Deutsche Nordsee

Gefahr durch Windpark: Studie zeigt Auswirkungen auf Wattenmeer

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Offshore-Windparks im Wattenmeer stellen eine Gefahr für Seevögel dar, das geht aus einer Studie hervor. Einige Vogelbestände seien sogar stark gefährdet.
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Studien zufolge reagieren Seevögel unterschiedlich auf Offshore-Windparks. Der Bestand bestimmter Tiere im Wattenmeer ist sogar deutlich gefährdet.

Büsum – Das Wattenmeer gilt mit mehr als 400.000 Hektar Fläche als der größte Nationalpark Deutschlands und bietet Heimat für zahlreiche Tierarten. Besonders verschiedene Seevogelarten fühlen sich in den Küstengebieten wohl und nutzen diese zur Nahrungssuche, als Brutstätten oder als Rastplatz. Die aktuelle Errichtung und Inbetriebnahme zahlreicher Offshore-Windparks in der Nordsee stelle jedoch eine Gefahr für die Bestände einiger Seevögel dar.

Das geht aus der Studie eines Teams um den Biologen Stefan Garthe vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste der Universität Kiel hervor. Windräder auf dem Meer haben demnach negativen Einfluss auf die Bestände von Seetauchern. Dazu zählen die fischfressenden Wasservögel Stern- und Prachttaucher. Seetaucher meiden Offshore-Windparks sowie direkt angrenzende Bereiche der Nordseeküste fast vollständig.

Windparks im Wattenmeer: Marine Tierwelt laut Studie gefährdet

Offshore-Windparks im Wattenmeer führten zu großflächigen Überlappungen mit der marinen Tierwelt, die dieses Gebiet unter anderem für die Nahrungssuche oder Rast nutzen, heißt es im Schlussbericht der Studie. Besonders betroffen seien demnach „Individuen, die die deutsche Nordsee als Rast-, Überwinterungs- und/oder Mausergebiet nutzen, aber vor allem auch Brutvögel der deutschen Nordseeküste.“

Garthe und Kollegen haben untersucht, wie sich der Bestand an Seetauchern durch den Bau von zwölf Offshore-Windparks in der südöstlichen Nordsee verändert hat. Das Team wertete Daten aus, die zwischen 2010 und 2017 im März und April von Schiffen und Flugzeugen aus erhoben wurden. Daraus modellierte es, wie sich die Dichte der Seetaucher in den Gebieten bis zu einer Entfernung von zehn Kilometern vom jeweiligen Windpark und darüber hinaus veränderte.

Offshore-Windparks im Wattenmeer stellen eine Gefahr für einige Seevögel dar, das geht aus einer Studie hervor. Besonders Seetaucher meiden die Anlagen.

Die Ergebnisse der Studie wurden in der Zeitschrift Scientific Reports veröffentlicht. Die Verteilung und Häufigkeit von Seetauchern veränderten sich demnach nach dem Bau der Windparks erheblich. Die Vögel seien aus der unmittelbaren Umgebung der Windräder fast vollständig verschwunden. „Der Bestand an Seetauchern ging im Umkreis von einem Kilometer um die Windkraftanlagen um 94 Prozent und im Umkreis von zehn Kilometern um 54 Prozent zurück“, teilten die Forschenden mit. Insgesamt sei der geschätzte Bestand der Seetaucher in der südlichen Nordsee um 29 Prozent gesunken.

Bestand der Seetaucher in der südlichen Nordsee
vor dem Bau der Windkraftanlagenknapp 35.000 Individuen
nach dem Bau der Windkraftanlagenweniger als 25.000 Vögel

Studie zum Wattenmeer: Seevögel zeigen negative Reaktion auf Windkraftanlagen

Den Forschern zufolge zeigten keine anderen Seevögel eine so signifikante negative Reaktion auf die Anwesenheit der Windkraftanlagen. Sie vermuten, dass sich der Bau der Anlagen auf die Nahrungssuche der Seetaucher auswirkt, da ihre Aktionsräume nun auf kleinere Gebiete beschränkt sind. Andere Seevogelarten wie beispielsweise Möwen seien neugieriger und würden sich schnell an die Windkraftanlagen anpassen. Für Seetaucher seien die Windräder jedoch eine Störung, „Daher halten sie Distanz dazu“, so der Experte in einem Interview mit dem Schleswig-Holstein-Magazin.

An der Tatsache, dass erneuerbare Energien einen Großteil des künftigen Energiebedarfs decken sollten, haben die Forschenden keinen Zweifel, allerdings appellieren sie gleichzeitig an die Politik, die bestehende Krise der Artenvielfalt bei den Plänen weiterer Offshore-Windparks der EU in der Nordsee zu berücksichtigen. Analysen zu vielen Arten an verschiedenen Standorten sollten helfen, herauszufinden, welche Meeresgewässer sich am besten für Windkraftanlagen eignen, ohne Artenschutzziele zu gefährden. (hg/dpa)

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