Erdrutsche und Überschwemmungen

Verheerende Unwetter in den Alpen: Schlammlawinen schneiden Ferienort von Außenwelt ab – vier Vermisste

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Nach heftigen Unwettern in der Schweiz sind mehrere Orte überschwemmt. Bewohner sind evakuiert, Zermatt ist von der Außenwelt abgeschnitten.

Update vom 22. Juni, 12 Uhr: Nach dem Unwetter in der Schweiz wird das Ausmaß der Schäden erst nach und nach sichtbar. Weitere Infos finden Sie hier.

Update vom 22. Juni, 11.34 Uhr: Am Samstagmorgen hat sich die Lage in Zermatt wieder deutlich beruhigt. „Als ich heute Morgen aufgestanden bin, hat sich mir ein ruhiges Dorf präsentiert. Und ein blauer Himmel. Die ersten Gäste und Mitarbeiter waren wieder unterwegs“, sagt Gemeindepräsidentin Romy Biner-Hauser dem Walliser Boten.

Beruhigung können die Menschen in der Region bestens gebrauchen. „Unsere Helfer sind müde“, stellt Biner-Hauser fest. Viele waren die ganze Nacht über im Unwetter-Einsatz und bräuchten jetzt Erholung. Die Gemeinde Zermatt hat einen Aufruf nach Unterstützung bei den Aufräumarbeiten gestartet.

In der Schweiz kam es zu zahlreichen Überschwemmungen, Zermatt ist von der Außenwelt abgeschnitten. (Montage)

Von Außen erreichbar ist der Ferienort im übrigen immer noch nicht. Immerhin zeigt die Wetterprognose eine längere Beruhigung spätestens am Sonntag.

Erstmeldung vom 22. Juni, 8.26 Uhr: Zermatt – In der Schweiz haben heftige Unwetter mehrere Orte überschwemmt. Behörden mussten in den Kantonen Wallis und Graubünden daher am Freitag, 21. Juni, mehr als 200 Bewohner evakuieren. Im Wallis mussten rund 230 Menschen ihre Häuser verlassen, sagte die Leiterin des Amtes für Bevölkerungsschutz, Marie-Claude Noth-Ecoeur, der Schweizer Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Mehr als 200 Feuerwehrleute sowie Dutzende weitere Kräfte waren demnach alarmiert.

Überflutungen, Erdrutsche, kaputte Häuser: Unwetter verwüsten Alpenraum – Bilder zeigen Ausmaß

