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Nail Akkoyun
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Stefan Krieger
Jens Kiffmeier
Daniel Dillmann
Der Tod eines Jugendlichen bei einer Polizeikontrolle löst schwere Unruhen in Frankreich aus. Es kommt zu Krawallen. Auch andere Länder sind betroffen. Der News-Ticker.
- Beruhigung der Lage: Krawalle in Frankreich lassen langsam nach
- Krawalle schwappen über: Auch in der Schweiz kommt es zu Unruhen
- Nach Ausschreitungen: Präsident Emmanuel Macron sagt Deutschlandbesuch ab
Update vom 3. Juli, 18.55 Uhr: Frankreich mobilisiert in der Nacht zum Dienstag wieder 45.000 Polizisten, um bei befürchteten Unruhen einzuschreiten. Auch wenn die Gewalt nachgelassen habe, hätten die Wogen sich noch lange nicht geglättet, hieß es von der Regierung. Innenminister Gérald Darmanin rechtfertigte den Einsatz von Spezialeinheiten und gepanzerten Fahrzeugen: Das habe dazu beigetragen, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Von Zerstörungen und Plünderungen betroffenen Geschäftsleuten stellte der Minister Unterstützung in Aussicht. Verschiedene französische Städte und Regionen kündigten unbürokratische Hilfsfonds an, um Kaufleuten zu helfen.
Frankreich sei ein Rechtsstaat und auch die Polizei unterstehe dem Gesetz, betonte die Regierung weiter. Die französische Polizei habe keine Probleme mit Rassismus und dem Schusswaffengebrauch, hieß es. Der Tod des Jugendlichen sei tragisch und bewege verständlicherweise die Gemüter. Professionalität und Augenmaß habe die Polizei gerade in den vergangenen Tagen bewiesen. Trotz heftiger Ausschreitungen habe es weder auf der Seite der Randalierer noch aufseiten der Beamten Tote gegeben.
Update vom 3. Juli, 17.00 Uhr: Nicht nur Krawalle gewaltbereiter Jugendlicher erlebte Frankreich in den vergangenen Tagen und Nächten: Berichten zufolge ziehen auch Neonazis marschierend und Parolen skandierend durch die Straßen. Ein Soziologe befürchtet eine Krise für die „Stabilität der Exekutive“.
Update vom 3. Juli, 8.40 Uhr: Nach Angaben des Elysée-Palasts wird Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Montag (3. Juli) die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, und den Präsidenten des Senats, Gérard Larcher, empfangen. Am Dienstag sei dann ein Treffen mit den Bürgermeistern von mehr als 220 Gemeinden geplant, in denen es Ausschreitungen gegeben habe. Macron habe zudem Premierministerin Elisabeth Borne gebeten, am Montag die Vorsitzenden der Fraktionen im Parlament zu empfangen.
Macron wolle mit einer „sorgfältigen und längerfristigen Arbeit beginnen, um die Gründe, die zu diesen Ereignissen geführt haben, gründlich zu verstehen“, erklärte das Präsidialamt. Die Regierung wolle erst die Ereignisse analysieren und dann Schlussfolgerungen ziehen. Neben Macron und Borne nahmen sieben Ministerinnen und Minister an dem Krisentreffen am Sonntagabend teil. Binnen 48 Stunden soll die nächste Krisensitzung stattfinden.
Unruhen in Frankreich: Krawalle lassen langsam nach
Update vom 3. Juli, 4.50 Uhr: Nach tagelangen Unruhen scheint die Welle der Gewalt auf Frankreichs Straßen langsam abzuebben. In der Nacht zu Montag (3. Juli) gab es nach Angaben des Innenministeriums bis Mitternacht 49 Festnahmen - deutlich weniger als in den vorherigen Nächten zu diesem Zeitpunkt. Laut Quellen des Fernsehsenders BFMTV kamen bis 1.30 Uhr weitere 29 Festnahmen hinzu. Zwar gab es auch diesmal wieder einige Krawalle, etwa in Lyon, wo die Polizei gegen eine rechtsextreme Gruppe Tränengas einsetzte. Gemessen an den heftigen Unruhen der vergangenen Tage mit Bildern Hunderter brennender Autos und Gebäude sowie teils mehr als 1000 Festnahmen während der Nachtstunden blieb es aber relativ ruhig.
