„Unglaublich wirksam“

Land in Europa verteilt Anti-Rauch-Medikament gratis – trotz empfindlicher Nebenwirkungen

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Großbritannien verteilt kostenlose Medikamente, um den Zigarettenkonsum im Land zu bekämpfen. Trotz Nebenwirkungen scheinen sie effektiv zu sein.

London – In Deutschland gilt Rauchen als das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Obwohl laut dem Bundesgesundheitsministerium seit den 1980er Jahren der Anteil der Raucherinnen und Raucher zurückgeht, sterben in hierzulande jedes Jahr über 127.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums. Großbritannien will dem aktiv entgegenwirken.

Mit dem Rauchen aufhören: Land in Europa verteilt kostenlose Medikamente

Um mit dem Zigaretten-Konsum aufzuhören, verteilt Großbritannien nikotinfreie Medikamente – darunter Vareniclin, Cytisin und Bupropion. Alle drei Präparaten sollen dabei helfen, „mit dem Rauchen aufzuhören“, heißt es auf der Webseite des National Health Service (NHS).

„Sie sind vielleicht weniger bekannt als andere Produkte, aber sie sind unglaublich wirksam“, so die britische Gesundheitsbehörde weiter. Raucherinnen und Raucher könnten die Anti-Rauch-Medikamente auf Rezept bei der Hausärztin oder dem Hausarzt bekommen – und das sogar kostenlos.

Der regelmäßige Zigaretten-Konsum kann erhebliche Gesundheitsfolgen haben.

Nach Angaben des Cancer Research UK soll Vareniclin die Nikotin-Wirkung im Gehirn blockieren und das Verlangen danach eindämmen. Zudem soll es Entzugserscheinungen mindern. Schon 2016 belegte eine Studie der Universität Oxford die Wirksamkeit des Medikaments. Das Ergebnis: Bereits zwei Wochen nach Beginn der Einnahme hörten viele mit dem Rauchen auf. Zudem waren 23 von 100 Personen nach sechs bzw. zwölf Monaten rauchfrei.

Kostenloses Medikament für Raucherinnen und Raucher – aber nicht ohne Nebenwirkungen

Damit ersetzt Vareniclin das bisherige Präparat Champix. Dies wurde wegen Verunreinigungen vorsorglich vom Markt genommen. Die Arzneimittelbehörde hat Vareniclin als sicher eingestuft. Allerdings kommt auch dieses Medikament nicht ohne Nebenwirkungen aus. Laut dem ARD-Magazin „Brisant“ sind folgende Nebenwirkungen möglich:

  • Übelkeit
  • Kopfschmerzen
  • Erbrechen
  • Blähungen
  • Schlafstörungen
  • Benommenheit
  • Schwindel

Zudem könne das Präparat andere Medikamente wie Diabetes-Wirkstoffe beeinflussen. Nach Angaben der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) können auch Reizbarkeit, Mundtrockenheit und Fatigue auftreten. Die Folgen des Medikaments dürften aber dennoch nicht so schwer wiegen, wie die einer jahrelangen Tabakabhängigkeit. Auch Jahre nach der Rauchentwöhnung ist das Immunsystem noch geschädigt. Zudem verkürzt jede Zigarette das Leben um 20 Minuten.

