Land in Europa verteilt Anti-Rauch-Medikament gratis – trotz empfindlicher Nebenwirkungen
VonKarolin Schaefer
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Großbritannien verteilt kostenlose Medikamente, um den Zigarettenkonsum im Land zu bekämpfen. Trotz Nebenwirkungen scheinen sie effektiv zu sein.
London – In Deutschland gilt Rauchen als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Obwohl laut dem Bundesgesundheitsministerium seit den 1980er Jahren der Anteil der Raucherinnen und Raucher zurückgeht, sterben in hierzulande jedes Jahr über 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Großbritannien will dem aktiv entgegenwirken.
Mit dem Rauchen aufhören: Land in Europa verteilt kostenlose Medikamente
Um mit dem Zigaretten-Konsum aufzuhören, verteilt Großbritannien nikotinfreie Medikamente – darunter Vareniclin, Cytisin und Bupropion. Alle drei Präparaten sollen dabei helfen, „mit dem Rauchen aufzuhören“, heißt es auf der Webseite des National Health Service (NHS).
„Sie sind vielleicht weniger bekannt als andere Produkte, aber sie sind unglaublich wirksam“, so die britische Gesundheitsbehörde weiter. Raucherinnen und Raucher könnten die Anti-Rauch-Medikamente auf Rezept bei der Hausärztin oder dem Hausarzt bekommen – und das sogar kostenlos.
Nach Angaben des Cancer Research UK soll Vareniclin die Nikotin-Wirkung im Gehirn blockieren und das Verlangen danach eindämmen. Zudem soll es Entzugserscheinungen mindern. Schon 2016 belegte eine Studie der Universität Oxford die Wirksamkeit des Medikaments. Das Ergebnis: Bereits zwei Wochen nach Beginn der Einnahme hörten viele mit dem Rauchen auf. Zudem waren 23 von 100 Personen nach sechs bzw. zwölf Monaten rauchfrei.
Kostenloses Medikament für Raucherinnen und Raucher – aber nicht ohne Nebenwirkungen
Damit ersetzt Vareniclin das bisherige Präparat Champix. Dies wurde wegen Verunreinigungen vorsorglich vom Markt genommen. Die Arzneimittelbehörde hat Vareniclin als sicher eingestuft. Allerdings kommt auch dieses Medikament nicht ohne Nebenwirkungen aus. Laut dem ARD-Magazin „Brisant“ sind folgende Nebenwirkungen möglich:
Seit einigen Jahren werden auch in Deutschland die Kosten für verschreibungspflichtige Anti-Rauch-Medikamente und Nikotinersatzprodukte von den Krankenkassen übernommen. Allerdings nur bei einer schweren Tabakabhängigkeit. Nach frühstens drei Jahren besteht ein erneuter Anspruch auf Kostenübernahme. In anderen Ländern tut sich ebenfalls etwas. So will Slowenien Ende 2025 strengere Vorschriften beschließen, wie das Verbot von aromatisierten E-Zigaretten. In Kroatien soll das Rauchen rund um Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen verboten werden.
Sterben zehn Jahre früher: Warum es sich lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören
Dabei gibt es allen Grund, um mit dem Rauchen aufzuhören. Wie die Deutsche Herzstiftung informiert, sterben Raucherinnen und Raucher durchschnittlich zehn Jahre früher als Nichtrauchende. Zudem sei das Risiko für Gefäßerkrankungen und einen Herzinfarkt besonders hoch. Der Stiftung zufolge reiche es nicht, einfach auf E-Zigaretten umzusteigen. Wichtig sei, dauerhaft aufzuhören. Dafür sollten sich Betroffene konkrete Ziele setzen und ablenken, wenn das Rauchverlangen auftritt.
„Manchmal hilft es schon, ein Glas Wasser zu trinken und die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten – vielleicht gewöhnen Sie sich an, in solchen Momenten Obst oder Gemüse griffbereit zu haben“, heißt es. Auch körperliche Bewegung könne helfen. Erst kürzlich zeigte eine Studie, dass Rauchen zu deutlich weniger Lohn führen kann. (kas)