Polizist erschießt 17-Jährigen – dann brennen in Frankreich die Vororte




Innenminister Gérald Darmanin hatte in der dritten Nacht in Folge auf massive Polizeipräsenz gesetzt. 45.000 Polizisten waren im ganzen Land im Einsatz, auch diesmal wieder mit gepanzerten Fahrzeugen. Übereinstimmenden Medienberichten zufolge gab Darmanin erneut die Anweisung, entschlossen vorzugehen und Krawallmacher so schnell wie möglich festzunehmen.
Großmutter mit Appell an Krawallmacher
Update vom 17.15 Uhr: Die Ausschreitungen in Frankreich dauerten auch in der Nacht auf Sonntag an. Auslöser ist der Tod des 17-jährigen Nahel M., der mutmaßlich von einem Polizisten erschossen wurde. Nun meldet sich seine Großmutter – mit einem Appell an die Krawallmacher. „Wir wollen nicht, dass die Randalierer Geschäfte, Busse und Schulen zerstören“, zitierte sie der französischen Sender BFM TV. „Sie benutzen Nahel als Vorwand. Wir wollen, dass sich die Lage beruhigt.“
Sie sei zwar wütend auf den Beamten, der ihren Sohn erschossen habe, möchte aber nicht verallgemeinern. Er werde bestraft werden, wie jeder andere auch. „Ich habe Vertrauen in die Justiz.“ Die Menschen sollten ruhig bleiben und nicht alles kaputt machen. Sie sei müde. „Es ist vorbei, mein Kind hat kein Leben mehr.“
Eine Spendenaktion für den Polizisten, der mutmaßlich den 17-Jährigen im französischen Nanterre erschossen hat, hat unterdessen bis Sonntag wohl bereits über 500.000 Euro gesammelt. Ziel ist die Unterstützung der Familie des Polizisten, „der seine Arbeit getan hat und nun einen hohen Preis zahlt“, wie es in der Kampagne heißt. Den Spendentopf hatte Jean Messiha, ein Unterstützer des rechtsextremen Politikers Éric Zemmour, eingerichtet. Nach Angaben der Zeitung Le Figaro scheint Messiha in Konkurrenz zu einem Spendenaufruf für die Mutter des getöteten Jungen treten zu wollen. Demnach prahlte er damit, mehr Geld gesammelt zu haben.
Update vom 13.50 Uhr: Angesichts der anhaltenden Unruhen in Frankreich will Präsident Emmanuel Macron am Sonntagabend einen Lagebericht abgeben. Das teilte der Elysée-Palast laut der Nachrichtenagentur AFP mit. Zuletzt hatte sich Macron am Freitag dazu geäußert. Angesichts des sehr jungen Alters vieler Randalierer appellierte er an das Verantwortungsgefühl der Eltern.
Krawalle in Frankreich: Randalierer greifen Haus von Bürgermeister an
Update vom 2. Juli, 11.45 Uhr: Bei den Krawallen in Frankreich ist das Wohnhaus eines Bürgermeisters in einem Pariser Vorort angegriffen worden, während dessen Familie zu Hause schlief. Randalierer hätten das Haus in der Nacht zu Sonntag mit einem Auto gerammt und Feuer gelegt, schrieb Vincent Jeanbrun, Bürgermeister von L‘Haÿ-les-Roses, auf Twitter. Seine Frau und eines seiner Kinder seien verletzt worden. Nach Angaben des Fernsehsenders BFMTV leitete die Staatsanwaltschaft eine Untersuchung wegen versuchten Mordes ein.
Krawalle in Frankreich: Auch in Belgien kommt es zu Ausschreitungen
Update vom 2. Juli, 10.35 Uhr: Nicht nur in der Schweiz, sondern auch im französischen Nachbarland Belgien ist es in der vergangenen Nacht erstmals zu Ausschreitungen gekommen. Einem Bericht von Ntv zufolge setzte die Polizei gegen die Demonstrantinnen und Demonstranten unter anderem Wasserwerfer ein. Rund 30 Personen seien in Brüssel verhaftet worden – ein Großteil davon sei noch minderjährig.
Krawalle in Frankreich: Junger Mann stürzt von Dach und stirbt
Update vom 2. Juli, 9.30 Uhr: Bei den Massenprotesten ist ein junger Mann in einem Vorort der nordfranzösischen Stadt Rouen beim Sturz von einem Dach eines Supermarktes gestorben. Wie Le Parisien berichtet, seien nach Aussagen der Polizei und Staatsanwaltschaft die genauen Todesumstände allerdings noch unklar. Laut der Staatsanwaltschaft ist das etwa 20-jährige Opfer gemeinsam mit einem anderen Jugendlichen gegen fünf Uhr morgens auf das Dach des Supermarkts in Petit-Quevilly gestiegen, wo es dann zum tragischen Sturz kam.