Zehn Krebsarten mit den geringsten Überlebenschancen

Menschliche Körper
Das Mesotheliom zählt zu den tödlichsten Krebsarten. Laut Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) liegt die 5-Jahres-Überlebensrate bei nur knapp über zehn Prozent. Beim Mesotheliom handelt es sich um einen seltenen Tumor des Weichteilgewebes. Überwiegend Männer im höheren Lebensalter sind davon betroffen. Diagnostiziert wird er meistens im Brustfell, seltener im Bauchfell.  © Zoonar.com/ersin arslan/IMAGO
Menschlicher Körper mit Bauchspeicheldrüse
Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Pankreaskrebs gilt als eine der tödlichsten Krebsarten überhaupt. Nur etwa sieben bis acht Prozent der Patienten überleben die ersten fünf Jahre nach einer Diagnose. Häufig wird der Tumor zu spät erkannt und bildet Metastasen. Zudem kommt er oftmals nach einer Therapie wieder zurück. © Zoonar.com/ersin arslan/IMAGO
Leber
Auch wenn Leberkrebs relativ selten ist, so gehört er dennoch wegen seiner schlechten Prognose zu den häufigsten Krebstodesursachen. In Deutschland treten rund 9.500 neue Fälle im Jahr auf, bei ungefähr 8.000 Todesfällen. Das relative 5-Jahres-Überleben sowohl bei Männern als auch bei Frauen liegt bei etwa 15 Prozent. Die Prognose hängt dabei vom Zustand der Leber und vom Stadium der Krebserkrankung ab. © Science Photo Library/IMAGO
Person hält Zigarette in der Hand
Rauchen bzw. Tabakkonsum ist der Hauptrisikofaktor für Lungenkrebs, dessen Prognose in der Regel ebenfalls ungünstig ist. Laut RKI liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei Frauen bei rund 21 Prozent, bei Männern bei rund 15 Prozent. Auch hier unterscheiden sich die Überlebensaussichten jedoch deutlich nach dem Stadium der Krebserkrankung. Allerdings wird Lungenkrebs meist spät entdeckt, da er im frühen Stadium meist keine Beschwerden verursacht.  © ETfoto/IMAGO
Frau hält Modell von Gehirn in Händen
Das zentrale Nervensystem (ZNS) befindet sich im Schädel und im Wirbelkanal in der Wirbelsäule. Es umfasst alle Nerven und Nervenbahnen im Gehirn und Rückenmark. Krebserkrankungen des ZNS betreffen zu 95 Prozent das Gehirn, während sich die restlichen fünf Prozent auf vier Bereiche verteilen: das Rückenmark, Hirn- und Rücken­marks­häute und Hirn­nerven. Krebserkrankungen des ZNS zählen zu den gefährlicheren Krebsarten. Bei Männern liegt demnach die relative 5-Jahres-Überlebensrate für bösartige ZNS-Tumore bei 21 Prozent, für Frauen bei 24 Prozent. Trotz Forschung sind die genauen Ursachen für die verschiedenen Hirntumore weitgehend unklar. Über die Risikofaktoren ist deshalb wenig bekannt.  © Mareen Fischinger/IMAGO
Person hält sich Hände an Bauch
Gallenblasenkrebs und Gallengangkrebs kann sich unter anderem durch Bauchschmerzen im oberen Bauch bemerkbar machen. Schuld daran sind bösartige Tumore in der Gallenblase beziehungsweise in den Gallenwegen. Nur wenige Patienten mit der Krebserkrankung sind fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Die relativen 5-Jahres-Überlebensraten bei bösartigen Tumoren der Gallenblase und der Gallenwege betragen bei Männern 20 Prozent und für Frauen 17 Prozent und sind damit relativ niedrig. © Iordache Magdalena/IMAGO
Speiseröhre
Auch der Speiseröhrenkrebs zählt zu den Krebsarten mit ungünstigen Überlebensaussichten. Mit einer Rate von circa 90 Prozent ist er bezogen auf die Mortalitätsrate (Anzahl der Gestorbenen im Verhältnis zu den Erkrankten) mit am tödlichsten. Jedoch ist die Anzahl der Erkrankten bei dieser Krebsart auch niedriger. Die relative 5-Jahres-Überlebensrate liegt für Männer bei 22 Prozent, für Frauen bei 24 Prozent. Alkohol, Rauchen und Übergewicht zählen zu den wichtigsten Risikofaktoren. © Science Photo Library/IMAGO
Frau bekommt Magenspiegelung
Die wichtigste und aussagekräftigste Untersuchung, um einen Magentumor feststellen zu können, ist die Magenspiegelung (Gastroskopie). Da die Krebserkrankung häufig erst spät erkannt wird, ist sie meist nicht mehr heilbar. Das macht die Prognose der Lebenserwartung bei Magenkrebs relativ ungünstig. Fünf Jahre nach der Diagnose lebt etwa nur noch ein Drittel der Betroffenen. Zwar haben sich laut RKI die Überlebensaussichten in letzter Zeit verbessert. Allerdings bleiben sie im Vergleich zu anderen Krebsarten immer noch ungünstig. Bei Frauen liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate demnach bei 37 Prozent, für die Männer bei 34 Prozent. © Kzenon/IMAGO
Eierstock
Eierstockkrebs ist um ein Vielfaches tödlicher als beispielsweise Brustkrebs. Laut RKI sind die Überlebensaussichten von Patientinnen mit Eierstockkrebs relativ schlecht. Aktuell liegt die relative 5-Jahres-Überlebensrate bei 42 Prozent. Je früher die Krankheit jedoch erkannt wird, desto besser sind die Überlebenschancen. Da die Symptome allerdings unspezifisch sind, ist eine Früherkennung des sogenannten Ovarialkarzinoms kaum möglich. So überleben nur knapp 50 Prozent der betroffenen Frauen nach fünf Jahren mit dem Krebs. © Zoonar.com/ersin arslan/IMAGO
Knochenmark
Eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks wird als Multiples Myelom bezeichnet. Dabei stellt es eine bösartige Vermehrung Antikörper produzierender Plasmazellen dar. Die Erkrankung tritt meist zuerst im Knochenmark auf, wo sie häufig mehrere Erkrankungsherde (z.B. Knochenbrüche, Blutbildveränderungen) bildet. Mit einer relativen 5-Jahres-Überlebensrate von 54 Prozent bei Frauen und 56 Prozent bei Männern ist auch ihre Prognose eher ungünstig. So ist mit einer dauerhaften Heilung in der Regel nicht zu rechnen. © Zoonar.com/ersin arslan/IMAGO

