorübergehenden Schließung erst am Wochenende wieder geöffnet worden.

Zum Zeitpunkt der Eruption soll sich hier aber kein Besucher aufgehalten haben. Die Bewohner von Grindavík konnten zuletzt zwar wieder tagsüber ihre Häuser betreten, gänzlich zurückkehren durften sie aber nicht. Erst kürzlich war der Ätna in Italien ausgebrochen. Auch bei einem weiteren Supervulkan bei Neapel befürchten Forscher einen Ausbruch. (kas/dpa)

Rubriklistenbild: © Marco Di Marco/dpa

Kommentare