Update vom 2. Juli, 9.05 Uhr: In Frankreich eskaliert seit Tagen die Gewalt zwischen Polizei und Demonstrierenden. Seit Samstag gibt es offenbar neue Details zum Auslöser der Situation. Nach dem Vorfall hat sich ein junger Mann zu Wort gemeldet, der während des Vorfalls mit dem getöteten 17-Jährigen im Auto gesessen haben will und die Geschehnisse in einem Social-Media-Video aus seiner Sicht beschreibt.
Krawalle in Frankreich: Unruhen schwappen auch auf die Schweiz über
Update vom 2. Juli, 8.00 Uhr: Die Unruhen in Frankreich nach dem mutmaßlich durch Polizeigewalt ausgelösten Tod eines 17-Jährigen haben nun auch die Schweiz erreicht. Die Polizei nahm am Samstagabend in der Stadt Lausanne nahe der Grenze zu Frankreich sieben Menschen fest, wie die Nachrichtenagentur Keystone-SDA berichtete. Nach Angaben der Polizei hatten sich mehr als 100 Jugendliche als Reaktion auf die Krawalle in Frankreich versammelt. Es kam zu Sachbeschädigungen an Geschäften. Die sieben Festgenommenen seien auf eine Polizeistation gebracht worden, hieß es in einer Mitteilung der Polizei weiter. Es handle sich um sechs Minderjährige im Alter von 15 bis 17 Jahren und einen 24-Jährigen.
Krawalle in Frankreich: Mehr als 400 Menschen in der Nacht zum Sonntag festgenommen
Update vom 2. Juli, 6.40 Uhr: Nach dem Tod eines Jugendlichen durch Polizeigewalt sind in Frankreich bei erneuten Krawallen in der Nacht zu Sonntag mindestens 427 Menschen festgenommen worden. Das schrieb Innenminister Gérald Darmanin am frühen Morgen auf Twitter. Trotz alledem sei die Nacht „dank des entschlossenen Vorgehens der Ordnungskräfte“ eine ruhigere gewesen. Premierministerin Élisabeth Borne lobte die Einsatzkräfte: Angesichts der Gewalttätigkeiten zeigten sie beispielhaften Mut, schrieb sie auf Twitter. 45.000 Polizistinnen und Polizisten sowie Tausende Feuerwehrleute seien im Einsatz gewesen, um die Ordnung zu schützen.
Krawalle in Frankreich: Präsident Macron sagt Staatsbesuch in Deutschland ab
Update vom 1. Juli, 14.34 Uhr: Der französische Präsident Emmanuel Macron hat seinen für Sonntag geplanten Staatsbesuch in Deutschland ab. Grund dafür sind die Ausschreitungen in Frankreich nach der Erschießung eines 17-Jährigen durch die Polizei. Das berichtet die ARD.
Update vom 1. Juli, 6.30 Uhr: Auch in der vierten Nacht nach dem Tod eines 17-jährigen Jugendlichen durch Polizeigewalt ist es in ganz Frankreich zu Krawallen gekommen. Bis zum frühen Samstagmorgen seien landesweit mindestens 471 Menschen festgenommen worden, teilte Innenminister Gérald Darmanin mit. Zu den heftigsten Ausschreitungen kam es nach Angaben der Behörden in Marseille. Dort gab es laut Polizei bis etwa 02.00 Uhr 88 Festnahmen. Im Zentrum von Marseille schleuderten der Nachrichtenagentur AFP zufolge junge und oft maskierte Demonstrierende Objekte auf Polizeitransporter. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas. Drei Polizisten wurden nach Behörden-Angaben leicht verletzt.
Krawalle in Frankreich: Polizei räumt Place de la Concorde
Update vom 30. Juni, 21.43 Uhr: Die Polizei beginnt nach eigenen Angaben damit, Demonstranten vom Place de la Concorde in Paris zu räumen. Zuvor kam es dort zu Protesten. „Die Räumungsarbeiten auf dem Place de la Concorde sind im Gange“, teilt die Polizei mit. Der Place de Concorde ist der größte Platz der Hauptstadt. Innenminister Gerald Darmanin kündigt für Freitagabend den Einsatz von 45.000 Sicherheitskräften an. Diese seien im ganzen Land im Dienst, sagt er dem Sender TF1.