Seit einigen Jahren werden auch in Deutschland die Kosten für verschreibungspflichtige Anti-Rauch-Medikamente und Nikotinersatzprodukte von den Krankenkassen übernommen. Allerdings nur bei einer schweren Tabakabhängigkeit. Nach frühstens drei Jahren besteht ein erneuter Anspruch auf Kostenübernahme. In anderen Ländern tut sich ebenfalls etwas. So will Slowenien Ende 2025 strengere Vorschriften beschließen, wie das Verbot von aromatisierten E-Zigaretten. In Kroatien soll das Rauchen rund um Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen verboten werden.

Sterben zehn Jahre früher: Warum es sich lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören

Dabei gibt es allen Grund, um mit dem Rauchen aufzuhören. Wie die Deutsche Herzstiftung informiert, sterben Raucherinnen und Raucher durchschnittlich zehn Jahre früher als Nichtrauchende. Zudem sei das Risiko für Gefäßerkrankungen und einen Herzinfarkt besonders hoch. Der Stiftung zufolge reiche es nicht, einfach auf E-Zigaretten umzusteigen. Wichtig sei, dauerhaft aufzuhören. Dafür sollten sich Betroffene konkrete Ziele setzen und ablenken, wenn das Rauchverlangen auftritt.

„Manchmal hilft es schon, ein Glas Wasser zu trinken und die Aufmerksamkeit auf etwas anderes zu richten – vielleicht gewöhnen Sie sich an, in solchen Momenten Obst oder Gemüse griffbereit zu haben“, heißt es. Auch körperliche Bewegung könne helfen. Erst kürzlich zeigte eine Studie, dass Rauchen zu deutlich weniger Lohn führen kann. (kas)

Rubriklistenbild: © Burkhard Schubert/imago

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