Neue Harvard-Studie

Schlaganfall-Risiko lauert im Erbgut: Forscher decken stille Bedrohung auf

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Harvard-Wissenschaftler weisen einen Zusammenhang zwischen verkürzten Chromosomen-Enden und Hirnerkrankungen im Alter nach. Dagegen lässt sich etwas tun.

Frankfurt – Der Lebensstil kann ein entscheidender Faktor dafür sein, ob Menschen im Laufe ihres Lebens gesund bleiben oder ob sie früher oder später eine schwerwiegende Erkrankung erleiden. Auch wenn die Lebensführung eng mit der körperlichen und seelischen Gesundheit verknüpft ist, trägt neben ihr auch ein weiterer Aspekt bekanntermaßen stark dazu bei, ob Menschen bis ins hohe Alter gesund bleiben oder nicht: die genetische Veranlagung.

Nun brachten Forscher der Harvard Medical School in Boston mittels einer Studie eine neue Errungenschaft in der Erbgut-Forschung hervor. Im Fokus der Wissenschaftler stand die Frage, ob die Leukozyten-Telomerlänge (LTL) – bei Telomeren handelt es sich um kleine Schutzkappen an Chromosomen-Enden – mit der Ausbildung von Krankheiten wie Demenz, Depressionen und Schlaganfällen im höheren Lebensalter zusammenhängen könnte.

Studie identifiziert Indikator von erhöhtem Risiko für Schlaganfall und anderen Hirnkrankheiten

Für ihre Untersuchung, die im Fachmagazin Neurology erschien, werteten die Wissenschaftler Gesundheitsdaten von insgesamt 356.173 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Großbritannien aus, deren Durchschnittsalter bei 56 Jahren lag. Im Mittel untersuchten die Wissenschaftler die Studienteilnehmer über einen Zeitraum von sieben Jahren. Dabei fiel den Forschern auf, dass Menschen mit verkürzten Telomerlängen im Vergleich zu solchen mit längeren Chromosomen-Enden tatsächlich ein erhöhtes Potenzial für die Ausbildung verschiedener Krankheiten mitbrachten.

Mikroskop-Aufnahme von assemblierenden Chromosomen (Symbolbild)

In der Gruppe mit den kürzesten Leukozyt-Telomeren bildeten pro Jahr der Studie etwa sechs von 1000 Personen eine Krankheit aus. In der Gruppe der Teilnehmer mit den längsten Telomeren erkrankten Patientinnen und Patienten dagegen nur in 3,92 von 1000 Fällen. Auf Basis dieser Daten errechneten die Forscherinnen und Forscher ein um 11 Prozent erhöhtes Risiko für Menschen mit kürzeren Telomeren, an einem Schlaganfall, einer Demenz oder einer Altersdepression zu erkranken.

Studie zu Schlaganfall und anderen Hirnkrankheiten: Telomere gelten auch als Indikator für Zllalterung

Telomere bestehen aus sich wiederholenden DNA-Sequenzen und können mehrere Tausend Basenpaare lang sein. Sie lassen sich quasi als Schutzkappen an den Enden von Chromosomen vorstellen, durch die verhindert werden, dass sie mit anderen Chromosomen-Enden verschmelzen, was wissenschaftlich eine sogenannte Degradation darstellen würde. Infolge einer jeden Zellteilung werden die Telomere kürzer, wodurch sie in der Forschung auch als Biomarker für die Alterung der Zellen und die körperliche Immunleistung angesehen werden.

Je kürzer Telomere sind, desto älter erscheinen die Zellen aus biologischer Sicht. Es ist wissenschaftlich bekannt, dass neben dem Altern als genereller Aspekt auch noch andere Faktoren die Verkürzung von Telomeren und damit auch die Zellalterung beschleunigen. Dazu gehören mitunter:

  • Bewegungsmangel
  • Chronischer Stress
  • Rauchen
  • Ungesunde bzw. unausgewogene Ernährung

Die Zellalterung lässt sich mit dem Lebensstil beeinflussen – was sich Positives tun lässt

Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch, dass sich der Zellalterung, beziehungsweise der Verkürzung von Telomeren, entgegen wirken lässt: Das geht etwa, indem Risikofaktoren wie chronischer Stress oder das Rauchen gemieden werden und sich um eine bewusstere Lebensweise mit ausreichend Bewegung und reichhaltiger und diverser Ernährung gesorgt wird. Das Portal Orthomol weist etwa darauf hin, dass freie Radikale zu den Triebkräften der Zellalterung gehören und eine Ernährung reich an Antioxidantien sich dem entgegen positiv auswirkt.

Die als „Radikalfänger“ bekannten Antioxidantien finden sich vor allem in Obst und Gemüse, aber auch in Hülsenfrüchten. So empfiehlt etwa die Krankenkasse AOK, für eine antioxidantienreiche Ernährung auf grüne Trauben, Blau- und Johannisbeeren, oder Äpfel und Kirschen zurückzugreifen. Unter den Gemüsen wirken sich unter anderem Brokkoli, rote Beete, rote Zwiebeln, Spinat, Paprika und Knoblauch gut auf den Antioxidantien-Haushalt im Körper aus. Empfehlenswert sind aber auch Vollkornprodukte, dunkle Schokolade (mit mindestens 70 Prozent Kakaoanteil) und hochwertige naturbelassene Öle, darunter vor allem Oliven- und Nussöle.

Auch wenn Alkohol – vor allem in größeren Mengen – alles andere als förderlich für die Zellgesundheit ist, gibt es bestimmte Rotwein-Rebsorten, die reich an Antioxidantien sind. Als „Wein der Hundertjährigen“ wird etwa der Rotwein „Cannonau“ aus Sardinien bezeichnet, wie Science and Wine erklärt. Als Rotweine mit einem hohen Gehalt an Antioxidantien gelten auch der Sagrantino aus Umbrien sowie generell die Rebsorte Pinot Noir. (fh)

Rubriklistenbild: © Xinhua/IMAGO

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