Seit Donnerstag (22. Juni) zieht eine Regen- und Gewitterfront über den Alpenraum. Zudem sind die Böden wegen der Schneeschmelze mit Wasser gesättigt. Das führte zu starken Überflutungen und Erdrutschen.
Seit Donnerstag (22. Juni) zieht eine Regen- und Gewitterfront über den Alpenraum. Zudem sind die Böden wegen der Schneeschmelze mit Wasser gesättigt. Das führte zu starken Überflutungen und Erdrutschen. © Kanton Wallis
Der Pegel der Rhône erreichte am Freitag (21. Juli) seinen Höchststand. Das Wallis war von den Alpen-Unwettern am stärksten betroffen. Vor allem der bekannte Ferienort Zermatt.
Der Pegel der Rhône erreichte am Freitag (21. Juli) seinen Höchststand. Das Wallis war von den Alpen-Unwettern am stärksten betroffen. Vor allem der bekannte Ferienort Zermatt. © Kanton Wallis
Zermatt in Trümmern: „Hunderte Häuser wurde praktisch zerstört“, schreibt ein Twitter-User. Laut Zivilschutz mussten im Wallis rund 230 Menschen ihr Häuser verlassen.
Zermatt in Trümmern: „Hunderte Häuser wurde praktisch zerstört“, schreibt ein Twitter-User. Laut Zivilschutz mussten im Wallis rund 230 Menschen ihr Häuser verlassen. © Screenshot/X
Dramatische Szenen mitten in Zermatt. Im Ortskern der Schweizer Gemeinde entwickelte sich die Mattervispa zur reißenden Flut. Mit einem Bagger versuchen Einsatzkräfte, den Schaden zu begrenzen.
Dramatische Szenen mitten in Zermatt. Im Ortskern der Schweizer Gemeinde entwickelte sich die Mattervispa zur reißenden Flut. Mit einem Bagger versuchen Einsatzkräfte, den Schaden zu begrenzen. © Screenshot/X
Braune Flut im Ferienort. Die Mattervispa überschwemmte Straßen und Fußgängerwege in Zermatt. Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, die Wassermassen in Grenzen zu halten.
Braune Flut im Ferienort. Die Mattervispa überschwemmte Straßen und Fußgängerwege in Zermatt. Einsatzkräfte hatten alle Hände voll zu tun, die Wassermassen in Grenzen zu halten. © Screenshot/X
Bei Gewitter und Starkregen traten Flüsse im Wallis über die Ufer und richteten Zerstörung an. Hier hängt ein Auto in Zermatt gerade noch so an der in Teilen weggebrochenen Straßen.
Bei Gewitter und Starkregen traten Flüsse im Wallis über die Ufer und richteten Zerstörung an. Hier hängt ein Auto in Zermatt gerade noch so an der in Teilen weggebrochenen Straßen. © Screenshot/X
Mit provisorischen Sperren und Sandsäcken stoppte die Kantonsverwaltungen die Fluten im Wallis etwas. Dennoch kam es zu großen Schäden. Und im Bündner Südtal Misoux sogar zu vier Vermissten.
Mit provisorischen Sperren und Sandsäcken stoppte die Kantonsverwaltungen die Fluten im Wallis etwas. Dennoch kam es zu großen Schäden. Und im Bündner Südtal Misoux sogar zu vier Vermissten. © Screenshot/X
Auch in Südtirol richteten die Unwetter große Schäden an. Der Landesfeuerwehrverband berichtet von über 200 Einsätzen in der Nacht auf Samstag (22. Juni).
Auch in Südtirol richteten die Unwetter große Schäden an. Der Landesfeuerwehrverband berichtet von über 200 Einsätzen in der Nacht auf Samstag (22. Juni).  © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Dauereinsatz für die Feuerwehr in Südtirol. Bäume wurden entwurzelt, Äste auf die Straßen geschleudert und etliche Verkehrswege musste befreit werden.
Dauereinsatz für die Feuerwehr in Südtirol. Bäume wurden entwurzelt, Äste auf die Straßen geschleudert und etliche Verkehrswege musste befreit werden. © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Die Alpen-Unwetter zerrissen in Südtirol auch ganze Häuser, deckten Dächer ab und überfluteten Keller. Dazu ging teils großer Hagel nieder.
Die Alpen-Unwetter zerrissen in Südtirol auch ganze Häuser, deckten Dächer ab und überfluteten Keller. Dazu ging teils großer Hagel nieder. © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Im strömenden Regen erlebt die Feuerwehr eine schlaflose Nacht. Immerhin scheint sich die Unwetter-Lage am Samstag (22. Juni) zumindest vormittags etwas beruhigt zu haben.
Im strömenden Regen erlebt die Feuerwehr eine schlaflose Nacht. Immerhin scheint sich die Unwetter-Lage am Samstag (22. Juni) zumindest vormittags etwas beruhigt zu haben.  © Landesfeuerwehrverband Südtirol
Häuser in der Gemeinde Lostallo nach einem Erdrutsch, der durch das schlechte Wetter und den starken Regen im Misox-Tal verursacht wurde.
Häuser in der Gemeinde Lostallo nach einem Erdrutsch, der durch das schlechte Wetter und den starken Regen im Misox-Tal verursacht wurde. © Samuel Golay/dpa
Massive Schäden nach Unwetter in der Schweiz: Bei einem Erdrutsch sind 200 Meter Autobahn eingestürzt.
Massive Schäden nach Unwetter in der Schweiz: Bei einem Erdrutsch sind 200 Meter Autobahn eingestürzt.  © Samuel Golay/KEYSTONE/dpa
Nach Unwettern in Schweiz ist die A13 zwischen San Vittore und dem San Bernardino Tunnel Nordportal gesperrt.
Nach Unwettern in Schweiz ist die A13 zwischen San Vittore und dem San Bernardino Tunnel Nordportal gesperrt.  © Graubünden Polizei