Junger Mann am Rande von Protesten in Frankreich von Dach gestürzt und gestorben
Update vom 30. Juni, 20.30 Uhr: Am Rande der seit Tagen anhaltenden gewalttätigen Proteste in Frankreich ist ein junger Mann von einem Dach gestürzt und gestorben. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitagabend mitteilten, ereignete sich der Vorfall in der Nacht zu Freitag an einem Supermarkt im nordfranzösischen Petit-Quevilly nahe der Stadt Rouen in der Normandie. Die genauen Umstände waren zunächst unklar.
Proteste nach tödlicher Polizeigewalt in Frankreich: Busse und Straßenbahnen sollen abends stillstehen
Update vom 30. Juni, 16.13 Uhr: Angesichts der gewaltsamen Ausschreitungen in Frankreich sollen im ganzen Land Busse und Straßenbahnen ab abends nicht mehr fahren. Innenminister Gérald Darmanin habe die Präfekten in den Regionen angewiesen, ab 21.00 Uhr den Verkehr dieser Transportmittel einzustellen, teilte das Innenministerium am Freitag in Paris mit. Auch der Verkauf von Feuerwerkskörpern, von Benzinkanistern sowie entzündlichen und chemischen Produkten solle systematisch unterbunden werden.
Update vom 30. Juni, 15.30 Uhr: Angesichts der anhaltenden Krawalle in Frankreich hat Präsident Emmanuel Macron an das Verantwortungsbewusstsein von Eltern appelliert. Ein Drittel der Festgenommenen in der vergangenen Nacht seien Jugendliche, sagte Macron am Freitag nach einem interministeriellen Krisentreffen in Paris. „Und ich appelliere an das Verantwortungsbewusstsein der Mütter und Väter. Die Republik ist nicht dazu berufen, an ihre Stelle zu treten“, so der Präsident.
Er machte auch die sozialen Netzwerke für die Gewalteskalation der vergangenen Tage verantwortlich. Dort seien gewalttätige Versammlungen organisiert worden. Macron kündigte an, dass die Behörden gegen Menschen vorgehen werden, die über die sozialen Netzwerke zu Krawallen aufrufen.
Präsident Macron beruft wegen Protesten in Paris Krisengipfel ein
Update vom 30. Juni, 12.36 Uhr: Die UN hat Frankreich am Freitag aufgefordert, den Rassismus in seinen Sicherheitskräften zu bekämpfen. „Wir sind besorgt über die Tötung eines 17-Jährigen nordafrikanischer Abstammung durch die französische Polizei... Dies ist ein Moment für das Land, sich ernsthaft mit den tiefgreifenden Problemen des Rassismus und der Rassendiskriminierung in der Strafverfolgung auseinanderzusetzen“, sagte die Sprecherin des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte Ravina Shamdasani.
Nach Proteste in Frankreich: Macron beruft Krisengipfel ein
Update vom 30. Juni, 11.18 Uhr: Der französische Präsident Emmanuel Macron berief am Freitag eine neue Dringlichkeitssitzung der Regierung ein, nachdem es in der dritten Nacht zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen war. Die französische Premierministerin Elisabeth Borne sagte am Freitag, sie habe die Minister in ihrem Büro versammelt, um über die dritte Nacht der „unerträglichen und unentschuldbaren“ Ausschreitungen nach dem Tod eines Jugendlichen durch eine Polizeischießerei zu beraten.
Gewaltsame Proteste in Frankreich: 667 Festnahmen und 249 Verletzte
Update vom 30. Juni, 10.43 Uhr: Der französische Innenminister Gérald Darmanin erklärte im Onlinedienst Twitter, 667 Menschen seien festgenommen worden. Er lobte die Einsatzkräfte. Nach Angaben seines Ministeriums wurden 249 Polizisten und Gendarmen in der Nacht zum Freitag (30. Juni) verletzt.
Nach der dritten Nacht gewaltsamer Proteste in Frankreich wegen der tödlichen Polizeischüsse auf den 17-jährigen Nahel M, scheint die Situation weiter zu eskalieren. „Die Proteste scheinen sich zu einer Art allgemeinem Aufruhr zu entwickeln. Wir sahen eine große Anzahl von Plünderungen und Brandschatzungen in gewöhnlichen Geschäften und in einigen gehobenen Läden“, sagte Angela Diffley, Redakteurin für internationale Angelegenheiten, dem TV-Sender France 24.
