Ausschreitungen in Frankreich halten an

Todesfall bei neuen Krawallen in Frankreich: Junger Mann stürzt von Dach

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Die gewalttätigen Proteste in Frankreich dauern an. In einem Vorort der Normandie verunglückt ein junger Mann – Frankreichs Präsident Macron appelliert an Eltern.

Petit-Quevilly – In Frankreich kommt es auch in der vierten Nacht vielerorts weiterhin zu Gewaltausbrüchen. Und es ist kein Ende in Sicht. In der Nacht zum Samstag sind mehr als 45.000 Polizisten erneut im Einsatz, rund 1300 Menschen werden festgenommen.

Bei den Massenprotesten ist ein junger Mann in einem Vorort der nordfranzösischen Stadt Rouen beim Sturz von einem Dach eines Supermarktes gestorben. Wie Le Parisien berichtet, seien nach Aussagen der Polizei und Staatsanwaltschaft die genauen Todesumstände allerdings noch unklar. Laut der Staatsanwaltschaft ist das etwa 20-jährige Opfer gemeinsam mit einem anderen Jugendlichen gegen fünf Uhr morgens auf das Dach des Supermarkts in Petit-Quevilly gestiegen, wo es dann zum tragischen Sturz kam.

Proteste in Frankreich halten an: Macron appelliert an Eltern und soziale Medien

Auslöser der Unruhen in Frankreich ist der Tod eines 17-Jährigen mit nordafrikanischen Wurzeln, der am Dienstag (27. Juni) bei einer Polizeikontrolle erschossen wird. Seit dem Vorfall entlädt sich die Wut der Menschen auf Frankreichs Straßen. Nach Aussagen von Präsident Emmanuel Macron handelt es sich beim Großteil der Festnahmen um „teils sehr junge“ Menschen. Wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, nahm Macron nach dem Krisentreffen am Freitag die Eltern der jungen Protestler in die Pflicht. Sie müssten ihre jugendlichen Kinder von der Teilnahme an Krawallen abhalten. Der Präsident machte auch die sozialen Netzwerke für die Gewalteskalation der vergangenen Tage verantwortlich. Dort seien gewalttätige Versammlungen organisiert worden. Aufgrund der derzeitigen Unruhen, sagte Macron seinen Deutschland-Besuch ab.

Laut The Guardian ist es der dritte tödliche Schuss durch die Polizei bei Verkehrskontrollen in Frankreich in diesem Jahr. Nach Informationen der britischen Zeitung gab es im vergangenen Jahr 13 derartige Vorfälle und 2021 zwei. Die meisten Opfer tödlicher Polizeischüsse seit 2017 waren schwarzer oder arabischer Herkunft, was die Behauptungen von Menschenrechtsgruppen über systematischen Rassismus in den französischen Strafverfolgungsbehörden untermauert.

Mehrere Nächte in Folge: Krawalle in Frankreich dauern an.

Frankreich: UN-Menschenrechtsbüro in Genf übt Kritik an französischer Polizei

Wie n-tv berichtet, forderte das UN-Menschenrechtsbüro in Genf die französische Polizei auf, angesichts der andauernden Unruhen in Frankreich, sich mit Rassismus in den eigenen Reihen auseinanderzusetzen. „Dies ist der Zeitpunkt für das Land, sich ernsthaft mit den tiefgreifenden Problemen von Rassismus und Diskriminierung in den Strafverfolgungsbehörden auseinanderzusetzen“, sagte eine Sprecherin in Genf. Das Pariser Außenministerium wies den Vorwurf jedoch zurück und gab an, dass „Frankreich und seine Ordnungskräfte entschlossen gegen Rassismus und alle Formen der Diskriminierung“ kämpfe.

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Seit Wochen protestierten bereits Hunderttausende Menschen in Paris und anderen Städten wegen Macrons Rentenreform. Es kommt zu Gewaltausbrüchen – ein Experte erklärt, warum in Frankreich Demonstrationen eskalieren, aber in Deutschland nicht. (dpa/Vivian Werg)

Rubriklistenbild: © Christophe Ena/ dpa

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