Ferienort Zermatt steht unter Wasser: Schneeschmelze und Unwetter in den Alpen

Besonders schlimm traf es den für sein Skigebiet bekannten Ferienort Zermatt. Zusammen mit der in diesem Jahr reichlichen Schneeschmelze sorgten die starken Regenfälle für Überschwemmungen. Der Fluss Vispa trat stark über seine Ufer. Durch die schweren Unwetter kam es auch zu Erdrutschen.

Zermatt in der Schweiz von Außenwelt abgeschnitten: Zugstrecke nach Unwettern gesperrt

Der Ort ist wegen der Überschwemmungsgefahr seit Freitagmittag (21. Juni) von der Außenwelt abgeschnitten. Die Sperrung der Zugstrecke zwischen Visp und Zermatt sollte noch bis mindestens Samstagmorgen (22. Juni) in Kraft bleiben. Auch der Verkehr mit Ersatzbussen zwischen Visp und dem etwa fünf Kilometer von Zermatt entfernten Täsch musste unterbrochen werden, da die Straße gesperrt wurde, teilte die Bahngesellschaft Matterhorn Gotthard Bahn mit. Auf Twitter-Videos ist zu sehen, wie der „letzte Zug“ Zermatt verlässt, bevor der Fluss Vispa über die Ufer tritt. Zermatt selbst ist autofrei.

In Täsch, wo Autofahrer parken müssen, die in das autofreie Zermatt wollen, wurde ein Campingplatz vorsorglich geräumt.

Weitere Bilder zeigen überschwemmte Fußwege und einen reißenden Strom. In Zermatt wurden auch die Schulen geschlossen, wie ein Beschäftigter der Gemeinde bei Keystone-SDA sagte.

Unwetter toben in den Alpen: Weitere Orte in der Schweiz überschwemmt, vier Personen vermisst

Wie die Kantonspolizei Graubünden in einer Mitteilung veröffentlicht, werden im Bündner Südtal Misoux inzwischen vier Personen vermisst. Mehrere Menschen mussten den Angaben zufolge evakuiert werden.

Im südöstlichen Kanton Graubünden warnten die Behörden vor erneuten Überschwemmungen im Misox. Die Kantonspolizei erklärte am Freitag: „Mehrere Flüsse traten aus ihrem Bett heraus“.

Hochwasser-Alarm in der Schweiz: Rhône erreicht Höchststand – Autobahn wegen Erdrutschen gesperrt

Im Kantons Wallis untersagten die Behörden auch Spaziergänge am Wasser. Bei der Rhône drohe Hochwassergefahr. Das Verbot gilt auch für die benachbarten Waadtländer Chablais. Nach Behördenangaben sollte die Rhône am Freitagabend ihren Höchststand erreichen – der Bahnverkehr zwischen Riddes und Ardon im Wallis wurde am Samstagmorgen wieder freigegeben.

Dem Schweizer Automobilclub Touring Club Schweiz zufolge wurde die Autobahn aufgrund von Erdrutschen im unteren Teil des Tals in beiden Richtungen gesperrt.

Weitere Teile der Schweiz sind ebenfalls von Überschwemmungen betroffen. Das Schweizer Bundesumweltamt rief für Teile des Bodensees die höchste Warnstufe aus.

Auch in Österreich gibt es schwere Schäden nach Unwettern. Und auch in Italien kämpfen die Menschen mit schweren Unwettern. Im Kanton Luzern kam es erst Anfang des Monats zu Erdrutschen. (AFP/jh/dpa)

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