Nächtliche Krawalle auch in Belgien – 30 Menschen festgenommen
Update vom 30. Juni, 3:25 Uhr: Nach Frankreich ist es auch in der belgischen Hauptstadt Brüssel zu Auseinandersetzungen zwischen Jugendlichen und Ordnungskräften gekommen. Nach Angaben der belgischen Nachrichtenagentur Belga wurden etwa 30 Menschen festgenommen, ein Großteil davon waren Minderjährige. Jugendliche hätten sich ein Katz-und-Maus-Spiel mit den Ordnungskräften geliefert und es habe mehrere Brände gegeben, erklärte die Polizei. Wie die Brüsseler Verkehrsgesellschaft auf Twitter mitteilte, wurde ein Teil des öffentlichen Personennahverkehrs eingestellt.
Belgische Medien zeigten Bilder eines brennenden Autos und von Polizisten in Kampfmontur. Laut Polizei hatten Jugendliche am Donnerstag in sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, sich als Reaktion auf den Tod des 17-Jährigen in Frankreich zu versammeln. Spannungen gab es laut Belga vor allem rund um das zentral gelegene Stadtviertel Anneessens.
Polizist nach tödlichem Schuss auf 17-Jährigen in U-Haft
Update vom 30. Juni, 3:10 Uhr: Nach dem tödlichen Schuss auf den 17-Jährigen bei einer Verkehrskontrolle in einem Pariser Vorort ist gegen den mutmaßlichen Schützen ein formelles Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Der Polizist sei der „vorsätzlichen Tötung beschuldigt“ und in Untersuchungshaft genommen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag (29. Juni) mit. Unterdessen wurden in der Nacht zum Freitag aus mehreren Städten erneut gewaltsame Proteste, Plünderungen und Feuer gemeldet.
Protestmarsch durch Paris: Erste Ausschreitungen gemeldet
Update vom 29. Juni, 21:44 Uhr: Angesichts der weiter voranschreitenden Gewaltausbrüche sehen Frankreich-Experten eine neue Entwicklung. Im Unterschied zu früheren Protestaktionen sei nun eine „viel größere Dimension“ erreicht, warnte Mustapha El Miri, Migrationsforscher an der Universität in Aix-en-Provence, in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Früher sei der Protest eher national ausgerichtet gewesen. Doch jetzt knüpfe die Bewegung an die Tradition der „Black Lives Matter“-Bewegung in den USA an. „Es könnte sozusagen der George-Floyd-Moment Frankreichs werden“, sagte der Wissenschaftler. Nach tödlichen Schüssen auf einen 17-Jährigen prangern die Demonstranten die Polizeigewalt an. Das Land steuert auf die dritte Protestnacht zu.
Update vom 29. Juni, 17.30 Uhr: Beim Protestmarsch durch Paris soll es zu ersten Ausschreitungen gekommen sein. Die Polizei feuerte mit Tränengas auf die Demonstranten, als diese an dem Ort eintrafen, an dem Tage zuvor der 17 Jahre alte Nahel M. von einem Polizisten erschossen worden war. Das berichtete die französische Zeitung Le Monde. Die Stimmung in der Hauptstadt Frankreichs bleibt aufgeheizt.
Proteste in Paris: Demonstranten setzen Waffen gegen Polizisten ein
Update vom 29. Juni, 12.20 Uhr: Laut Angaben der französischen Polizei soll es bei den nächtlichen Protesten im ganzen Land stellenweise auch zu Waffeneinsatz gekommen sein. Man sei unter anderem mit Schrotflinten beschossen worden, so ein Sprecher der Polizei. In einem Fall soll sogar eine Handgranate auf die Einsatzkräfte geworfen worden sein. Diese sei aber nicht explodiert. Videos auf Twitter zeigen bewaffnete Demonstranten, die durch die Straßen ziehen.
Update vom 29. Juni, 11.15 Uhr: Nicht nur in den Großstädten Frankreichs tobt der Protest gegen Polizeigewalt. Auch beispielsweise in Clamart, einer Stadt südwestlich von Paris, kam es zu gewaltsamen Ausschreitungen. Aufnahmen zeigen eine völlig ausgebrannte Straßenbahn und eingeworfene Schaufensterscheiben.
Proteste in Frankreich: Aufgeladene Stimmung in vielen Großstädten
Erstmeldung vom 29. Juni: Paris - Frankreich hat eine „Nacht der unerträglichen Gewalt gegen Symbole der Republik“ erlebt. Das sagte der französische Innenminister Gérald Darmanin am Donnerstag (29. Juni) auf Twitter und bezog sich dabei auf die gewaltsamen Proteste im ganzen Land gegen Polizei und Staat. Diese waren ausgebrochen, nachdem ein Polizist den 17 Jahre alten Nahel M. im Pariser Vorort Nanterre erschossen hatte.
In der Reaktion auf die tödlichen Schüsse der Polizei war die Wut zunächst in Paris übergekocht. Die aufgeladene Stimmung hatte sich dann aber schnell auf weitere Großstädte Frankreichs ausgeweitet. Ausschreitungen wurden aus Lyon, Dijon, Toulouse und Marseille gemeldet. „Rathäuser, Schulen und Polizeistationen“ seien „in Brand gesetzt oder angegriffen worden“, so Darmanin.
Proteste gegen Polizeigewalt in Frankreich setzen sich fort
Insgesamt seien bei den Demonstrationen gegen Polizeigewalt in Frankreich 150 Menschen festgenommen worden. Das teilten die Behörden am Morgen mit. In Paris und drei angrenzenden Départements wurden nach Angaben der Polizeipräfektur 35 Menschen festgenommen. In Nanterre, dem Vorort, in dem die tödlichen Schüsse fielen, sind für den heutigen Donnerstag weitere Proteste angekündigt. Über dem Gebiet hingen bis in den Morgen dichte Rauchwolken, die von brennenden Barrikaden aufstiegen. Das berichtet die französische Nachrichtenagentur AFP. Mehr als zehn Autos sowie zahlreiche Mülleimer wurden angezündet. An Häuserfassaden standen Parolen geschrieben wie „Gerechtigkeit für Nahel“ und „Polizei tötet“. Die Polizei setzte Tränengas ein und wurde mit Pflastersteinen beworfen.
Die Sicherheitskräfte bereiteten sich bereits auf andauernde Proteste gegen Polizeigewalt in Frankreich vor. Zentrum des Konflikts dürfte weiterhin der Pariser Vorort Nanterre sein. Alleine dort sollen mehr als 2000 Polizeibeamte im Einsatz sein. Das berichtet unter anderem die Nachrichtenagentur DPA.
Revolten in Frankreich nach tödlichen Polizei-Schüssen
Auslöser der Proteste waren die tödlichen Schüsse eines Polizisten auf den 17 Jahre alten Nahel M. Der Junge war am Steuer eines Autos im Pariser Vorort Nanterre in eine Polizeikontrolle geraten. Ein Video von der Kontrolle zeigt, wie zwei Polizisten neben dem Wagen stehen. Einer der Polizisten zielt dabei mit seiner Waffe auf den Fahrer und schießt aus nächster Nähe in das Fahrzeug. Nahel M. starb kurze Zeit später trotz Wiederbelebungsversuchen der Rettungskräfte durch eine Schusswunde in der Brust. Im Video war kurz vor der Kontrolle ein der Polizisten zu hören, wie er sagte: „Du kriegst eine Kugel in den Kopf.“
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron kritisierte den Vorfall in Paris. Er nannte den Vorfall einen „unerklärbaren“ und „unentschuldbaren“ Akt und fügte an: „Nichts rechtfertigt den Tod eines Jungen.“ Gleichzeitig sei aber jegliche Gewalt gegen Einsatzkräfte der Polizei unangebracht. Anne Hidalgo, Bürgermeisterin in der Hauptstadt Paris, hat sich bislang nicht zu den Ausschreitungen geäußert.
Informationen zu Nanterre
| Name | Nanterre |
| Lage | Vorort von Paris |
| Viertel | La Défense |
| Bevölkerung | rund 93.000 |
| Bürgermeister | Patrick Jarry |
Erinnerungen an Polizeigewalt in den 1990er in Frankreich
Die Ereignisse, die sich nun in Paris und anderen Orten Frankreichs abspielen, erinnern stark an eine Geschichte von 1993. Damals war der ebenfalls 17 Jahre alte Makomé M‘Bowolé von einem Polizisten an einen Heizungskörper gefesselt und aus nächster Nähe erschossen worden. Der Polizist gab später an, er habe den Jungen nur einschüchtern wollen, um ein Geständnis zu erwirken. In der Folge des Mordes kam es zu mehrtägigen Ausschreitungen. Die Geschichte von Makomé M‘Bowolé inspirierte den Regisseur Mathieu Kassovitz später zu seinem Film „La Haine“, der sich mit der Polizeigewalt in den Pariser Banlieues und dem Verhältnis zwischen Polizei und migrantischen Jugendlichen in Frankreich auseinandersetzt. (mit Agenturen)
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